Jeff Be­zos will nicht mit­spie­len

Der Ama­zon-grün­der wirft ei­nem Bou­le­vard­blatt Er­pres­sung vor

Aller-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON STE­FAN KOCH

WA­SHING­TON. Über Tage sonn­te sich der „Na­tio­nal En­qui­rer“in sei­nem ver­meint­li­chen Er­folg. Die um­strit­te­ne Bou­le­vard­zei­tung hat­te pri­va­te Text­nach­rich­ten zwi­schen Ama­zon-grün­der Jeff Be­zos und sei­ner Ge­lieb­ten ver­öf­fent­licht und da­mit den reichs­ten Men­schen der Welt bloß­ge­stellt. Doch der Mil­li­ar­där, des­sen Schei­dung von Ehe­frau Macken­zie Be­zos be­reits läuft, geht zum Ge­gen­an­griff über: Er wirft der Bou­le­vard­zei­tung in ei­nem of­fe­nen Brief Er­pres­sung vor.

Der Chef des „Na­tio­nal En­qui­rer“ha­be mit der Ver­öf­fent­li­chung von Nackt­fo­tos ge­droht, soll­te der Ama­zon- Chef nicht zwei Be­din­gun­gen er­fül­len: sei­ne pri­va­ten Er­mitt­lun­gen ge­gen den Ver­lag ein­stel­len und öf­fent­lich er­klä­ren, dass die pi­kan­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht po­li­tisch mo­ti­viert sei­en.

Denn Be­zos ließ von Pri­vat­de­tek­ti­ven durch­leuch­ten, wie sei­ne Bot­schaf­ten den Weg zum „En­qui­rer“fan­den. Be­le­gen will er da­mit sei­ne Ver­mu­tung, dass hin­ter de­ren Ver­öf­fent­li­chung po­li­ti­sche Mo­ti­ve ste­hen. Zu den viel­fäl­ti­gen Ak­ti­vi­tä­ten des Un­ter­neh­mers ge­hört auch, dass er Ei­gen­tü­mer der „Wa­shing­ton Post“ist, die kri­tisch über Prä­si­dent Do­nald Trump be­rich­tet. Trump selbst hat Be­zos mehr­mals per­sön­lich an­ge­grif­fen.

Der „En­qui­rer“-her­aus­ge­ber Ame­ri­can Me­dia Inc. mit Da­vid Pe­cker an der Spit­ze hat sich da­ge­gen be­reits im Wahl­kampf 2016 eng an die Sei­te des Kan­di­da­ten Trump ge­stellt. Der Ver­lag zahl­te auch ei­ne ho­he Sum­me an ei­ne Frau, die be­haup­te­te, in frü­he­ren Jah­ren ei­ne Sex­af­fä­re mit Trump ge­habt zu ha­ben. Die Frau muss­te sich im Ge­gen­zug zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­ten – ih­re Ge­schich­te ist dann al­ler­dings nie im „En­qui­rer“er­schie­nen.

Be­zos zeigt sich von den Kämp­fen im Hintergrund über­rascht: Er se­he sich kei­nes­wegs als „Feind“des Prä­si­den­ten und sei weit da­von ent­fernt, die tra­di­ti­ons­rei­che „Wa­shing­ton Post“zu in­stru­men­ta­li­sie­ren. Nach sei­ner ei­ge­nen öf­fent­li­chen Er­klä­rung er­hielt der Un­ter­neh­mer Rü­cken­de­ckung von ei­nem pro­mi­nen­ten Jour­na­lis­ten: Der Pu­lit­zer-preis­trä­ger Ro­n­an Far­row er­klär­te, eben­falls mit ähn­li­chen Me­tho­den von der Ame­ri­can Me­dia Inc. be­droht wor­den zu sein, als er den Ver­bin­dun­gen zwi­schen dem Ver­lag und dem Wahl­kampf des Prä­si­den­ten nach­spür­te.

Ver­lags­chef Da­vid Pe­cker ist sich da­ge­gen kei­ner Schuld be­wusst: „Wir ver­hal­ten uns ge­set­zes­kon­form. Au­ßer­dem gin­gen wir da­von aus, in ei­nem gu­ten Kon­takt zu Herrn Be­zos zu ste­hen.“Ein An­walt Pe­ckers sag­te dem Sen­der ABC: „Es ist kein Ver­bre­chen, je­mand zu bit­ten, die Wahr­heit zu sa­gen. Die Wahr­heit zu sa­gen, dass es nicht po­li­tisch mo­ti­viert war.“

FOTO: OWEN/AP

Jeff Be­zos sieht sich als Op­fer ei­ner In­tri­ge.

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