See­ho­fer ent­schul­digt sich für Asyl­skan­dal

Flücht­lings­amt Der Berg an Ver­fah­ren wächst schon wie­der. Liegt es an feh­len­dem Per­so­nal?

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Vorderseite -

Ber­lin Der Skan­dal hat zwar lan­ge vor sei­nem Amts­an­tritt in Ber­lin be­gon­nen – trotz­dem bit­tet In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) jetzt im Na­men der Bun­des­re­gie­rung bei der Be­völ­ke­rung für die Feh­ler im Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge um Ent­schul­di­gung. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen dem Mi­nis­te­ri­um und dem Amt sei „nicht gut“ge­we­sen, räum­te er nach ei­ner Son­der­sit­zung des In­nen­aus­schus­ses ein. Er wol­le die Art und Wei­se, wie Asyl­ver­fah­ren in Deutsch­land ab­lau­fen, des­halb re­for­mie­ren – und zwar „oh­ne Hek­tik“, sag­te See­ho­fer. Be­hör­den­prä­si­den­tin Jut­ta Cordt ver­si­cher­te mit Blick auf die lau­fen­den Un­ter­su­chun­gen bei der Bre­mer Au­ßen­stel­le ih­res Am­tes: „Bei mir wird nichts ver­tuscht.“

Die ma­ni­pu­lier­ten Asyl-ent­schei­dun­gen in Bre­men ha­ben auch aber nicht da­zu füh­ren, dass wie­der Rück­stän­de auf­ge­baut wer­den. Des­we­gen sei mehr Per­so­nal nö­tig.

Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Fdp-bun­des­tags­frak­ti­on, der All­gäu­er Ab­ge­ord­ne­te Ste­phan Tho­mae, be­kräf­tig­te die For­de­rung sei­ner Par­tei, we­gen der Af­fä­re ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss ein­zu­set­zen. Grü­ne und Lin­ke ha­dern da­mit noch – in der Uni­on al­ler­dings brö­ckelt der Wi­der­stand ge­gen ei­nen sol­chen Aus­schuss. „Ich möch­te wie Horst See­ho­fer auch, dass die Vor­fäl­le der ver­gan­ge­nen Jah­re jetzt zü­gig, lü­cken­los und trans­pa­rent auf­ge­klärt wer­den“, be­ton­te die Vor­sit­zen­de des In­nen­aus­schus­ses, die Csu-ab­ge­ord­ne­te Andrea Lind­holz, ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. „Ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss leh­ne ich nicht grund­sätz­lich ab.“Al­ler­dings wür­de er schwer­fäl­lig ar­bei­ten und erst in Mo­na­ten oder gar erst in Jah­ren Er­geb­nis­se lie­fern. Jetzt ge­he es je­doch dar­um, mög­lichst schnell für Klar­heit zu sor­gen und die Miss­stän­de so­fort ab­zu­stel­len. Ähn­lich hat­te zu­vor Cdu-ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er ar­gu­men­tiert.

Die SPD warf dem Ko­ali­ti­ons­part­ner Uni­on da­ge­gen schwe­re Ver­säum­nis­se bei der Auf­sicht über das Bun­des­amt vor. Ei­ne Mi­schung aus „Schlam­pe­rei und Gleich­gül­tig­keit“ha­be da­zu ge­führt, dass die Miss­stän­de im Bun­des­amt nicht ab­ge­stellt wor­den sei­en, kri­ti­sier­te der in­nen­po­li­ti­sche Spre­cher der Spdfrak­ti­on, Burk­hard Lisch­ka. Ob­wohl es seit An­fang 2014 im­mer wie­der Hin­wei­se auf Ver­säum­nis­se und Fehl­ver­hal­ten in der Bre­mer Au­ßen­stel­le ge­ge­ben ha­be, sei „of­fen­sicht­lich weg­ge­schaut“wor­den. In­nen­mi­nis­ter war da­mals noch der CDU-MANN Tho­mas de Mai­ziè­re. Ins­ge­samt sol­len in Bre­men in min­des­tens 1200 Fäl­len Asyl­an­trä­ge zu Un­recht ge­neh­migt wor­den sein.

Mit der Au­f­ar­bei­tung des Skan­dals im Bun­des­amt be­schäf­tigt sich auch ein aus­führ­li­cher Hin­ter­grund­be­richt in der Po­li­tik. (bju, AZ)

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