Was ist ein Sö­der wert?

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Bayern - VON MICHA­EL BÖHM [email protected]

Was ist ein Sö­der wert? Ei­ne im ers­ten Mo­ment reich­lich un­mo­ra­li­sche, in die­sen Ta­gen aber sehr wohl be­rech­tig­te Fra­ge. Hat doch der Baye­ri­sche Be­am­ten­bund dem ehe­ma­li­gen Fi­nanz­mi­nis­ter zum Dank ei­ne Mün­ze mit sei­nem Kon­ter­fei prä­gen las­sen. Was ist al­so so ein Sö­der wert?

Die ein­fachs­te Ant­wort lau­tet: 3,50 Eu­ro. So viel ha­ben sich die Be­am­ten die Mün­ze kos­ten las­sen. Doch Sö­der ist ein ech­tes Uni­kat, ein­ma­lig im Frei­staat und dar­über hin­aus. Wer­den die Ma­te­ri­al­kos­ten die­ser Ein­zig­ar­tig­keit ge­recht? Kaum. Die Um­rech­nung von Sö­der in Eu­ro schlägt fehl. Al­so müs­sen an­de­re Wäh­run­gen her­hal­ten.

Stellt sich die Fra­ge, wel­che Leis­tun­gen man er­brin­gen muss, um ei­nen Sö­der zu be­kom­men. Reicht es, sie­ben Jah­re lang auf dem Chef­ses­sel im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um zu sit­zen? Ist der Auf­stieg zum Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Pflicht? Wie vie­le Ge­halts­er­hö­hun­gen für Be­am­te muss man an­ord­nen? Ei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort ist schwie­rig.

Eben­so dif­fi­zil ist der Ver­gleich mit an­de­ren münz­wür­di­gen Per­sön­lich­kei­ten. Alt­kanz­ler Hel­mut Schmidt hat es auf den Eu­ro ge­schafft – da kann so ein Sö­der-ta­ler na­tür­lich nicht mit­hal­ten. Aber ist ein Sö­der viel­leicht mehr wert als ein See­ho­fer? Zwei Stoi­ber viel­leicht? Oder ein hal­ber Strauß? Um das fest­stel­len zu kön­nen, ist der Sö­der-ta­ler noch nicht lan­ge ge­nug im Um­lauf.

Letz­ter Ver­such: Frü­her wur­den Mün­zen mit Sach­leis­tun­gen auf­ge­wo­gen: zwei Schub­kar­ren Stroh, ein Schaf, ein paar Kar­tof­feln – ge­han­delt wur­de, was vor­rä­tig war. Und heu­te? An­geb­lich bringt ein Sö­der ja min­des­tens ein paar Dut­zend (Po­li­zei-)pfer­de, Kin­der­be­treu­ung für al­le und ein paar Flü­ge ins Wel­tall sind auch noch drin. Gar nicht so schlecht, die­ser Um­rech­nungs­kurs. Das Pro­blem: Noch be­wegt sich der Han­del mit dem Sö­der im spe­ku­la­ti­ven Be­reich. Im Herbst wer­den die Wäh­ler ent­schei­den, ob sie sich für solch ei­ne An­la­ge er­wär­men kön­nen – oder ob sie von Bil­lig-mün­zen aus dem In­ter­net lie­ber die Fin­ger las­sen.

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