Br­ex­it-dra­ma ge­fähr­det 100 000 deut­sche Jobs

Stu­die sieht Au­to­in­dus­trie am stärks­ten be­trof­fen – Ho­né führt in Lon­don Kri­sen­ge­sprä­che

Aller-Zeitung - - ERSTE SEITE - VON MAR­CO SENG

HAN­NO­VER. Die Sor­ge vor ei­nem un­ge­re­gel­ten Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on wächst zu­se­hends. Ei­ne neue Stu­die sieht für die­sen Fall 100000 Ar­beits­plät­ze in Deutsch­land be­droht – in Nie­der­sach­sen wä­re dem­nach vor al­lem die Vw-stadt Wolfs­burg be­trof­fen. Die nie­der­säch­si­sche Eu­ro­pa­mi­nis­te­rin Birgit Ho­né ist am Sonn­tag nach Lon­don auf­ge­bro­chen, um dort in Ge­sprä­chen mit bri­ti­schen Po­li­ti­kern für die Be­lan­ge Nie­der­sach­sens ein­zu­tre­ten.

„Ei­ni­ge Aus­wir­kun­gen des Br­ex­its auf Nie­der­sach­sen ha­ben wir schon lan­ge im Blick. So ist be­kannt­lich die Fi­sche­rei be­son­ders be­trof­fen, weil sie ih­re Fang­grün­de in der Nord­see ver­lie­ren wird “, sag­te Ho­né. Gra­vie­ren­de Fol­gen sei­en aber auch für Nie­der­sach­sens Haupt­aus­fuhr­gü­ter – al­so Au­tos und Le­bens­mit­tel – zu er­war­ten.

Das Haupt­pro­blem für die hie­si­ge Wirtschaft: Nach ei­nem un­ge­re­gel­ten Br­ex­it wür­den wie­der Zöl­le auf Ex­por­te nach Groß­bri­tan­ni­en er­ho­ben. Der dar­aus fol­gen­de Ex­port­ein­bruch kos­tet vie­le Ar­beits­plät­ze. Mit­hil­fe ei­ner Si­mu­la­ti­ons­rech­nung kom­men die Wis­sen­schaft­ler des Leib­niz-in­sti­tuts für Wirt- schafts­for­schung Hal­le (IWH) und der Mar­tin-lu­ther-uni­ver­si­tät Hal­le-wit­ten­berg zu dem Schluss, dass al­lein da­durch et­wa 100 000 Jobs in Deutsch­land in Ge­fahr sind.

Be­trof­fen ist der Stu­die zu­fol­ge vor al­lem die Au­to­in­dus­trie. Die größ­ten Aus­wir­kun­gen gä­be es – ge­mes­sen an der Ge­samt­zahl der Be­schäf­tig­ten – am Vw-stand­ort Wolfs­burg und am Bmw­stand­ort Din­gol­fing-lan­dau in Nie­der­bay­ern. Für Wolfs­burg ha­be die For­mel er­ge­ben, dass 500 Ar­beit­neh­mer po­ten­zi­ell be­trof­fen sei­en, für Din­gol­fing-lan­dau sind es 265. In bei­den Fäl­len ent­sprä­che das rund 0,4 Pro­zent al­ler Be­schäf­tig­ten.

„In kei­nem an­de­ren Staat ist der Ef­fekt auf die Ge­samt­be­schäf­ti­gung so groß wie in Deutsch­land“, er­klär­te der Wis­sen­schaft­ler und Mit­ver­fas­ser der Stu­die, Oli­ver Hol­te­m­öl­ler, der „Welt am Sonn­be­reit tag“, die über die Un­ter­su­chung be­rich­te­te.

Ho­né nann­te den Br­ex­it ei­nen „har­ten Ein­schnitt“, der am En­de kei­ne Ge­win­ner her­vor­brin­gen wer­de. „Groß­bri­tan­ni­en war über mehr als 45 Jah­re ein in­te­gra­ler Be­stand­teil der EU, ei­ne wich­ti­ge Säu­le“, sag­te die Mi­nis­te­rin. „Wir Nie­der­sach­sen pfle­gen schon sehr viel län­ger sehr in­ten­si­ve und in­ni­ge Be­zie­hun­gen zu un­se­ren bri­ti­schen Nach­barn. Der Br­ex­it tut al­so nicht nur wirt­schaft­lich weh.“

Ho­né will mit dem Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tär im Br­ex­it-mi­nis­te­ri­um, Ro­bin Wal­ker, und dem Mi­nis­ter für Land­wirt­schaft und Fi­sche­rei, Ge­or­ge Eusti­ce, spre­chen. Es ste­hen zu­dem ein Be­such bei der Nie­der­las­sung der Aer­ze­ner Ma­schi­nen­fa­brik so­wie ei­ne Be­geg­nung mit deut­schen Stu­den­ten und mit Nie­der­sach­sen an, die in Lon­don le­ben.

FOTO: JU­LI­AN STRATENSCHULTE/DPA

Das Vw-werk in Wolfs­burg.

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