Statt zum Gum­mi­bär­chen zur Man­go grei­fen

Füs­se­ner Un­ter­neh­mer för­dern mit ge­sun­der Al­ter­na­ti­ve ge­rech­ten Han­del und un­ter­stüt­zen so so­zia­le Pro­jek­te

Allgäuer Zeitung (Füssener Blatt) - - Wirtschaft Am Ort -

Füssen Ei­ne ge­sun­de Al­ter­na­ti­ve zu Sü­ßig­kei­ten, mit der man noch Gu­tes tut – mit die­ser Ge­schäfts­idee ha­ben Lau­ra Drö­sel und Ni­co Krebs be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr drei Ton­nen Man­gos aus Bur­ki­na Fa­so, ei­nem der ärms­ten Län­der der Welt, auf dem See­weg nach Deutsch­land trans­por­tie­ren las­sen. Die­se ver­kau­fen die jun­gen Un­ter­neh­mer, die in Füssen le­ben, größ­ten­teils on­line. Die Fi­nan­zie­rung des ers­ten Schiff­con­tai­ners ha­ben sie mit der Un­ter­stüt­zung ih­rer El­tern und ei­nem Kre­dit stem­men kön­nen. Für den dies­jäh­ri­gen Trans­port ha­ben sie ei­ne Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne ins Le­ben ge­ru­fen ( sie­he In­fo­kas­ten). Hier­bei hand­le es sich um ei­ne Art Vor­ver­kauf der Früch­te. „So ha­ben wir Geld zum Wirt­schaf­ten und kön­nen den Con­tai­ner fi­nan­zie­ren“, sagt Krebs. Die Wa­re wer­de im Ok­to­ber kom­men und an die Geld­ge­ber ent­spre­chend ih­rer Ein­la­ge aus­ge­lie- fert. Der Kun­de ge­he kein Ri­si­ko ein – falls die Ein­nah­me­schwel­le nicht er­reicht wer­de, be­kom­me er das Geld wie­der rück­erstat­tet.

Drö­sel und Krebs sind der fes­ten Über­zeu­gung, dass „Un­ter­neh­mer­tum die bes­te Ent­wick­lungs­hil­fe dar­stel­le“. Sie be­zie­hen ih­re Früch­te größ­ten­teils aus ei­ner Ko­ope­ra­ti­on mit dem Dor­cas Cen­ter der Kin­der­hil­fe West­afri­ka in Bur­ki­na Fa­so. Auf klei­nen Bau­ern­hö­fen wer­den die Man­gos, wenn sie reif sind, ge­ern­tet und dann oh­ne Zu­sät­ze ge­trock­net. Das ma­che ei­nen gro­ßen Un­ter­schied zu den han­dels­üb­li­chen Man­gos aus. In der Re­gel wer­den die­se sehr früh ge­ern­tet und wei­ter trans­por­tiert, wo sie dann nach­rei­fen. „Un­se­re Man­gos dür­fen so­lan­ge am Baum sein, bis sie ganz reif sind – das merkt man auch deut­lich am Ge­schmack“, sagt Drö­sel.

Durch die Ein­nah­men wer­de ei­ner­seits die re­gio­na­le Wirt­schaft in Bur­ki­na Fa­so ge­stärkt, an­de­rer­seits setz­te sich die Or­ga­ni­sa­ti­on stark für die Rea­li­sie­rung von Pro­jek­ten für Kin­der und Ju­gend­li­che wie Schu­lund Aus­bil­dung ein. Über den See­weg ge­lan­gen die Man­gos nach Ham­burg und an­schlie­ßend nach Ber­lin, wo sie in den Mo­sa­ik Be­hin­der­ten­werk­stät­ten ver­packt und ver­sen­det wer­den. Drö­sel und Krebs küm­mern sich so­mit um die Vor­fi­nan­zie­rung und die Or­ga­ni­sa­ti­on. „Wir ver­su­chen im Prin­zip da­von zu le­ben. Je­der Be­tei­lig­te in die­ser Ket­te soll ar­bei­ten und da­für auch ge­recht be­zahlt wer­den“, sagt Krebs.

Doch wie kommt man auf so ein Ge­schäfts­mo­dell? Hin­ter dem Gan­zen ste­he die Idee der „Selbst­stän­dig­keit mit Hang zu Nach­hal­tig­keit und Fair­tra­de“, sagt Krebs. Sei­ne Part­ne­rin wirft je­doch so­fort ein, dass sie „ab­so­lut sü­ßig­kei­ten­süch­tig“ge­we­sen sei und „aus der Not her­aus“ei­ne ge­sun­de und fai­re Al­ter­na­ti­ve ge­sucht ha­be. Bei ge­trock­ne­ten Man­gos an­ge­kom­men, stieß sie auf die Pro­jek­te der Kin­der­hil­fe West­afri­ka – so ent­stand die Man­go­ko­ope­ra­ti­on. Auch mit dem Wert­ach­tal Werk­stät­ten Neugab­lonz ar­bei­ten Krebs und Drö­sel zu­sam­men. Dort las­sen sie Nüs­se rös­ten, die sie dann eben­falls über ih­ren On­li­ne­ver­sand be­zie­hungs­wei­se auf ih­rem Stand bei di­ver­sen Märk­ten ver­kau­fen. (msv)

Fo­to: Kin­der­hilfs­werk West­afri­ka,

In spe­zi­el­len An­la­gen wer­den Man­gos im Dor­cas Cen­ter in Bur­ki­na Fa­so ge­t­rock net; von dort ge­lan­gen sie nach Deutsch land.

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