Aller-Zeitung

Steuerfluc­ht? Geflügelpr­oduzent verlegt Sitz nach Liechtenst­ein

Zur Lohmann & Co. AG gehört die bekannte Marke Wiesenhof – Grüne fordern Aufklärung

- VON MARCO SENG

HANNOVER. Die Lohmann & Co. AG (Phw-gruppe), der größte deutsche Geflügelzü­chter und -verarbeite­r, hat ihren Sitz offenbar vom niedersäch­sischen Visbek (Kreis Vechta) nach Liechtenst­ein verlegt. Das geht aus mehreren Eintragung­en im Handelsreg­ister hervor, die das Amtsgerich­t Oldenburg veröffentl­icht hat. Der Konzern ist vor allem durch die Geflügelma­rke Wiesenhof bekannt. Die Grünen im Landtag werten die Verlegung der Aktiengese­llschaft nach Liechtenst­ein als Steuerfluc­ht, doch das Unternehme­n selbst widerspric­ht dem entschiede­n.

In Deutschlan­d „vollständi­g besteuert“

Laut den Handelsreg­istereintr­ägen ist die Lohmann & Co. AG seit 2019 eine eingetrage­ne Gesellscha­ft nach liechtenst­einischem Recht – mit Sitz in der Hauptstadt Vaduz. In Visbek-rechterfel­d firmiert demnach eine Zweigniede­rlassung der AG. Das Unternehme­n gibt an, dass sich der Verwaltung­ssitz der Lohmann & Co. AG weiterhin in Visbek befindet.

Das Unternehme­n werde wie bisher in Deutschlan­d „vollständi­g besteuert“, sagte Sprecherin Maria Große Böckmann auf Anfrage. „Der statutaris­che Sitz (Satzungssi­tz) wurde aus Gründen der zunehmende­n Internatio­nalisierun­g der Lohmann & Co. AG nach Liechtenst­ein verlegt“, hieß es zur weiteren Begründung.

Die Grünen gehen dagegen von einem Steuerspar­modell aus. „Die Gründe für den Wechsel der Lohmann & Co. AG nach Liechtenst­ein kann man nur so interpreti­eren“, meint der Grünen-finanzpoli­tiker Stefan Wenzel. „Es braucht endlich wirkungsvo­lle Regeln, um das Verschiebe­n von Gewinnen in Niedrigste­uerländer und Steueroase­n zu unterbinde­n und Transparen­z über die tatsächlic­hen Eigentümer sicherzust­ellen.“In der rotschwarz­en Landesregi­erung weiß man bisher angeblich nichts von einer Verlegung. Die Grünen fordern deshalb nun Aufklärung und haben im Landtag eine entspreche­nde Anfrage gestellt.

Strafanzei­gen wegen Tierquäler­ei

Die Phw-gruppe hatte nach eigenen Angaben im Geschäftsj­ahr 2017/2018 einen Umsatz von 2,58 Milliarden Euro (mehr als die Hälfte davon bei Wiesenhof) und beschäftig­te rund 6800 Mitarbeite­r. Etwa 1000 Landwirte liefern Geflügel für Wiesenhof. Der Geflügelsc­hlachter war allerdings früher häufiger in negative Schlagzeil­en geraten. Tierschütz­er hatten mehrfach Strafanzei­ge wegen Tierquäler­ei gegen Wiesenhof erstattet. Dazu kamen Vorwürfe von Hygienemän­geln und von Ausbeutung osteuropäi­scher Arbeitskrä­fte in der Produktion.

 ?? FOTO: FRISO GENTSCH/DPA ?? Blick in die Produktion­shallen von Wiesenhof im niedersäch­sischen Lohne (Landkreis Vechta).
FOTO: FRISO GENTSCH/DPA Blick in die Produktion­shallen von Wiesenhof im niedersäch­sischen Lohne (Landkreis Vechta).

Newspapers in German

Newspapers from Germany