SPD ver­ab­schie­det sich von Hartz IV

Par­tei­vor­stand be­schließt das Kon­zept „So­zi­al­staat 2025“– Uni­ons­po­li­ti­ker kri­ti­sie­ren den „Links­ruck“

Aller-Zeitung - - POLITIK - VON TO­BI­AS PETER

BERLIN. Hartz IV – die­ses The­ma hat die SPD über vie­le Jah­re ge­lähmt. Am Sonn­tag hat der Par­tei­vor­stand in ei­ner Klau­sur in Berlin das Kon­zept „So­zi­al­staat 2025“be­schlos­sen. „Wir las­sen Hartz IV hin­ter uns“, sag­te Par­tei­che­fin Andrea Nah­les.

Das Kon­zept sieht un­ter an­de­rem vor, dass äl­te­re Ar­beits­lo­se län­ger Ar­beits­lo­sen­geld I be­zie­hen kön­nen – auf die­se Wei­se wer­de das Prin­zip der Leis­tungs­ge­rech­tig­keit ge­stärkt, so Nah­les. Wenn je­mand aus Ar­beits­lo­sen­geld I in die Grund­si­che­rung fällt, soll es zu­dem ei­ne zwei­jäh­ri­ge Schon­zeit ge­ben, be­vor auf Ver­mö­gen oder die Woh- nungs­grö­ße ge­schaut wird. Was heu­te Hartz IV ge­nannt wird, soll künf­tig Bür­ger­geld hei­ßen.

Das al­les ist im Ko­ali­ti­ons­ver­trag mit der Uni­on nicht vor­ge­se­hen. Das­sel­be gilt auch für den Plan von Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD), die Grund­ren­te für Ge­ring­ver­die­ner auch oh­ne Be­dürf­tig­keits­prü­fung aus­zu­ge­ben.

In der Uni­on wird der neue Kurs der SPD als „Links­ruck“ge­wer­tet. Ent­spre­chend hart fällt die Kri­tik des Ko­ali­ti­ons­part­ners aus. So kri­ti­sier­te CSU-CHEF Mar­kus Sö­der, dass das Grund­ren­ten­mo­dell Heils nicht vom Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­deckt ist. „Wir ver­han­deln kei­nen neu­en Ko­ali­ti­ons­ver­trag“, sag­te er. Na­tür­lich re­de man mit­ein­an­der, „aber es darf kei­nen ideo­lo­gi­schen Links­ruck der Re­gie­rung ge­ben“, füg­te er hin­zu.

Der stell­ver­tre­ten­de Cduvor­sit­zen­de Vol­ker Bouf­fier ging noch wei­ter. „Die SPD plant die Be­er­di­gung der so­zia­len Markt­wirt­schaft“, sag­te der hes­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent der Fun­ke-me­di­en­grup­pe. Nah­les sag­te, das Spdkon­zept wer­de nicht am Geld schei­tern. Schließ­lich sei es auch das Ziel, Men­schen durch gu­te Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te schnel­ler wie­der in Ar­beit zu brin­gen.

In der SPD ist auf­merk­sam re­gis­triert wor­den, dass die Plä­ne für die Grund­ren­te für Ge­ring­ver­die­ner in der Be­völ­ke­rung gut an­kom­men. Laut Um­fra­gen sind mehr als 60 Pro­zent der Deut­schen da­für. In ei­ner Em­nid-um­fra­ge für „Bild am Sonn­tag“leg­te die SPD ge­gen­über der Vor­wo­che ei­nen Pro­zent­punkt zu – und kam auf 17 Pro­zent. Da­mit lag sie erst­mals seit Mo­na­ten wie­der gleich­auf mit den zu­letzt so er­folg­rei­chen Grü­nen.

Mit der Ver­ab­schie­dung des neu­en So­zi­al­staats­kon­zepts ver­sucht auch Par­tei­che­fin Andrea Nah­les den Be­frei­ungs­schlag. Sie steht seit Mo­na­ten we­gen der schlech­ten Um­fra­ge­wer­te in der Kri­tik.

Der Par­tei­en­for­scher Os­kar Nie­der­may­er geht da­von aus, die SPD wer­de kurz­fris­tig da­von pro­fi­tie­ren, dass sie pla­ka­tiv den Ab­schied von Hartz IV an­kün­di­ge. „Es spricht aber ei­ni­ges da­für, dass sich das Gan­ze als Stroh­feu­er her­aus­stellt“, sag­te er dem Redaktionsnetzwerk Deutsch­land (RND). Denn zur Kernk­li­en­tel der So­zi­al­de­mo­kra­ten ge­hö­re nicht zu­letzt der auf­stiegs­ori­en­tier­te Fach­ar­bei­ter, der nach­rech­nen wer­de, was ihn man­che For­de­rung kos­te. Zu­dem lie­ßen sich die Pro­ble­me der SPD nicht al­lein mit So­zi­al­leis­tun­gen lö­sen.

Der nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­vor­sit­zen­de der SPD, Se­bas­ti­an Hart­mann, sag­te: „Die SPD hat die­se Wo­che er­folg­reich ge­zeigt, wie sie mit gu­ten Kon­zep­ten un­ser Land vor­an­brin­gen will. Das ist der rich­ti­ge Weg zu neu­er Stär­ke.“Die Ver­ga­be in­ter­ner Hal­tungs­no­ten hel­fe da­bei nicht.

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