War­ren will Us-prä­si­den­tin wer­den

Das Rin­gen der De­mo­kra­ten um ih­ren künf­ti­gen Po­li­tik­kurs spitzt sich zu

Aller-Zeitung - - TAGESTHEMEN - VON STE­FAN KOCH

WA­SHING­TON. Wie lau­tet die rich­ti­ge Ant­wort auf Do­nald Trump? Die wach­sen­de Zahl von Spit­zen­po­li­ti­kern der Usde­mo­kra­ten, die im kom­men­den Jahr ge­gen den Prä­si­den­ten an­tre­ten wol­len, zeigt an, dass es auf die­se Fra­ge höchst un­ter­schied­li­che Ant­wor­ten gibt. Am Wo­chen­en­de er­klär­te nun auch Eliz­a­beth War­ren, die Front­frau des lin­ken Par­tei­flü­gels, ih­re Kan­di­da­tur.

Al­lein schon der Ort der An­kün­di­gung ist viel­sa­gend: Die Se­na­to­rin trat am Sonn­abend in La­wrence auf, ei­ner Kle­in­stadt in Mas­sa­chu­setts, in der sich das wech­sel­vol­le Auf und Ab der ame­ri­ka­ni­schen In­dus­trie wie un­ter ei­nem Brenn­glas stu­die­ren lässt. Vor hun­dert Jah­ren wur­den hier Ar­bei­ter­streiks von der Na­tio­nal­gar­de ge­walt­sam nie­der­ge­schla­gen, spä­ter kam es zu mas­sen­haf­ten Ent­las­sun­gen, von de­nen sich La­wrence nie mehr so rich­tig er­ho­len soll­te.

Mit den still­ge­leg­ten Schorn­stei­nen im Hintergrund kün­dig­te die 69-jäh­ri­ge War­ren in ei­ner kämp­fe­ri­schen Re­de die Bän­di­gung des Ka­pi­ta­lis­mus an und for­der­te ei­ne stär­ke­re Verant- wortung der Ver­mö­gen­den. „Mil­lio­nen von Fa­mi­li­en kön­nen kaum at­men“, rief War­ren ih­ren An­hän­gern zu und warf der Re­gie­rung vor, die Au­gen vor den tat­säch­li­chen Le­bens­um­stän­den in den USA zu ver­schlie­ßen. Nur durch ei­nen gro­ßen struk­tu­rel­len Wan­del kön­ne es mehr soziale Ge­rech­tig­keit ge­ben. Da­ge­gen zäh­le das Trump-ka­bi­nett zu den kor­rup­tes­ten seit Men­schen­ge­den­ken.

War­ren setzt auf ei­ne hö­he­re Be­steue­rung von Spit­zen­ver­die­nern, stren­ge­re Ge­set­ze für Lob­by­is­ten, ei­nen en­ga­gier­ten Kli­ma­schutz und auf ei­ne all­ge­mei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung. Wäh­rend ihr Kol­le­ge Ber­nie San­ders noch ei­nen Schritt wei­ter­geht und ei­nen de­mo­kra­ti­schen So­zia­lis­mus an­strebt, hält War­ren den Ka­pi­ta­lis­mus al­ler­dings für re­for­mier­bar.

Der Amts­in­ha­ber, der War- ren als Her­aus­for­de­rin be­son­ders ernst nimmt, da sie die Ar­bei­ter­schaft eben­so wie er als ih­re Stamm­wäh­ler­schaft be­trach­tet, re­agier­te am Wo­chen­en­de spöt­tisch auf ih­re Be­wer­bung: „Wird sie als ers­te Ur­ein­woh­ne­rin kan­di­die­ren?“Der Prä­si­dent be­zeich­ne­te die Se­na­to­rin ein­mal mehr als „Po­ca­hon­tas“, in An­spie­lung auf die le­gen­dä­re Häupt­ling­s­toch­ter. Der Streit um ih­re in­dia­ni­schen Vor­fah­ren ist mitt­ler­wei­le ein wun­der Punkt der Kan­di­da­tin: Nach schar­fen Pro­tes­ten der Ur­ein­woh­ner muss­te sie ver­gan­ge­nes Jahr ein­räu­men, kei­ne An­ge­hö­ri­ge der alt­ein­ge­ses­se­nen Stäm­me zu sein.

Die Aus­ein­an­der­set­zung um ih­re Vor­fah­ren hat­te der lang­jäh­ri­gen Po­li­ti­ke­rin und er­folg­rei­chen Buch­au­to­rin in der Öf­fent­lich­keit über­aus ge­scha­det, zählt aber in­ner­halb ih­rer Par­tei nur als ein Streit­punkt un­ter vie­len. Hin­ter den Ku­lis­sen tobt in die­sen Wo­chen viel­mehr ein er­bit­ter­ter Streit um die Stra­te­gie für den kom­men­den Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf. Jun­ge Ab­ge­ord­ne­te wie die New Yor­ke­rin Alex­an­dria Oca­sio-cor­tez hat­ten bei den jüngs­ten Zwi­schen­wah­len mit ei­nem stramm-lin­ken Pro­gramm in ih­ren Wahl­krei­sen teils be­ein­dru­cken­de Er­fol­ge er­zielt. Alt­ge­dien­te Ab­ge­ord­ne­te wie Nan­cy Pe­lo­si war­nen je­doch vor ei­nem Ab­rü­cken von der ge­sell­schaft­li­chen Mit­te: In den Au­gen der ein­fluss­rei­chen Spre­che­rin des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses hät­te ei­ne Se­na­to­rin wie Amy Klo­buchar letzt­lich grö­ße­re Chan­cen. Klo­buchar, die am Sonn­tag eben­falls ih­re Kan­di­da­tur be­kannt gab, wirbt im Ge­gen­satz zu War­ren aber für aus­drück­lich par­tei­über­grei­fen­de Po­si­tio­nen. Die 58-Jäh­ri­ge zählt zu den Ver­tre­tern des Mitt­le­ren Wes­tens, al­so ge­nau der Re­gi­on, die ei­gent­lich als Stamm­land der De­mo­kra­ten gilt, aber 2016 knapp von Trump ge­won­nen wur­de. Klo­buch­ars gro­ßer Plus­punkt: Sie be­sitzt An­hän­ger so­wohl in länd­li­chen wie in städ­ti­schen Re­gio­nen. Als Prag­ma­ti­ke­rin war sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren über­aus er­folg­reich und im Kon­gress an der Er­ar­bei­tung di­ver­ser Ge­set­ze be­tei­ligt. Bis­her fehlt der Se­na­to­rin aber die lan­des­wei­te Po­pu­la­ri­tät, die bei­spiels­wei­se Joe Bi­den be­sitzt. In neus­ten – par­tei­in­ter­nen – Um­fra­gen liegt der Vi­ze­prä­si­dent auf dem Spit­zen­platz der Be­wer­ber.

FOTO: ELISE AMENDOLA/AP

Die linke Us-de­mo­kra­tin Eliz­a­beth War­ren wur­de von ih­ren An­hän­gern nach ih­rer Re­de in La­wrence ge­fei­ert.

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