Ein Ve­to oh­ne Wert

Allgäuer Anzeigeblatt - - Vorderseite - VON MAR­TIN FER­BER fer@azv.de

Das Trau­ma sitzt tief. So wie CDU und CSU bis heu­te an der Flücht­lings­po­li­tik ih­rer Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel lei­den, hat die SPD die Agen­da-2010-Po­li­tik ih­res Kanz­lers Ger­hard Schrö­der bis heu­te nicht ver­ar­bei­tet. Dar­um for­dert sie nun die Re­form der Re­form, die Til­gung des Na­mens Hartz IV und ei­ne ins Po­si­ti­ve ge­wen­de­te Un­ter­stüt­zung – das so­li­da­ri­sche Grund­ein­kom­men.

Der Ver­such des am­tie­ren­den SPD-Chefs Olaf Scholz, die De­bat­te qua­si mit ei­nem Macht­wort zu be­en­den, ist fürs Ers­te ge­schei­tert. Schrö­ders eins­ti­ger Ge­ne­ral­se­kre­tär steht auf ver­lo­re­nem Pos­ten, sein Wort ver­hallt im Wind, sein Rück­halt in der Par­tei war oh­ne­hin noch nie groß. Über­dies sind die Zei­ten güns­tig: Die Kas­sen des Bun­des wie der Bun­des­agen­tur für Ar­beit sind prall ge­füllt, die Zahl der Ar­beits­lo­sen ist auf ei­nen his­to­ri­schen Nied­rig­stand ge­fal­len, die Wirt­schaft boomt. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten wol­len nicht mehr lei­den, Hartz IV hat sei­ne Schul­dig­keit ge­tan. Ein neu­es Eti­kett muss her, bis zum Som­mer will der neue Ar­beits- und So­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil ein neu­es Ge­setz für ei­nen so­zia­len Ar­beits­markt vor­le­gen. Und die Uni­on soll­te Ver­ständ­nis da­für ha­ben – Horst See­ho­fer tut schließ­lich auch al­les, da­mit sie ihr Flücht­lings­trau­ma über­win­det.

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