Warm­spie­len mit Rob­bie Wil­li­ams

Der eng­li­sche Pop­star fei­ert mit den Zu­schau­ern und pro­vo­ziert mit ei­ner Ges­te

Allgäuer Zeitung (Füssener Blatt) - - Fußball-wm 2018 - VON TIL­MANN MEHL

Mos­kau Deutsch­land ist nicht Russ­land, Rob­bie Wil­li­ams nicht He­le­ne Fi­scher und Halb­zeit­show nicht gleich die Er­öff­nungs­fei­er ei­ner Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft. Wäh­rend Deutsch­lands Schla­ger­kö­ni­gin vor ei­nem Jahr in der Pau­se des Po­ka­l­end­spiels bei ih­rem Auf­tritt schlim­mer aus­ge­pfif­fen wur­de, als es sich Il­kay Gün­do­gan vor­stel­len kann, nahm Wil­li­ams den Ap­plaus der Zu­schau­er ent­ge­gen. Und das, ob­wohl er ge­gen En­de sei­nes Auf­tritt den Mit­tel­fin­ger der Ka­me­ra ent­ge­gen­streck­te. Die Be­weg­grün­de da­für blie­ben bis­lang of­fen. Mög­li­cher­wei­se re­agier­te der Star so auf die Kri­tik aus sei­ner Hei­mat, Geld kön­ne auf weit­aus bes­se­re Wei­se ver­dient wer­den, als in ei­nem von ei­nem Au­to­kra­ten re­gier­ten Land auf­zu­tre­ten.

Der En­g­län­der war der Haupt­dar­stel­ler, ehe die rus­si­sche Na­tio­nal­mann­schaft ge­gen Sau­di-Ara­bi­en die Welt­meis­ter­schaft er­öff­ne­te. Im Ver­gleich zu Fi­scher hat­te sich Wil- li­ams Ver­stär­kung mit­ge­bracht. Die be­kann­te Opern­sän­ge­rin Ai­da Ga­ri­ful­li­na half ihm beim Du­ett zu „An­gels“. Zu­vor sang Wil­li­ams be­reits da­von, dass er ger­ne die Zu­schau­er un­ter­hal­ten wür­de („Let me en­ter­tain you“) – und die wa­ren ge­willt, sei­ner Bit­te nach­zu­kom­men. Schon vor dem Sta­di­on prä­sen­tier­ten sie sich bes­tens ge­launt, fei­er­ten zu- sam­men mit den An­hän­gern Sau­diA­ra­bi­ens ein fried­li­ches Fest.

Die An­hän­ger im Lu­sch­ni­ki-Sta­di­on hät­ten aber mög­li­cher­wei­se auch ei­nem tan­zen­den Wa­ckel­pud­ding ap­plau­diert. Dass sie Pu­tin ge­ra­de­zu eu­pho­risch be­grüß­ten, ehe der sei­ne Er­öff­nungs­re­de hielt, mag im rie­si­gen Reich so üb­lich sein. Dass al­ler­dings der sei­nem Vor­gän- ger Sepp Blat­ter im Ge­schäfts­ge­ba­ren ähn­li­che Fi­fa-Boss Gi­an­ni In­fan­ti­no auch mit Bei­fall be­dacht wur­de, ist eher un­ge­wöhn­lich.

Es war ei­ne er­fri­schend kurz­wei­li­ge Er­öff­nungs­fei­er, zu der auch ge­hör­te, dass sich Pu­tin und In­fan­ti­no mit po­li­ti­schen Äu­ße­run­gen zu­rück­hiel­ten. Sie miss­brauch­ten so nicht die wun­der­ba­re Büh­ne, die Zu­schau­er und Künst­ler bo­ten. Da lässt sich auch über die streit­ba­re grell­grü­ne Fan­ta­sie-Ca­mou­fla­ge­be­klei­dung ei­ni­ger Tän­zer hin­weg­se­hen.

Die ein­zig Leid­tra­gen­den der Fei­er­lich­kei­ten wa­ren die Spie­ler aus Sau­di-Ara­bi­en. Sie be­tra­ten erst um 17.16 Uhr Orts­zeit den Platz. Acht Mi­nu­ten spä­ter ver­lie­ßen sie ihn auch schon wie­der, da die Büh­ne für Rob­bie Wil­li­ams noch zu­sam­men­ge­wer­kelt wer­den muss­te. Zum Ge­samt­kon­zept ge­hör­ten frei­lich auch noch die fei­er­li­che Prä­sen­ta­ti­on des Spiel­balls und ein we­nig Gau­ke­lei des Mas­kott­chens. Wil­li­ams’ Mit­tel­fin­ger war im Dreh­buch wohl eher nicht vor­ge­se­hen.

Fo­to: afp

Man in Red: Rob­bie Wil­li­ams und sein Team bei der Er­öff­nungs­fei­er.

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