Vom Vor­zei­ge­land zum Kri­sen­staat

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Politik -

Einst die Korn­kam­mer Afri­kas und Hoff­nungs­trä­ger des Kon­ti­nents, steckt Sim­bab­we seit Jah­ren in ei­ner Kri­se. Lang­zeit­prä­si­dent Ro­bert Mu ga­be, 94, hat das Land im Sü­den Afri kas her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet und mit har­ter Hand re­giert. Pres­se­frei­heit und Op­po­si­ti­on hat er nach Kräf­ten un ter­drückt. Trotz rei­cher Bo­den­schät­ze und ei­nem güns­ti­gen Kli­ma für die Land­wirt­schaft ge­hört Sim­bab­we heu­te nach ei­nem UN In­dex zu den ärms ten Län­dern der Welt. Die durch schnitt­li­che Le­bens­er­war­tung liegt

an­de­re Op­tio­nen. Mu­ga­be war in sei­ner Amts­zeit häu­fig bru­tal ge­gen Cha­misas Op­po­si­ti­ons­par­tei MDC vor­ge­gan­gen. Mn­an­gag­wa nutz­te Mu­ga­bes Steil­pass so­fort, um sich vom Ex-prä­si­den­ten zu dis­tan­zie­ren. Ei­ne Stim­me für Cha­mi­sa sei ei­ne Stim­me für Mu­ga­be, sag­te er.

Mu­ga­be stimm­te in Hara­re zu­sam­men mit sei­ner Frau Gra­ce ab – es war das ers­te Mal seit Jahr­zehn­ten, dass er nicht für sich selbst stim­men konn­te. Er hat­te sein Amt im No­vem­ber in­fol­ge ei­nes Mi­li­tär­put­sches auf­ge­ge­ben. Za­nu-pf mach­te dar­auf­hin sei­nen frü­he­ren Vi­ze Mn­an­gag­wa zum Prä­si­den­ten. der Welt­bank zu­fol­ge bei 60 Jah­ren (Deutsch­land: 81). Nach Schät­zun gen ha­ben rund 80 Pro­zent der Sim bab­wer kei­nen re­gu­lä­ren Ar­beits platz. Not und Re­pres­si­on ha­ben ge schätz­te drei Mil­lio­nen Bür­ger ins Aus­land ge­trie­ben. Sim­bab­we ist mit 390 000 Qua­drat­ki lo­me­tern et­was grö­ßer als Deutsch land und hat rund 16 Mil­lio­nen Ein woh­ner. Das durch­schnitt­li­che Pro Kopf Ein­kom­men in Sim­bab­we liegt bei rund 1000 US Dol­lar (Deutsch land: 42 000 Eu­ro). (dpa)

Mu­ga­be hat­te Sim­bab­we seit der Un­ab­hän­gig­keit von Groß­bri­tan­ni­en 1980 re­giert – zu­letzt mit zu­neh­mend har­ter Hand. Mn­an­gag­wa, der we­gen sei­ner Skru­pel­lo­sig­keit oft „das Kro­ko­dil“ge­nannt wird, war Men­schen­recht­lern zu­fol­ge in den 1980er Jah­ren als Ge­heim­dienst­mi­nis­ter ei­ner der Ar­chi­tek­ten der Mas­sa­ker in der Re­gi­on Ma­ta­be­le­land.

Da­bei wur­den tau­sen­de Men­schen der Nde­be­le-volks­grup­pe ge­tö­tet. Doch nun gibt er sich als ge­läu­ter­ter De­mo­krat, der Re­for­men an­strebt und Sim­bab­wern mehr Frei­heit zu­ge­ste­hen will. (dpa)

Fo­to: Lu­is Tato, afp

Es war ein his­to­ri­scher Mo­ment, für den die Men­schen in Sim­bab­we (hier in ei­nem Vo­r­ort von Hara­re) sich ge­dul­dig in die lan­ge Schlan­ge stell­ten: Zum ers­ten Mal seit vier Jahr­zehn­ten wähl­te das Volk nicht den Lang­zeit­prä­si­den­ten Ro­bert Mu­ga­be. Das Land...

Fo­to: Je­ro­me De­lay, afp

Em­mer­son Mn­an­gag­wa bei der Stimm ab­ga­be.

Fo­to: Je­ke­sai Njiki­za­na, afp

Mu­ga­be mel­de­te sich kurz vor der Wahl zu Wort.

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