Las Ve­gas will ar­tig wer­den

Ame­ri­kas Spiel­platz hat schon Plä­ne für die Zeit nach Co­ro­na: Die Wüs­ten­me­tro­po­le will sich als Ziel für Sport­fans, En­ter­tain­ment­su­chen­de, Sho­pa­ho­lics und Gour­mets in­sze­nie­ren

Aller-Zeitung - - MEDIEN - VON IMRE GRIMM

Es gibt nicht vie­le Or­te auf der Welt, an de­nen sich ein eher un­ter­durch­schnitt­lich sport­li­ches und eher un­gla­mou­rö­ses Männ­chen mal für fünf Mi­nu­ten wie Ge­or­ge Cloo­ney füh­len darf. In Las Ve­gas, 3600 South Las Ve­gas Bou­le­vard, an ei­nem Rou­let­te­tisch im Bel­lagio vi­el­leicht. Mit ei­nem Un­ter­schied: Auf dem grü­nen Filz lie­gen nicht 20 000 Dol­lar – son­dern nur 20.

Al­les auf Rot. Die Ku­gel rollt. Sie stoppt auf der 27. Rot. Ge­won­nen. Ver­dop­pelt. Es ist die­ses Ge­fühl, hier auf dem tie­fen Tep­pich im Ca­si­no des Bel­lagio, um­ne­belt von süß­li­chem Raum­duft, das Las Ve­gas 80 Jah­re lang mit gro­ßem Er­folg ver­kauft hat: das Ge­fühl, für Se­kun­den ein Mobs­ter zu sein, ein Gam­bler, ein 20-Dol­lar-ge­win­ner.

Drau­ßen am Strip schie­ben sich in nor­ma­len Zei­ten Mil­lio­nen von Men­schen durch die neo­ner­leuch­te­te Wüs­ten­nacht. Co­ro­na hat die Stadt hart ge­trof­fen. Die­se Rei­se hat vor dem Lock­down statt­ge­fun­den. Die Ca­si­nos wa­ren wo­chen­lang ge­schlos­sen. Aber die Selbst­hei­lungs­kräf­te die­ser Me­tro­po­le sind le­gen­där. Und sie hat be­reits Plä­ne für die Post­pan­de­mie­zeit.

Die glit­zern­de Wüs­te­n­oa­se lebt seit Jahr­zehn­ten vom Ruf des Ver­ruch­ten. Es ist ein ab­sur­der Ort im Nir­gend­wo, von Gangs­tern ge­schaf­fen und von Mil­li­ar­dä­ren zur Geld­ma­schi­ne auf­ge­bla­sen. Heu­te fei­ert man die gla­mou­rös-ver­ruch­ten Sün­den­jah­re im Mob Mu­se­um, ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Er­leb­nis­haus in ei­nem ehe­ma­li­gen Zoll­ge­bäu­de in Down­town Las Ve­gas. Der Aus­stel­lung ge­lingt es spie­lend, die Ma­fia­kul­tur zu wür­di­gen, oh­ne sie all­zu sehr zu glo­ri­fi­zie­ren. Das Mob Mu­se­um ist ein ge­lun­ge­nes In­for­ma­ti­ons­zen­trum über die An­ti­hel­den der Ma­fia von Lu­cky Lu­cia­no bis Mey­er Lans­ky.

Ve­gas hat vie­le Aufs und Abs er­lebt. 45 Mil­lio­nen Be­su­cher ka­men 2019 in die Stadt. Aber die Stadt hat ein Pro­blem, und die­ses Pro­blem ist viel äl­ter als Co­ro­na: Die Leu­te spie­len nicht mehr. Je­den­falls längst nicht mehr so viel. Und sie hat kei­ne Son­der­stel­lung mehr. Denn Glücks­spiel ist heu­te in 48 von 50 Us-bun­des­staa­ten er­laubt.

Es wa­ren vor al­lem vier Ar­gu­men­te, die seit 80 Jah­ren mehr­heit­lich Ker­le nach Ve­gas lock­ten: Glücks­spiel, Al­ko­hol, Sex und das Ge­fühl, je­der­zeit ein Ma­fio­so sein zu kön­nen, wenn bloß der läs­ti­ge All­tag nicht wä­re. Auch in Zu­kunft sol­len es vier Ar­gu­men­te sein, die Men­schen in die Wüs­te von Ne­va­da lo­cken – aber sie klin­gen ganz an­ders: Sport, En­ter­tain­ment, gu­tes Es­sen und Shop­ping.

„Wie krie­gen wir die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on nach Ve­gas?“, fragt Ste­ve Hill. Er ist Chef der Tou­ris­mus­be­hör­de. „Wir müs­sen un­ser An­ge­bot ver­brei­tern.” In die­sem Jahr noch soll das rie­si­ge Meow-wol­fKunst-en­ter­tain­ment-cen­ter er­öff­nen, ein Er­leb­nis­park für al­le Sin­ne. Im Ja­nu­ar hat das Nfl-foot­ball­team der Oak­land Rai­ders aus Los An­ge­les sei­ne neue Hei­mat im na­gel­neu­en, 1,8 Mil­li­ar­den Dol­lar teu­ren Al­le­gi­ant Sta­di­um mit 65 000 Plät­zen be­zo­gen – und sich in Las Ve­gas Rai­ders um­be­nannt. Ein neu­es Me­ga­re­sort na­mens Re­sorts World, das vor al­lem die asiatische Kund­schaft an­spre­chen soll, soll im Som­mer 2021 er­öff­nen. Das Mes­se­ge­län­de am El­vis Pres­ley Bou­le­vard wird ver­grö­ßert. Elon Musks Bohr­fir­ma The Bo­ring Com­pa­ny baut ein Tun­nel­sys­tem für au­to­nom fah­ren­de Au­tos, die wie fern­ge­lenk­te Ta­xis für ein paar Dol­lar Be­su­cher trans­por­tie­ren sol­len.

