Kei­ne Ent­las­tung beim Strom­preis

11 Mil­li­ar­den Eu­ro steu­er­geld sol­len An­stieg ver­hin­dern – doch das miss­lingt

Aller-Zeitung - - WIRT­SCHAFT - VON FRANK-THOMAS WENZEL

FRANKFURT. Die Kos­ten für die För­de­rung von Wind- und Son­nen­strom stei­gen. Zu­gleich sol­len die Bür­ger zu­min­dest ein biss­chen bei den Aus­ga­ben für elek­tri­sche Ener­gie ent­las­tet wer­den. Des­halb will die Bun­des­re­gie­rung zu­sätz­li­che Zu­schüs­se fürs nächs­te Jahr be­reit­stel­len. Doch al­lent­hal­ben ist zu hö­ren, dass das nicht reicht, um Ener­gie­wen­de und Kli­ma­schutz vor­an­zu­brin­gen. Die For­de­rung nach grund­le­gen­den Re­for­men in der Ener­gie­po­li­tik wird lau­ter.

Seit Jah­ren ist die so­ge­nann­te Eeg-um­la­ge ein Zank­ap­fel. Das ist die Ab­ga­be, die Strom­kun­den zah­len müs­sen, um den Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gie­trä­ger zu fi­nan­zie­ren. Der­zeit be­rap­pen pri­va­te Haus­hal­te und vie­le Un­ter­neh­men 6,75 Cent pro Ki­lo­watt­stun­de – das ist fast ein Vier­tel des Strom­prei­ses.

Im nächs­ten Jahr wür­de es ei­nen Auf­schlag so­gar auf 9,6 Cent ge­ben, was ein neu­er Re­kord wä­re. Der Grund für den rech­ne­risch star­ken

Sprung sind die Fol­gen der Co­ro­na-kri­se. Die Netz­be­trei­ber nann­ten ei­nen Ver­fall der Bör­sen­strom­prei­se so­wie ei­nen eben­falls haupt­säch­lich durch die Pan­de­mie ver­ur­sach­ten Rück­gang beim Strom­ver­brauch.

Aber die Ver­brau­cher wer­den von den Mehr­aus­ga­ben ver­schont. Die Bun­des­re­gie­rung hat im Rah­men ih­rer Kon­junk­tur­pro­gram­me be­schlos­sen, die Eeg-um­la­ge mit 6,5 Cent für 2021 und 6 Cent für 2022 zu de­ckeln. Des­halb wird erst­mals Geld aus dem Bun­des­haus­halt aufs Um­la­gekon­to über­wie­sen. Knapp 10,8 Mil­li­ar­den Eu­ro wer­den da­für nach Be­rech­nun­gen der vier gro­ßen Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber fürs nächs­te Jahr be­nö­tigt. Das Geld soll zum grö­ße­ren Teil aus dem neu­en Co2-preis (25 Eu­ro pro Ton­ne) stam­men, der für Heiz­öl und Erd­gas, Ben­zin und Die­sel im neu­en Jahr ein­ge­führt wird. Ein klei­ne­rer Teil soll aus all­ge­mei­nen Haus­halts­mit­teln be­strit­ten wer­den. Der De­cke­lef­fekt wird sich nach den Be­rech­nun­gen der Ex­per­ten des Ver­gleich­spor­tals Ve­ri­vox in­des in Gren­zen hal­ten: Ei­ne Sen­kung des durch­schnitt­li­chen Strom­prei­ses um ein Pro­zent sei zu er­war­ten. Bei ei­nem Stan­dard­haus­halt mit ei­nem Ver­brauch von 4000 Ki­lo­watt­stun­den pro Jahr kä­me rech­ne­risch ei­ne Er­spar­nis von 12 Eu­ro in zwölf Mo­na­ten zu­sam­men.

Doch selbst die­se Mi­ni­ent­las­tung dürf­te bei vie­len Strom­kun­den nicht zum Tra­gen kom­men. So macht Thors­ten Storck, Ener­gie­ex­per­te bei Ve­ri­vox, dar­auf auf­merk­sam, dass die Strom­netz­ge­büh­ren eben­falls et­wa ein Vier­tel der Strom­rech­nung aus­ma­chen. Und bei de­nen zeich­ne sich „ei­ne leich­te Er­hö­hung“ab.

Für Storck ist klar: „Ins­ge­samt blei­ben die Strom­prei­se in Deutsch­land auf ho­hem Ni­veau, welt­weit zah­len die Ver­brau­cher hier­zu­lan­de die höchs­ten Strom­prei­se.“Da­bei soll der Kli­ma­schutz doch durch den stär­ke­ren Ein­satz von elek­tri­scher Ener­gie vor­an­ge­bracht wer­den.

FO­TO: STEFAN SAUER/DPA

Wind­kraft­an­la­gen in Meck­len­burg-vor­pom­mern: Sie wer­den mit­fi­nan­ziert durch die Eeg-um­la­ge.

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