Wann schafft Air­bus Klar­heit für Augs­burg?

Stel­len­ab­bau Ge­werk­schaf­ter kri­ti­sie­ren mas­siv das Ver­hal­ten des Kon­zerns ge­gen­über dem schwä­bi­schen Zu­lie­fe­rer

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Wirtschaft -

„Lei­der konn­ten wir in Ge­sprä­chen mit den Ar­beit­ge­bern bis jetzt nichts er­rei­chen.“Bei dem Ar­beit­neh­merre­prä­sen­tan­ten, der auch stell­ver­tre­ten­der Auf­sichts­rats-vor­sit­zen­der von Pre­mi­um ist, „klin­gen in­zwi­schen sämt­li­che Alarm­glo­cken“.

Ker­ner, der frü­her Ig-me­tal­lchef in Augs­burg war, for­der­te: „Das Augs­bur­ger Werk darf nicht zum St­ein­bruch wer­den.“Der Ge­werk­schaf­ter be­fürch­tet näm­lich, dass der tra­di­tio­nel­le Stand­ort von der Un­ter­neh­mens­sei­te in zwei­fa­cher Hin­sicht be­nach­tei­ligt wird. Sei­ne Kri­tik be­zieht sich da­bei auf die Ver­ant­wort­li­chen des Air­buskon­zerns im fran­zö­si­schen Tou­lou­se, zu dem Pre­mi­um Ae­ro­tec zu 100 Pro­zent ge­hört. Da­bei be­män­gelt der Ig-me­tall-vor­stand ei­ner­seits, dass aus Augs­burg wei­ter Ar­beit an kos­ten­güns­ti­ge­re Zu­lie­fe­rer ins Aus­land ver­ge­ben wer­de. An­de­rer­seits be­klagt Ker­ner, die Air­busspit­ze sor­ge nicht da­für, dass im Ge­gen­zug zu­sätz­li­che hö­her­wer­ti­ge Ar­beits­pa­ke­te dem schwä­bi­schen Werk zu­gu­te­kom­men. Was den Ge­werk­schaf­ter be­son­ders är­gert: „Augs­burg wird nicht ent­spre­chend am Hoch­lauf der Pro­duk­ti­on der klei­nen Air­bus-flug­zeu­ge der A320-fa­mi­lie be­tei­ligt.“Die Nach­fra­ge nach die­sen Jets für 100 bis 240 Sitz­plät­ze ist gi­gan­tisch. Der Flug­zeug­bau­er ver­sucht aber wirt­schaft­li­cher zu ar­bei­ten, al­so auch die Kos­ten zu drü­cken. Dies führt da­zu, dass et­wa Pre­mi­um Ae­ro­tec zu­neh­mend ein­fa­che­re Tei­le in der ru­mä­ni­schen Fa­b­rik des Un­ter­neh­mens fer­ti­gen lässt. Dort ist die Zahl der Ar­beits­plät­ze seit 2010 von rund 160 auf 850 Mit­ar­bei­ter an­ge­stie­gen.

Aus stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen ver­sucht die Air­bus-spit­ze auch die Mäch­ti­gen in der Tür­kei mit Ar­beits­pa­ke­ten wohl­wol­lend zu stim­men. Hier hof­fen die Ma­na­ger auf reich­lich Auf­trä­ge, viel­leicht so­gar für den Rie­sen-air­bus A380. Das Pro­gramm hät­te der eu­ro­päi­sche Luft­fahrt-kon­zern bei­na­he ein­ge­stellt, wenn es nicht die A380f­reun­de der ara­bi­schen Air­line Emi­ra­tes gä­be. Die Scheichs ha­ben noch ein­mal nach­be­stellt. Ent­schei­den sich die Tür­ken für den dop­pel­stö­cki­gen Flie­ger, wä­re das gut für Augs­burg. Denn das Werk ist mit wich­ti­gen Tei­len am Bau des A380 be­tei­ligt und lei­det un­ter der Auf­trags­flau­te für das Me­ga-flug­zeug. Hin­zu kommt, dass auch die Nach­fra­ge nach dem mi­li­tä­ri­schen Trans­port­flie­ger A400M, für das eben­falls in Augs­burg Bau­tei­le pro­du­ziert wer­den, stark rück­läu­fig ist.

So sitzt der schwä­bi­sche Stand­ort aus Sicht von Ge­werk­schaf­tern wie Ker­ner und dem Augs­bur­ger Igme­tall-chef Micha­el Lep­pek in der Fal­le. Letz­te­rer sag­te un­se­rer Zei­tung: „Es be­steht die Ge­fahr, dass der Stand­ort leer läuft.“Ent­spre­chend schlecht sei die Stim­mung un­ter den Mit­ar­bei­tern.

Ker­ner wie Lep­pek stel­len die For­de­rung auf: „So­lan­ge Augs­burg kei­ne neu­en Tei­le von Air­bus be­kommt, dür­fen al­te nicht ver­la­gert wer­den.“Air­bus-ma­na­ger ar­gu­men­tie­ren da­ge­gen, zu­nächst müs­se das Werk durch die Ver­ga­be von Bau­tei­len nach au­ßen wirt­schaft­li­cher ar­bei­ten, um so at­trak­tiv für neue Auf­trä­ge zu sein. Ein In­si­der sagt da­zu: „Bei Pre­mi­um beißt sich die Kat­ze in den Schwanz.“

Was be­son­ders fa­tal ist: Weil das Un­ter­neh­men zu 100 Pro­zent Air­bus ge­hört, ist es schwie­rig bis un­mög­lich, Auf­trä­ge von Kon­kur­ren­ten wie Bo­eing, Em­bra­er oder Bom­bar­dier zu er­gat­tern und da­mit die Pro­duk­ti­on aus­zu­las­ten. Ei­ne Lö­sung wä­re es, dass sich Pre­mi­um Ae­ro­tec von der Mut­ter Air­bus ab­na­belt, ent­we­der durch ei­nen Bör­sen­gang oder ei­nen Ver­kauf.

Ei­ne sol­che Ver­selbst­stän­di­gung ist seit rund zehn Jah­ren ge­plant. Pre­mi­um-ae­ro­tec-chef Tho­mas Ehm sag­te da­zu un­längst in ei­nem In­ter­view: „Wir tra­gen das na­tür­lich mit, weil da­rin ei­ne gu­te Per­spek­ti­ve für Pre­mi­um Ae­ro­tec liegt. Die Fra­ge ist nicht das Ob, son­dern: Wann?“Hier dürf­te nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung al­ler­dings vor der Som­mer­pau­se nichts ge­sche­hen.

Und ob der deut­sche Air­bus-chef Tom En­ders das heik­le The­ma vor sei­nem Aus­schei­den im Früh­jahr 2019 über­haupt noch an­packt, ist un­ge­wiss. Der­zeit ar­bei­tet der Kon­zern ja auch ei­ne Kor­rup­ti­ons­af­fä­re im ei­ge­nen Haus auf, was Kräf­te bin­det. Da­her könn­ten die Be­schäf­tig­ten in Augs­burg noch län­ger auf die Fol­ter ge­spannt wer­den.

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Zu­letzt wur­den bei Pre­mi­um Ae­ro­tec rund 80 Leih­ar­bei­ter „ab­ge­mel­det“. Bis An­fang 2019 sol­len wohl 300 Jobs für Leih­ar­bei­ter bei dem Augs­bur­ger Luft­fahrt Zu­lie­fe­rer weg­fal­len.

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