Uni­on trifft sich zur Ge­ne­ral­aus­spra­che über Flücht­lings­po­li­tik

Aller-Zeitung - - BLICK IN DIE ZEIT - VON DA­NIE­LA VATES

Am An­fang der neu­en Uni­ons­flücht­lings­de­bat­te steht Ge­läch­ter. Cdu-che­fin An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er hat zu ei­ner De­bat­te ge­la­den und be­grüßt ih­re Par­tei­kol­le­gen als „So­zi­al­de­mo­kra­tin­nen und So­zi­al­de­mo­kra­ten“. Kram­pkar­ren­bau­er kor­ri­giert sich um­ge­hend.

Der baye­ri­sche In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann ver­kneift sich ei­ne Sti­che­lei über die an­geb­li­che So­zi­al­de­mo­kra­ti­sie­rung der CDU. Es sei bes­ser, Din­ge von vor­ne­her­ein ge­mein­sam zu er­ör­tern als hin­ter­her über Be­schlos­se­nes zu strei­ten, sag­te Herr­mann statt­des­sen. „Es ist ein gu­ter Neu­an­fang.“

Der Neu­an­fang ist Kramp-kar­ren­bau­ers ers­ter gro­ßer Auf­schlag als neue Cdu-vor­sit­zen­de. Sie hat sich die Flücht­lings­po­li­tik vor­ge­nom­men, die die CDU in den letz­ten Jah­ren ge­spal­ten und die CDU und

CSU aus­ein­an­der­ge­trie­ben hat. Die Uni­on hat sich in­zwi­schen auf den

Satz ver­stän­digt, das Jahr 2015, in dem Eu­ro­pa ei­nen gro­ßen Flücht­lings­strom er­lebt hat, dür­fe sich nicht wie­der­ho­len. Die Fra­ge sei: „Was ha­ben wir seit da­mals ei­gent­lich ge­lernt und wür­de das aus­rei­chen, um so et­was wie 2015 auch in der Zu­kunft zu ver­hin­dern?“, sagt Kramp-kar­ren­bau­er. An­dert­halb Tage sit­zen sie des­we­gen in der Par­tei­zen­tra­le zu­sam­men, in ver­schie­de­nen in­ter­nen Dis­kus­si­ons­run­den. Werk­statt­ge­spräch, so lau­tet der of­fi­zi­el­le Ti­tel.

Den An­fang macht ei­ne Talk­run­de meh­re­rer Wis­sen­schaft­ler.der Bon­ner Ju­rist Chris­ti­an Hill­gru­ber über­nimmt den schrof­fen Part und for­dert ei­ne Ein­schrän­kung des Asyl­rechts. Man müs­se ver­su­chen, zwi­schen Ar­beits­mi­gra­ti­on und Flücht­lin­gen zu tren­nen. Wenn dies nicht mög­lich sei, müs­se die EU ihr Schutz­ver­spre­chen ein­schrän­ken. Der Kon­stan­zer Eu­ro­pa- rech­ter Da­ni­el Thym wi­der­spricht, dies sei be­reits jetzt mög­lich. Der Vor­sit­zen­de der Eu­ro­päi­schen Sta­bi­li­täts­in­itia­ti­ve, Gerald Kn­aus, for­dert, das von ihm mit in­iti­ier­te Eu-tür­kei-ab­kom­men zum Vor­bild zu neh­men. So wie mit der Tür­kei müs­se die EU mit Län­dern wie Gam­bia, Se­ne­gal oder Ni­ge­ria Ab­kom­men zur Rück­nah­me von Flücht­lin­gen schlie­ßen. Dann funk­tio­nier­ten auch Ab­schie­bun­gen bes­ser.

Ein paar Cdu-po­li­ti­ker aus dem Pu­bli­kum kom­men zu Wort: Ein Land­rat be­rich­tet über In­te­gra­ti­ons­er­fah­run­gen, ein Po­li­zist for­dert we­ni­ger Hin­der­nis­se für Ab­schie­bun­gen. Der Frank­fur­ter Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Eg­bert Jahn iden­ti­fi­ziert die Flücht­lings­po­li­tik als Dau­er­bau­stel­le. „Wir wer­den die Flucht­ur­sa­chen nicht ab­schaf­fen“, sagt Jahn. Er sagt im Üb­ri­gen vor­aus, die CDU wer­de in 40 Jah­ren mög­li­cher­wei­se in „Christ­lich-mus­li­mi­sche De­mo­kra­ti­sche Uni­on“um­be­nen­nen.

Eu­ro­pa­recht­ler Thym warnt ein­dring­lich da­vor, die De­bat­te den Po­la­ri­sie­rern zu über­las­sen – den Über­mo­ra­li­schen auf der ei­nen und den Ab­schot­tungs­be­für­wor­tern auf der an­de­ren Sei­te. „Sonst wird uns die po­li­ti­sche Mit­te weg­bre­chen“, warnt er.

FOTO: KAY NIETFELD/DPA

Aus­spra­che: An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er geht das The­ma Flücht­lings­po­li­tik an.

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