Ent­schei­dungs­schlacht in Nord­sy­ri­en

Krieg ge­gen die Ter­ror­mi­liz IS könn­te zu En­de ge­hen – Zi­vi­lis­ten ge­ra­ten zwi­schen die Fron­ten

Aller-Zeitung - - POLITIK - VON JAN KUHL­MANN

DA­MAS­KUS. Trup­pen un­ter kur­di­scher Füh­rung ha­ben im Os­ten Sy­ri­ens ei­ne Of­fen­si­ve auf die letz­te Hoch­burg der Ter­ror­mi­liz „Is­la­mi­scher Staat“(IS) in dem Bür­ger­kriegs­land be­gon­nen. Seit Sonn­abend­abend grei­fen sie den klei­nen Ort Baghus an der Gren­ze zum Nach­bar­land Irak an. Kampf­jets der von den USA an­ge­führ­ten in­ter­na­tio­na­len An­ti-is-ko­ali­ti­on un­ter­stüt­zen die An­grif­fe aus der Luft.

Die Sy­ri­sche Be­ob­ach­tungs­stel­le für Men­schen­rech­te mel­de­te am Sonn­tag, die Kämp­fe bräch­ten Hun­der­te Fa­mi­li­en in Ge­fahr. Die Is-kämp­fer miss­brauch­ten die Zi­vi­lis­ten als mensch­li­che Schutz­schil­de. Ein Re­por­ter des Us-sen­ders CNN vor Ort mel­de­te un­ter Be­ru­fung auf nicht nä­her ge­nann­te Of­fi­zie­re, in Baghus könn­ten sich bis zu 1500 Zi­vi­lis­ten auf­hal­ten.

Soll­te die Of­fen­si­ve er­folg­reich sein, könn­te der jah­re­lan­ge Krieg ge­gen den IS in Sy­ri­en und im be­nach­bar­ten Irak sein vor­läu­fi­ges En­de er­rei­chen. Die Dschi­ha­dis­ten ha­ben seit dem Hö­he­punkt ih­rer Macht im Som­mer 2014 ihr frü­he­res Herr­schafts­ge­biet fast voll­stän­dig ver­lo­ren.

In Baghus sol­len noch vie­le aus­län­di­sche Is-an­hän­ger und an­de­re Kämp­fer aus­har­ren, die als be­son­ders kampf­er­probt gel­ten. Dort rü­cken am Bo­den die Sdf-trup­pen vor, die von der Kur­den­mi­liz YPG an­ge­führt wer­den. Sie hat­ten be­reits in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten gro­ße Ge­bie­te vom IS im Nor­den und Os­ten Sy­ri­ens ein­ge­nom­men.

Ein Sieg über den IS in Baghus wür­de auch die Plä­ne von Us-prä­si­dent Do­nald Trump er­leich­tern, die rund 2000 ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten aus Sy­ri­en ab­zu­zie­hen. Am Mitt­woch hat­te er er­klärt, er rech­ne in na­her Zu­kunft, even­tu­ell schon nächs­te Wo­che, mit ei­ner voll­stän­di­gen Rück­er­obe­rung der Is-ge­bie­te. Ei­nen of­fi­zi­el­len Zeit­plan hat Trump bis­lang nicht vor­ge­legt. Das „Wall Street Jour­nal“be­rich­te­te in der ver­gan­ge­nen Wo­che, der Ab­zug sol­le En­de April ab­ge­schlos­sen sein. Trumps Ab­zugs­plä­ne ha­ben in­ter­na­tio­nal mas­si­ve Kri­tik aus­ge­löst. Mi­li­tärs und Be­ob­ach­ter war­nen, der IS sei trotz der Ge­biets­ver­lus­te noch nicht be­siegt und kön­ne wie­der­er­star­ken. In ei­nem kürz­lich vom Us-ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ver­öf­fent­lich­ten Be­richt heißt es, der IS blei­be ak­tiv und kön­ne in sechs bis zwölf Mo­na­ten wie­der auf­le­ben.

Die Zahl der ver­blie­be­nen Is-kämp­fer im Os­ten Sy­ri­ens wird dar­in auf 2000 ge­schätzt. Vie­le von ih­nen sind in den gro­ßen Wüs­ten­ge­bie­ten un­ter­ge­taucht, von wo aus sie An­grif­fe nach Gue­ril­latak­tik ver­üben. Bei ei­nem Us-ab­zug droht auch ein An­griff der Tür­kei auf die YPG. Die Re­gie­rung in An­ka­ra sieht in der Mi­liz ei­nen Ab­le­ger der ver­bo­te­nen kur­di­schen Ar­bei­ter­par­tei PKK und hat sie als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft. Die Kur­den kon­trol­lie­ren in Nord­sy­ri­en ein gro­ßes Ge­biet an der Gren­ze zur Tür­kei und ha­ben ei­ne Selbst­ver­wal­tung er­rich­tet.

FOTO: MCGRATH/GETTY

Fa­mi­li­en war­ten dar­auf, aus der Ge­fah­ren­zo­ne ge­bracht zu wer­den. 1500 Zi­vi­lis­ten sol­len sich noch in Baghus auf­hal­ten.

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