Wei­ßer Tod am „Lan­gen Zug“

La­wi­ne Die Rou­te, an der drei Män­ner star­ben, gilt als Her­aus­for­de­rung

Allgäuer Anzeigeblatt - - Allgäu-rundschau - VON MICHA­EL MUNKLER Fo­to: ARA -Flug­ret­tung

Lech Am Sams­tag in Lech am Arl­berg: End­lich hat der Dau­er­schnee­fall der vor­he­ri­gen Ta­ge auf­ge­hört. Vier Män­ner aus Ober­schwa­ben sind im Ski­ge­biet un­ter­wegs, das als ei­nes der größ­ten und be­lieb­tes­ten in Ös­ter­reich gilt. Sie sind gut aus­ge­stat­tet, tra­gen La­wi­nen-Ver­schüt­te­ten­such­ge­rä­te und ha­ben Air­bags am Ruck­sack. Die sol­len bei ei­nem La­wi­nen­ab­gang da­für sor­gen, dass ein Win­ter­sport­ler nicht ver­schüt­tet wird, son­dern an der Ober­flä­che der Schnee­mas­sen bleibt. Ir­gend­wann im Lau­fe die­ses Ta­ges ver­las­sen die Män­ner die ge­si­cher­ten Pis­ten. Dann pas­siert das fol­gen­schwe­re Un­glück, bei dem drei Ski­fah­rer (32, 36 und 57 Jah­re alt) in ei­ner La­wi­ne ster­ben.

Min­des­tens ei­ner der To­ten stammt aus Bad Wurzach. Ein Vier­ter gilt wei­ter als ver­misst und ist wahr­schein­lich eben­falls tot. Er sei 28 Jah­re alt, teilt die Po­li­zei mit. Das Un­glück er­eig­net sich im Be­reich der Ski­rou­te „Lan­ger Zug“, die an die­sem Tag ge­sperrt ist – we­gen La­wi­nen­ge­fahr. „Es ist nicht mög­lich zu re­kon­stru­ie­ren, wann ge­nau sich der Un­fall er­eig­ne­te“, sagt Lud­wig Mu­xel, Bür­ger­meis­ter von Lech, am Sonn­tag im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung. Nie­mand ha­be den La­wi­nen­ab­gang be­ob­ach­tet. Fest steht: Zum Un­fall­zeit­punkt herrsch­te ei­ne er­heb­li­che La­wi­nen­ge­fahr der Stu­fe drei auf der fünf­tei­li­gen Ska­la. Die Air­bags wur­den aus­ge­löst, hiel­ten die Ski­fah­rer aber nicht über den Schnee­mas­sen.

Ei­ne Ehe­frau mel­det die Män­ner am Sams­tag­abend ge­gen 19.50 Uhr als ver­misst. Da­nach sind 20 Berg­ret­ter im Ein­satz. Trotz Schnee­falls su­chen sie nach den Ver­miss­ten. Per Han­dy­or­tung wer­den drei der Ver­schüt­te­ten ge­gen 23 Uhr ge­fun­den und ge­bor­gen. Für sie kommt je­de Hil­fe zu spät, ver­mut­lich sind sie un­ter den Schnee­mas­sen er­stickt. Berg­ret­ter brin­gen die Lei­chen mit Ak­jas ins Tal. Lechs Rat­haus­chef Mu­xel weiß auch am Sonn­tag­nach- mit­tag nicht, wann nach dem vier­ten Ver­miss­ten ge­sucht wer­den kann. Im Arl­berg­ge­biet schneit es stark und das soll sich auch heu­te nicht än­dern. Die Berg­ret­ter könn­ten sich die­ser Gefahr nicht aus­set­zen, sagt er. Seit Sonn­tag­mor­gen gilt in Vor­arl­berg La­wi­nen­warn­stu­fe 4. Heu­te wird die Si­tua­ti­on ver­mut­lich noch an­ge­spann­ter sein. Es wer­den er­neut Schnee­fäl­le und star­ker Wind er­war­tet. „Ich ap­pel­lie­re an Win­ter­sport­ler, die ge­si­cher­ten Pis­ten der­zeit nicht zu ver­las­sen“, sagt Mu­xel. Sol­che Un­glü­cke ge­fähr­de­ten schließ­lich nicht nur die Ski­fah­rer, son­dern auch die Ret­ter.

Was ist der „Lan­ge Zug“am Rüfi­kopf für ei­ne Ab­fahrt? Ein Ski­fah­rer, der das Arl­berg-Ge­biet gut kennt, be­rich­tet: Die Ski­rou­te wer­de prä­pa­riert, sei aber kei­ne nor­ma­le Pis­te: „Das ist ir­re steil.“Die Ab­fahrt sei nur et­was für gu­te Ski­fah­rer bei si­che­ren Ver­hält­nis­sen. Mit 80 Pro­zent Ge­fäl­le gilt der „Lan­ge Zug“als ei­ne der steils­ten Ski­rou­ten welt­weit.

Die La­wi­nen­si­tua­ti­on wird im ge­sam­ten Nord­al­pen­raum auch in den kom­men­den Ta­gen an­ge­spannt blei­ben. Das Fo­to ent­stand bei ei­ner Ret­tungs­übung in Ös­ter­reich.

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