Wo sind deut­sche Geld­ge­ber?

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Vorderseite - VON STE­FAN STAHL sts@azv.de

Im Le­ben ist es nie schlecht, ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu ha­ben, zu­mal wenn man sich schlecht be­han­delt fühlt. Und so kön­nen die Ma­na­ger des Am­ber­ger Au­to-zu­lie­fe­rers Gram­mer froh sein, nicht al­lein ih­rem oft ag­gres­siv auf­tre­ten­den bos­ni­schen In­ves­tor Has­tor aus­ge­lie­fert zu sein. Denn der Geld­ge­ber hat schon VW vor den Kopf ge­sto­ßen.

Als die Ge­fahr be­stand, dass die Bos­ni­er die Ak­ti­en­ge­sell­schaft en­tern, war das Ma­nage­ment in Am­berg froh, dass Chi­ne­sen be­reit sind, ei­nen Ge­gen­part zu bil­den und bei dem für sei­ne Sit­ze, Kopf­stüt­zen und Kon­so­len be­kann­ten Au­to­zu­lie­fe­rer ein­zu­stei­gen. Dass die Asia­ten jetzt die Macht bei dem Un­ter­neh­men mit 15 000 Mit­ar­bei­tern über­neh­men wol­len, wun­dert nicht. Sie wis­sen, was gut ist. Chi­ne­sen ha­ben als lang­fris­tig ori­en­tier­te In­ves­to­ren ein Ge­spür für das Po­ten­zi­al, das in ei­ner Fir­ma steckt.

Da­bei ge­hen sie mit ru­hi­ger Hand vor. Aus Sicht der Be­schäf­tig­ten sind die Asia­ten die bes­se­re Wahl als die Bos­ni­er. Doch ei­ne Fra­ge stellt sich wie im Fall des Augs­bur­ger Ro­bo­ter­bau­ers Ku­ka am En­de doch: War­um er­ken­nen deut­sche Geld­ge­ber nicht das Po­ten­zi­al hei­mi­scher Fir­men? Wo bleibt ihr Ri­si­komut, ja ihr Pa­trio­tis­mus? Was ist nur los mit un­se­ren Ka­pi­ta­lis­ten?

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