Ein biss­chen ver­staat­licht

Die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung sucht We­ge zur Ret­tung der Ban­ca Ca­ri­ge

Aller-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON FRANK-THO­MAS WEN­ZEL

FRANKFURT. Die Ret­tung ma­ro­der Ban­ken kam für die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung ei­gent­lich nie in­fra­ge. Das sei das Al­ler­letz­te, was man tun wür­de, war im­mer sinn­ge­mäß zu hö­ren. Ent­spre­chend viel Hohn und Spott müs­sen sich die Po­pu­lis­ten jetzt ge­fal­len las­sen, denn kaum ist ein Geld­in­sti­tut in Schief­la­ge ge­ra­ten, ma­chen sie ge­nau dies: Ret­tungs­mög­lich­kei­ten su­chen.

Nun wird hef­tig ge­strit­ten, wie es mit der Ban­ca Ca­ri­ge wei­ter­ge­hen soll. Das Geld­haus aus Ge­nua hat wie vie­le an­de­re fau­le und halb­fau­le Kre­di­te in den Bü­chern – bei der re­la­tiv klei­nen Ban­ca Ca­ri­ge han­delt es sich um 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zu­dem sind die Kur­se der Staats­an­lei­hen, die auch die Ge­nue­ser in grö­ße­ren Men­gen hal­ten, stark ge­fal­len. Des­halb braucht die Bank drin­gend fri­sches Geld. Doch ein Groß­ak­tio­när leg­te sich ge­gen ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung quer, und die EZB stell­te die Ban­ca Ca­ri­ge un­ter Zwangs­ver­wal­tung.

Es droh­te ein Ban­krun, al­so ein An­sturm der Spa­rer, die ihr Geld ab­he­ben. Ein Kol­laps der Bank wä­re dann un­ver­meid­lich, was die Re­gie­rung zu ei­ner 180-Grad-wen­de ver­an­lass­te: Sie ge­währt nun staat­li­che Ga­ran­ti­en für die Aus­ga­be neu­er An­lei­hen. Es wur­de ein Fonds mit 1,3 Mil­li­ar­den Eu­ro für die Kos­ten zur Stüt­zung des Geld­hau­ses ein­ge­rich­tet.

Die Re­gie­rung aus Fünf­ster­ne-be­we­gung und rechts­ra­di­ka­ler Le­ga wirft sich ins Zeug, um ein Pro­blem zu be­kämp­fen, das sie selbst ver­schul­det hat. Ih­re Po­li­tik hat die Kur­se ita­lie­ni­scher Staats­an­lei­hen fal­len las­sen, was die Ren­di­ten in die Hö­he trieb. Für Pa­pie­re mit zehn­jäh­ri­ger Lauf­zeit sind es knapp 3 Pro­zent. Vor zwölf Mo­na­ten no­tier­ten sie mit nur 1,9 Pro­zent.

So schmilzt ei­ner­seits der Wert der Staats­pa­pie­re in den Port­fo­li­os der Ban­ken, und gleich­zei­tig wird es für sie teu­rer, sich das drin­gend be­nö­tig­te Geld auf dem Ka­pi­tal­markt zu be­schaf­fen. Die La­ge könn­te sich ver­schär­fen, wenn die Ra­ting­agen­tu­ren die Be­wer­tun­gen für Staats­an­lei­hen nach un­ten kor­ri­gie­ren, was man­che Be­ob­ach­ter schon bald er­war­ten. Dann dro­hen meh­re­re wei­te­re ita­lie­ni­sche Ban­ken in Tur­bu­len­zen zu ge­ra­ten.

Bei der Ban­ca Ca­ri­ge wol­len sich die Ko­ali­tio­nä­re mit ei­nem Trick aus der Af­fä­re zie­hen. Vi­ze­pre­mier Lu­i­gi di Maio (Fünf Ster­ne) hat die Ban­ken­ret­tung ein­fach zum ers­ten Schritt ei­ner an­geb­lich ge­plan­ten Ver­staat­li­chung um­de­kla­riert. Der an­de­re Vi­ze­pre­mier Mat­teo Sal­vi­ni (Le­ga) fin­det das auch gut.

Das al­les hat al­ler­dings den par­tei­lo­sen Fi­nanz- und Wirt­schafts­mi­nis­ter Gio­van­ni Tria in be­trächt­li­che Nö­te ge­bracht, denn er hat­te sich da­für aus­ge­spro­chen, dass die Ban­ca Ca­ri­ge sa­niert und dann von Unicredit oder ei­ner an­de­ren ita­lie­ni­schen Groß­bank über­nom­men wird. Nun spricht er von ei­ner be­fris­te­ten Ver­staat­li­chung.

FOTO: ZENNARO/DPA

Die Ban­ca Ca­ri­ge hat ih­re Zen­tra­le in Ge­nua.

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