Teu­re An­ru­fe in Ab­we­sen­heit

Weil die Ping-calls zu­neh­men, will die Netz­agen­tur die Preis­an­sa­ge wie­der ein­füh­ren

Aller-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON CHRIS­TOPH HÖLAND

HAN­NO­VER. Es klin­gelt kurz, der An­ru­fer legt auf, und im Te­le­fon-dis­play blinkt ei­ne un­be­kann­te Num­mer als „ent­gan­ge­ner An­ruf“. Bei der Vor­wahl 00261 mö­gen die An­ge­ru­fe­nen das für Dort­mund hal­ten. Doch spä­tes­tens, wenn beim Rück­ruf nur Stil­le in der Lei­tung herrscht, ist es Zeit, auf­zu­le­gen. Denn in Wahr­heit kam der An­ruf aus Ma­da­gas­kar. Be­trü­ger wol­len Ah­nungs­lo­se so zu teu­ren Aus­lands­an­ru­fen ver­lei­ten, an de­nen sie selbst mit­ver­die­nen. Seit ein wich­ti­ger Schutz­me­cha­nis­mus für Ver­brau­cher ab­ge­lau­fen ist, neh­men die so ge­nann­ten Ping-calls wie­der zu. Die Bun­des­netz­agen­tur will des­halb um­steu­ern: Sie will die Preis­an­sa­ge vor Te­le­fo­na­te in vie­le Län­der wie­der zur Pflicht ma­chen.

Min­des­tens 14 000 Mal sei­en Ver­brau­cher al­lein im Ja­nu­ar durch Ping-an­ru­fe be­läs­tigt wor­den, be­rich­tet die Netz­agen­tur in Bonn, bei der sich Ver­brau­cher über die Bein trü­ger be­schwe­ren kön­nen. Zu Hoch­zei­ten im Jahr 2017 sei­en es zwar noch 79 000 Be­schwer­den ge­we­sen. Doch nach­dem die Zahl 2018 ge­sun­ken war, ha­be sie jetzt wie­der zu­ge­nom­men, sag­te ein Spre­cher der Be­hör­de.

Hin­ter den An­ru­fen ste­cken in der Re­gel Com­pu­ter, die an­ge­ru­fe­nen Num­mern stam­men nach Be­hör­den­an­ga­ben von Adress­händ­lern oder wer­den nach dem Zu­falls­prin­zip an­ge­wählt. Ziel der An­ru­fer ist es, die Neu­gier zu we­cken und die An­ge­ru­fe­nen zu ei­nem Rück­ruf zu ani­mie­ren, an dem die Be­trü­ger mit­ver­die­nen. Bis zu drei Eu­ro pro Mi­nu­te kos­tet so ein Te­le­fo­nat.

Lan­ge wa­ren Ver­brau­cher zu­min­dest teil­wei­se vor die­ser Ma­sche ge­schützt. Bei An­ru­fen in vie­len Län­dern in­for­mier­te ei­ne Preis­an­sa­ge vor­ab über die an­fal­len­den Kos­ten. Erst nach ei­nem Si­gnal­ton schlug sich das Te­le­fo­nat auch der Rech­nung nie­der. Es blieb al­so Zeit, recht­zei­tig auf­zu­le­gen.

Zu den Preis­an­sa­gen hat­te die Bun­des­netz­agen­tur die Mo­bil­funk­an­bie­ter ver­pflich­tet. Die Re­ge­lung ist aber En­de De­zem­ber aus­ge­lau­fen. Und tat­säch­lich ha­ben der Be­hör­de zu­fol­ge ei­ni­ge An­bie­ter die Preis­an­sa­gen im Ja­nu­ar so­fort ab­ge­schal­tet. „An­de­re ha­ben das wei­ter­lau­fen las­sen“, sagt der Spre­cher aber auch. Wel­che Un­ter­neh­men ih­re Kun­den war­nen, dür­fe die Be­hör­de nicht mit­tei­len.

Die flä­chen­de­cken­den Preis­an­sa­gen vor in­ter­na­tio­na­len Te­le­fo­na­ten sol­len nun zu­rück­kom­men: Die Be­hör­de hat an­ge­ord­net, dass al­le Mo­bil­funk­an­bie­ter bei An­ru­fen un­ter 56 in­ter­na­tio­na­len Vor­wah­len wie­der ei­ne An­sa­ge vor­schal­ten müs­sen. Die Re­ge­lung tritt am 1. März in Kraft und soll für drei Jah­re gel­ten. Schließ­lich ha­be die Ent­wick­lung 2018 ge­zeigt, dass dies ein ef­fek­ti­ves Mit­tel sei, Ping­wel­len ein­zu­däm­men, er­klärt die Bun­des­netz­agen­tur.

FOTO: SE­BAS­TI­AN GOLLNOW/DPA

Bran­den­burg oder Bos­ni­en-her­ze­go­wi­na? Vor­wah­len kön­nen ver­wir­ren.

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