Die Flüch­tig­keit des Au­gen­blicks

Aus­stel­lung Die aus Un­garn stam­men­de Künst­le­rin ll­di­ko Tit­ko zeigt be­ein­dru­cken­de Bil­der in ih­rer neu­en Hei­mat Weit­nau

Allgäuer Zeitung (Kempter Tagblatt) - - Kultur Am Ort - IRM­GARD RAMPP

Weit­nau Die Rea­li­tät ver­zerrt sich zur Abs­trak­ti­on. Ver­wa­schen und ver­schwom­men zeigt sich das kon­trast­rei­che Far­ben­spiel zwi­schen Dun­kel­heit und Licht­si­gna­len. Der Be­trach­ter fin­det sich in der Au­to­fah­rer­per­spek­ti­ve auf dem Weg her­aus aus der nass­kal­ten An­ony­mi­tät der ver­reg­ne­ten Groß­stadt. Ir­gend­wo­hin ins War­me, Tro­cke­ne. „Nas­ser Abend“nennt Il­di­ko Tit­ko die be­ein­dru­cken­de Se­rie von Aqua­rell­ma­le­rei. Hier ze­le­briert die in Un­garn ge­bo­re­ne Gra­fi­ke­rin und Kunst­päd­ago­gin, die mit ih­rer Fa­mi­lie vor knapp zwei Jah­ren von Bu­da­pest nach Weit­nau zog, auf fu­rio­se Wei­se die Flüch­tig­keit des Au­gen­blicks. Da­bei ar­ran­giert sie das Un­spek­ta­ku­lä­re als sen­sa­tio­nel­les Er­eig­nis.

Ei­ne klei­ne, aber fei­ne Aus­wahl von Gra­fi­ken, Zeich­nun­gen und Ma­le­rei aus sämt­li­chen Schaf­fens­pha­sen zeigt Il­di­ko Tit­ko nun erst­mals in ih­rer Wahl­hei­mat – in ei­ner Ver­kaufs­aus­stel­lung im Weit­nau­er Tou­ris­mus­bü­ro. Ob­wohl nur we­ni­ge mar­kan­te Wer­ke in die­sem be­grenz­ten Raum Platz fin­den und das Meis­te in Stän­dern und Map­pen ver­staut ist, scheint es, als wür­de sich nun ein neu­er Licht­punkt in der hie­si­gen Kunst­sze­ne auf­leuch­ten. Die 39-Jäh­ri­ge stu­dier­te Freie Gra­fik an der Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te in Bu­da­pest, und sie könn­te mit ih­ren fu­rio­sen Wer­ken ei­ne gan- ze Hal­le be­spie­len. Ganz ab­ge­se­hen von der bril­lan­ten Tech­nik an Li­tho­gra­fie, Li­n­ol­schnitt, Ra­die­rung und Aqua­tin­ta ver­steht es Tit­ko, mit ih­ren aus­drucks­star­ken Bil­dern ei­ne höchst emo­tio­na­le At­mo­sphä­re zu schaf­fen. Da­bei be­gibt sie sich auf ei­ne ent­spann­te Grat­wan­de­rung zwi­schen Fi­gür­li­chem und Abs­trak­tem, zwi­schen ra­di­ka­ler Re­duk­ti­on und der Hin­ga­be an das Es­sen­zi­el­le.

Il­di­ko Tit­ko ar­bei­te­te 13 Jah­re lang als freie Il­lus­tra­to­rin für Zei­tun­gen, Ma­ga­zi­ne und Buch­ver­la­ge. Sie be­herrscht die Kunst, durch ein paar prä­gnan­te und si­gnal­haf­te For­men in schwar­zer Tu­sche, Licht zu zeich­nen. Oder der mensch­li­chen Fi­gur mit we­ni­gen, wie flüch­tig hin­ge­zeich­ne­ten Li­ni­en Cha­rak­ter und Aus­strah­lung zu ver­lei­hen.

Mit „So­ci­al Wall Art“hob die Künst­le­rin kürz­lich ein ei­ge­nes Ta­pe­ten­la­bel aus der Tau­fe. Da­bei stellt sie an­hand von Druck­gra­fi­ken, die auf ih­ren Zeich­nun­gen ba­sie­ren, den Men­schen und die Un­be­schwert­heit des Au­gen­blicks in den Mit­tel­punkt.

ODie

Aus­stel­lung

im Tou­ris­mus­bü­ro Weit­nau läuft bis 28. Fe­bru­ar (ge­öff­net Mon­tag bis Frei­tag von 8 bis 12 Uhr, Mon tag und Don­ners­tag 14 bis 17 Uhr).

Re­pro/Fo­to: Irm­gard Rampp

„Ket­ten­brü­cke“hat ll­di­ko Tit­ko die­ses Bild ge­nannt.

ll­di­ko Tit­ko

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