Ganz Ne­va­da boom­te. Co­ro­na hat all die­se Plä­ne nicht zer­stört, nur ver­zö­gert. Wei­te­re Pro­jek­te der Stadt sind die Ma­di­son-squa­re-gar­dens­phe­re-are­na mit 18 000 be­weg­li­chen, pro­gram­mier­ba­ren Ki­no­sit­zen, das neue Ca­e­sars Fo­rum mit den bei­den größ­ten Ball­sä­len der USA so­wie das neue Cir­ca Re­sort & Ca­si­no.

Auch Hill weiß: Las Ve­gas lief zu­letzt Ge­fahr, zum aus­tausch­ba­ren Schaum­par­ty­und-ach­ter­bahn-ur­laubs­ort zu wer­den. Heu­te re­gie­ren frei­lich kei­ne fei­er­wü­ti­gen Ma­fio­si mehr, son­dern sit­ten­stren­ge Mil­li­ar­den­kon­zer­ne.

Die le­ga­len Er­ben der Pro­hi­bi­ti­on ar­bei­ten in­zwi­schen in Hen­der­son, ei­nem klei­nen Vo­r­ort. Dort, im noch jun­gen Boo­ze District, brau­en De­stil­le­ri­en und Braue­rei­en wie die Bad Beat Bre­we­ry oder die Las Ve­gas Di­stil­le­ry Craft­beer und Edel­schnaps. Am En­de geht es dar­um, Ve­gas auch als Gour­met­ziel zu eta­blie­ren. Das gilt erst recht für die cle­ver-ku­li­na­ri­schen Lip Smacking Foo­die Tours von Do­nald Con­tur­si. Auf ge­führ­ten Tou­ren durch vier der 4200 Re­stau­rants in Las Ve­gas lie­fert er sei­nen Gäs­ten un­kom­pli­zier­te High-end-kü­che.

„Las Ve­gas ist gut dar­in, aus Kri­sen ge­stärkt her­vor­zu­ge­hen“, sagt Seth Le­vitt, Ver­an­stal­ter von Ka­nu­tou­ren und an­de­rem Was­ser­sport auf dem Co­lo­ra­do Ri­ver. Wir glei­ten durch das küh­le Was­ser, links am Ufer liegt Ne­va­da, rechts Ari­zo­na. To­ten­stil­le. Nur das sanf­te Plat­schen der Pad­del. Es ist das Ge­gen­teil von Las

Las Ve­gas

An­rei­se

Bei nor­ma­lem Rei­se­be­trieb gab es zu­letzt wö­chent­lich zwei Di­rekt­flü­ge von Frank­furt am Main nach Las Ve­gas mit Con­dor so­wie zahl­rei­che wei­te­re Kom­bi­na­tio­nen.

Ein­rei­se

We­gen ei­nes co­ro­nabe­ding­ten Ein­rei­se­ver­bots sind tou­ris­ti­sche Rei­sen in die USA ak­tu­ell nicht mög­lich.

Un­ter­künf­te

Die Aus­wahl an Ho­tels in un­ter­schied­li­chen Preis­klas­sen ist rie­sig. In Down­town Las Ve­gas gibt es et­wa das Pla­za Ho­tel & Ca­si­no (1 Main Street). www.pla­zaho­tel­ca­si­no.com

Ma­fia-his­to­rie

The Mob Mu­se­um mit gro­ßer Aus­stel­lung über die Ma­fia-ver­gan­gen­heit von Las Ve­gas, Shop und Un­der­ground Spea­kea­sy & Di­stil­le­ry, 300 Ste­wart Ave­nue. the­mob­mu­se­um.org

Ak­ti­vi­tä­ten

Ka­jak­tou­ren auf dem Co­lo­ra­do Ri­ver: Bla­zin’ Padd­les, 18 000 US-93, Boul­der Ci­ty.

Moun­tain­bi­ke­tour am La­ke Me­ad: De­sert Ad­ven­tures, 1647-A Ne­va­da High­way, Boul­der Ci­ty. Hub­schrau­ber­flug zum Grand Can­yon: Pa­pil­lon Gol­den Eag­le He­li­c­op­ter Tour, di­ver­se Aus­flugs­pa­ke­te, auf Wunsch mit Shut­tle­ser­vice. www.bla­zin­padd­les.com www.ka­yak­las­ve­gas.com www.pa­pil­lon.com

Na­tur und His­to­rie

Spring Moun­tain Ranch Sta­te Park, 6375 NV-159, Blue Dia­mond. parks.nv.gov/parks/ spring-moun­tain-ranch

’’ Wie krie­gen wie die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on nach Las Ve­gas? Ste­ve Hill, Chef der Tou­ris­mus­be­hör­de

Hen­der­son Boul­der Ci­ty

FO­TOS: PAUL/ADO­BE STOCK, IMRE GRIMM (3); GRAFIK: KA­TRIN SCHÜT­ZE-LILL/OPENSTREET­MAP-MIT­WIR­KEN­DE

Die Wüs­ten­me­tro­po­le Las Ve­gas (1) will künf­tig nicht nur mit Glücks­spiel lo­cken. In der Stadt soll es noch mehr En­ter­tain­ment ge­ben. Schon heu­te wid­met sich das Mob Mu­se­um der Ma­fia-ge­schich­te der Stadt (3). Au­ßer­halb der Stadt lo­cken At­trak­tio­nen wie Ka­jak­tou­ren auf dem Co­lo­ra­do Ri­ver (2) oder der Spring Moun­tain Sta­te Park (4).

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