Gif­horn be­kommt ei­ne Se­nio­ren-wg für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge am Wal­ke­weg

Neu­er Baustein beim Ge­sund­heits­zen­trum: Bet­ti­na Harms setzt auf be­son­de­res Kon­zept

Aller-Zeitung - - GIFHORN - VON ANDREA POSSELT

Gif­horn. Noch ist noch nichts zu se­hen von dem nächs­ten Pro­jekt auf dem Ge­län­de des Ge­sund­heits­parks, doch läuft al­les nach Plan, star­tet dort ab 1. April 2021 ei­ne ganz be­son­de­re Se­nio­ren-wg. In­ves­tor ist Pe­ter Ober­mei­er, Di­enst­leis­ter in dem Haus am Lö­wen­zahn­weg wird der Am­bu­lan­te Pfle­ge­dienst von Bet­ti­na Harms. Sie und Jas­min Fried­richs, Ab­tei­lungs­lei­te­rin der Wohn­ge­mein­schaf­ten, er­läu­tern das Kon­zept, das so­gar Ster­be­be­glei­tung be­inhal­tet.

In dem zwei­ge­schos­si­gen Bau, der op­tisch dem neu ent­stan­de­nen Dia­ly­se­zen­trum an­ge­passt ist, ent­ste­hen elf Zim­mer – ma­xi­mal zu­läs­sig sind zwölf Be­woh­ner in der am­bu­lant be­treu­ten WG. „Als Al­ter­na­ti­ve zu ei­nem klas­si­schen Pfle­ge­heim“kön­ne man sich das Pro­jekt vor­stel­len. Wer ein­zieht, muss min­des­tens Pfle­ge­grad 2 ha­ben. De­men­te, Schlag­an­fall­ge­schä­dig­te und vie­le an­de­re mit ge­sund­heit­li­chen Han­di­caps – al­le fin­den hier ih­ren Platz. Ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen? Bet­ti­na Harms ist da sehr ent­schie­den, ge­ra­de was den Um­gang mit De­men­ten an­geht. Klar, die kön­ne man al­le in rei­ne De­menz-hei­me ab­schie­ben. Aber sie ver­folgt ei­nen an­de­ren An­satz. In die

Wohn­ge­mein­schaft der be­son­de­ren Art: Für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge gibt es ab kom­men­dem Jahr ein neu­es An­ge­bot – die neue am­bu­lant be­treu­te Pfle­geWG, für die Bet­ti­na Harms ein be­son­de­res Kon­zept ver­folgt.

ser Se­nio­ren-wg ist Zu­sam­men­le­ben an­ge­sagt, ak­tiv sein je nach Mög­lich­keit. Da kön­ne durch­aus auch je­mand mit ei­ner De­menz ein­mal die Din­ge auf den Kopf stel­len.

Der Mix aus ver­schie­de­nen Han­di­caps kön­ne auch Vor­tei­le ha­ben. Jas­min Fried­richs fällt gleich ein Bei­spiel ein aus dem All­tag. „Wenn je­mand den Arm nicht mehr be­we­gen kann, kann ihn je­mand an­de­res füt­tern.“Zu­sam­men­le­ben ist das Zau­ber­wort, kein vor­ge­kau­tes

Ta­ges­pro­gramm, kei­ne rei­ne Be­treu­ung. Deut­li­ches Zei­chen: Die ge­mein­sa­me Wohn­kü­che ist 55 Qua­drat­me­ter groß. „All­tag statt The­ra­pie“, wirft Bet­ti­na Harms als Stich­wort ein. Das ge­mein­sa­me Vor­pla­nen des Mit­tag­es­sens, das ge­mein­sa­me Sch­nib­beln von Kar­tof­feln und Ge­mü­se – das sei­en wert­vol­le Er­leb­nis­se für al­le, weiß Jas­min Fried­richs. „Und die bes­te Er­go­the­ra­pie, die es gibt“, sagt sie la­chend.

Sie­ben sol­cher Se­nio­renwgs – fünf im Land­kreis, zwei in Wolfs­burg – hat Bet­ti­na Harms schon auf­ge­baut. Die Er­fah­run­gen und Rück­mel­dun­gen sind bis­lang po­si­tiv. „Gibt es hier Be­schäf­ti­gung?“, wer­de sie oft ge­fragt, sagt Bet­ti­na Harms und schüt­telt en­er­gisch den Kopf. Nichts schlim­mer als ei­ne von Pfle­ge­kräf­ten an­be­raum­te Bas­tel­stun­de. Man wol­le viel­mehr die Be­woh­ner ak­ti­vie­ren, je nach In­ter­es­se und Vor­lie­be.

Pfle­ge­kräf­te sind 24 St­un­den lang da, aber sie sind nicht die Be­stim­mer ei­ner fes­ten Ta­ges­struk­tur. „Ein Lang­schlä­fer kommt eben ein­fach spä­ter zum Früh­stück“, be­schreibt Harms den Un­ter­schied zu gro­ßen Pfle­ge­hei­men, in de­nen es nur mit ge­tak­te­ten Ab­läu­fen funk­tio­niert. „Dort geht es ein­fach oft nicht an­ders“, weiß sie um die Pro­ble­ma­tik.

Für das Gif­hor­ner Pro­jekt ste­hen schon neun In­ter­es­sen­ten auf der War­te­lis­te. Geht al­les nach Plan, könn­ten die ers­ten Be­woh­ner zum 1. April 2021 ein­zie­hen.

➡ Die Be­woh­ner schaf­fen sich die von ih­nen ge­wünsch­te Ta­ges­struk­tur sel­ber

FO­TO: DPA, GRA­FIK: BET­TI­NA HARMS GM­BH

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