„See­li­sches Ge­fü­ge tief grei­fend ver­än­dert“

Allgäuer Zeitung (Kaufbeurer Tagblatt) - - Bayern -

Ser­lys, sei ih­re Steue­rungs­fä­hig­keit auf­ge­ho­ben ge­we­sen, sie sei nicht mehr in der La­ge ge­we­sen, zu kon­trol­lie­ren, was sie tue. Auch wenn sie ver­stan­den ha­be, dass das falsch sei.

Wie be­rich­tet, hat­te die Frau ge­stan­den, ih­ren Freund im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber nachts im Schlaf­zim­mer mit et­wa zehn Li­tern hei­ßen Was­sers (min­des­tens 60 Grad laut der Rechts­me­di­zi­ne­rin) über­schüt­tet zu ha­ben. Ei­fer­süch­tig we­gen ei­ner ihm un­ter­stell­ten, aber nach Über­zeu­gung der Kam­mer und nach Darstel­lung al­ler be­frag­ten Zeu­gen nicht exis­ten­ten Af­fä­re, ha­be sie ihm ei­nen „Denk­zet­tel“ver­pas­sen wol­len. Die ge­lern­te Ver­käu­fe­rin – de­ren vor­he­ri­ge Be­zie­hung sehr ver­let­zend ge­schei­tert war – hat­te al­ler­dings be­strit­ten, dass sie ih­ren Part­ner ha­be um­brin­gen wol­len. Sie ha­be sich nicht vor­stel­len kön­nen, dass das er­hitz­te Was­ser ih­ren Freund tö­te, hat­te ihr Ver­tei­di­ger bei Pro­zess­auf­takt aus­ge­führt.

Auch das Ge­richt kam letzt­lich nicht ein­mal zu ei­nem be­ding­ten Tö­tungs­vor­satz. Ent­schei­dend da­für sei auch ge­we­sen, dass die Frau un­mit­tel­bar nach der Tat zur Po­li­zei ge­fah­ren sei und dort ge­mel­det ha­be, da­heim sei ein Un­fall pas­siert. Zu­dem hät­ten auch die be­han­deln­den Ärz­te erst nicht da­mit ge­rech­net, dass der ver­brüh­te 47-Jäh­ri­ge ster­ben wür­de, so die Kam­mer. Recht­lich wur­de das, was ihm an­ge­tan wur­de, als Kör­per­ver­let­zung mit To­des­fol­ge ge­wer­tet. Nicht als Stra­fe, wie Rich­ter Bösl be­ton­te, son­dern als Si­che­rungs­maß­nah­me, wur­de ih­re dau­er­haf­te Un­ter­brin­gung in der Psych­ia­trie an­ge­ord­net. Un­be­han­delt blei­be sie ge­fähr­lich.

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