Wachs, mal an­ders

Ge­schäfts­idee Mit Na­tur­fo­li­en wol­len Kris­ti­na Im­merz und San­dra Pa­laz­zo­lo Geld ver­die­nen und die Um­welt scho­nen

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Wirtschaft Am Ort - VON JES­SI­CA STIE­GEL­MAY­ER

Kauf­beu­ren Lip­pen­bal­sam, Ker­zen oder Cre­mes – aus Bie­nen­wachs lässt sich so ei­ni­ges ma­chen. Doch Frisch­hal­te­fo­li­en? San­dra Pa­laz­zo­lo und Kris­ti­na Im­merz zei­gen mit ih­ren „Na­tur­fo­li­en“, wie leicht sich un­nö­ti­ger Plas­tik­müll ver­mei­den lässt und auf un­ge­wohn­te Wei­se Far­be in die Kü­che kommt. „Die­ses Jahr sind wir rich­tig durch­ge­star­tet“, er­zählt Im­merz. Seit Os­tern ar­bei­ten die bei­den Frau­en für ihr „Wa­ben­werk“in ei­ner ei­ge­nen Werk­statt und sind re­gel­mä­ßig auf Märk­ten in der Re­gi­on ver­tre­ten.

An­ge­fan­gen hat al­les mit ei­nem Ma­ga­zin aus dem Bio-markt. Dar­in stieß Im­merz auf die um­welt­scho­nen­den Fo­li­en, die es bis da­hin vor al­lem in den USA gab. „Da bin ich neu­gie­rig ge­wor­den“, er­zählt die 31-Jäh­ri­ge. Zu­dem war sie zu die­ser Zeit noch auf der Su­che nach ei­nem Ge­burts­tags­ge­schenk für ih­re Mut­ter. Da ei­ne Be­stel­lung je­doch viel zu teu­er ge­we­sen wä­re, griff Im­merz kur­zer­hand selbst zu Bie­nen­wachs und Stoff. Mit ins Boot hol­te sie ih­re Schwä­ge­rin, die wie sie gleich „Feu­er und Flam­me war“. Doch bis die zwei Frau­en die rich­ti­ge Mi­schung aus Bie­nen­wachs, Pro­po­lis und Jo­joba-öl fan­den, dau­er­te es. „Wir ha- ben wo­chen­lang rum­pro­biert“, er­zählt Pa­laz­zo­lo schmun­zelnd. Schließ­lich soll­ten die Tü­cher lang­le­big und funk­tio­nal sein.

Heu­te sind die jun­gen Un­ter­neh­me­rin­nen ge­übt im Um­gang mit ih­rer ei­ge­nen Mix­tur. „Ge­fühl für das Ein­tau­chen der Stoff­tü­cher braucht man trotz­dem je­des Mal“, sagt Im­merz. Viel hän­ge auch von den je­wei­li­gen Tex­til­stü­cken ab. Für den Sprung in die Selbst­stän­dig­keit brauch­te es je­doch noch An­stoß von au­ßen: Ei­ne gu­te Freun­din und ge- lern­te Event­ma­na­ge­rin ge­stal­te­te das Lo­go und die Ver­pa­ckun­gen. „Sie hat uns schließ­lich so ge­pusht, dass wir uns ge­traut ha­ben“, sagt Im­merz. Seit­her gab es im­mer mehr po­si­ti­ve Rück­mel­dun­gen, und die Nach­fra­ge wuchs kon­stant. Da­her sind die Fo­li­en für Schüs­seln, Tup­per­ware oder Auf­lauf­for­men ne­ben dem On­li­ne­ge­schäft nun auch in vie­len Bio- und Dorf­lä­den zu fin­den.

„Bei vie­len jun­gen Leu­ten, die auf die Um­welt ach­ten, kom­men un­se­re Fo­li­en gut an“, freut sich die 30-jäh­ri­ge Pa­laz­zo­lo. Der Um­welt­und Ge­sund­heits­ge­dan­ke war da­mals für die Kauf­beu­re­rin und Kal­ten­ta­le­rin eben­falls ent­schei­dend. „Wir sind bei­de sehr na­tur­ver­bun­den und woll­ten der Welt et­was Gu­tes tun“, be­tont Im­merz. Als Dol­met­sche­rin im Um­welt­be­reich hat­te Pa­laz­zo­lo vor al­lem ein Au­ge auf die Um­welt­freund­lich­keit, wäh­rend Im­merz als Kran­ken­schwes­ter die an­ti­bak­te­ri­el­le Wir­kung von Pro­po­lis be­geis­ter­te. Da die Tü­cher mit kal­ten Was­ser leicht ab­zu­wi­schen sind, kön­nen sie im­mer wie­der ver­wen­det wer­den – bis zu ei­nem Jahr.

Ihr ei­ge­nes Zw­ei­frau-un­ter­neh­men ne­ben ih­ren Haupt­be­ru­fen und zwei klei­nen Kin­dern zu or­ga­ni­sie­ren, ist je­doch auch mit viel Mü­he ver­bun­den. Die Ma­te­ria­li­en zu ko­or­di­nie­ren, Fi­nan­zi­el­les zu re­geln und nicht zu­letzt die Ge­wer­be­an­mel­dung auf den Weg zu brin­gen, brauch­te sei­ne Zeit. „Es macht uns aber nach wie vor wirk­lich Spaß“, hebt Pa­laz­zo­lo her­vor. Ge­ra­de wenn neue Stof­fe oder Mus­ter ein­tref­fen, ist die Freu­de im­mer groß. Wie oft sie in ih­re Werk­statt kom­men, bleibt ganz ih­nen über­las­sen. Le­dig­lich kurz vor Märk­ten müss­ten sie min­des­tens zwei Wo­chen­schich­ten ein­le­gen.

Erst kürz­lich zum Schul­be­ginn ha­ben die zwei ein neu­es Pro­dukt kre­iert: ei­ne Na­tur­fo­lie mit ei­nem klei­nen Knopf, in die man mü­he­los ein Pau­sen­brot ein­wi­ckeln kann. „Man muss im­mer of­fen für Neu­es sein“, sagt Im­merz. Ih­re Ma­te­ria­li­en be­zie­hen die bei­den üb­ri­gens aus­schließ­lich aus der Re­gi­on. Da­her sind sie auch im­mer auf der Su­che nach orts­an­säs­si­gen Im­kern, die ih­nen Bie­nen­wachs zur Ver­fü­gung stel­len. Selbst hier kommt der Um­welt­ge­dan­ke zum Tra­gen: So wird das Wachs näm­lich ver­wen­det, an­statt wie oft ein­fach ent­sorgt. O

Ter­min Per­sön­lich ver­tre­ten sind Kris ti­na Im­merz und San­dra Pa­laz­zo­lo das nächs­te Mal auf der Frau­en­mes­se in Stött wang am 14. und 15. Ok­to­ber. I

www.wa­ben­werk na­tur­fo­li­en.de

Fo­tos: Jes­si­ca Stie­gel­may­er

Die Aus­wahl an Na­tur­fo­li­en ist bunt: so­wohl bei den Stof­fen als auch Grö­ßen. San­dra Pa­laz­zo­lo (links) und Kris­ti­na Im­merz pro­bie­ren in der al­ten Werk­statt von Pa­laz­zo­los Groß­va­ter ger­ne Neu­es aus.

Fo­li­en aus Wachs – prak­tisch und um­welt­ge­recht.

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