La­ma löst Em­pö­rung aus

Re­ak­tio­nen Ober­all­gäu­er Po­li­ti­ker sind über is­lam­feind­li­che und rechts­po­pu­lis­ti­sche Aus­sa­gen ent­setzt und for­dern ei­ne Prü­fung, ob es sich um straf­ba­re Volks­ver­het­zung han­delt. Staats­an­walt­schaft lei­tet Ver­fah­ren ein

Allgäuer Zeitung (Kempter Tagblatt) - - Vorderseite -

Ober­all­gäu­er Po­li­ti­ker sind über is­lam­feind­li­che und rechts­po­pu­lis­ti­sche Aus­sa­gen des bud­dhis­ti­schen La­mas Ole Ny­dahl em­pört und for­dern ei­ne Über­prü­fung. »

Im­men­stadt/Ober­all­gäu Is­lam­feind­li­che und rechts­po­pu­lis­ti­sche Äu­ße­run­gen des geis­ti­gen Füh­rers des Diamant­weg-Bud­dhis­mus, La­ma Ole Ny­dahl, vor tau­sen­den An­hän­gern in Im­men­stadt ha­ben zu hef­ti­gen Re­ak­tio­nen und Em­pö­rung bei Ober­all­gäu­er Kom­mu­nal­po­li­ti­kern ge­führt. Der Ober­all­gäu­er Land­rat An­ton Klotz (CSU) zeigt sich „ent­setzt“von dem Ny­dahl-Zi­tat „An­de­re hat­ten Hit­ler und Sta­lin, wir ha­ben den Is­lam. Das ist al­les das­sel­be.“Er stuft die­se Hal­tung als „rechts­ra­di­kal“ein. Meh­re­re Po­li­ti­ker for­dern ei­ne Prü­fung, ob die ak­tu­ell beim Som­mer­kurs in Im­men­stadt ge­fal­le­nen Pa­ro­len noch als Mei­nungs­frei­heit zu to­le­rie­ren oder als Volks­ver­het­zung straf­recht­lich zu ver­fol­gen sei­en. Die Staats­an­walt­schaft Kemp­ten kün­dig­te ges­tern an, ein Ver­fah­ren ein­zu­lei­ten.

Der all­jähr­li­che Som­mer­kurs der Bud­dhis­ten in ih­rem Eu­ro­pa­zen­trum dau­ert noch bis kom­men­des Wo­che­n­en­de an. „Auf Gut Hoch­reu­te tref­fen sich Diamant­we­gBud­dhis­ten aus der gan­zen Welt und aus al­len Schich­ten der Ge­sell­schaft, um mit den Mit­teln der Me­di­ta­ti­on und den freund­schaft­li­chen Ver­bin­dun­gen die ei­ge­nen Qua­li­tä­ten des Geis­tes zu er­fah­ren und prak­tisch an­zu­wen­den“, be­schreibt es ei­ne Frank­fur­te­rin. Ver­wal­tungs­recht­lich ist nach Darstel­lung von Her­bert Wai­bel, zwei­ter Bür­ger­meis­ter in Im­men­stadt, auch nichts zu be­an­stan­den. Er ha­be ge­mein­sam mit dem zu­stän­di­gen Sach­be­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung den Ver­an­stal­tungs­ort be­sich­tigt und sei in Be­zug auf die Or­ga­ni­sa­ti­on zu dem Er­geb­nis ge­kom­men: „Al­le ver­ein­bar­ten Re­ge­lun­gen wur­den ein­ge­hal­ten.“

Be­schwer­den über wie­der­hol­te „Ru­he­stö­run­gen bis weit nach Mit­ter­nacht“, die Dr. Rolf Gre­ben­stein vom ört­li­chen Bund Na­tur­schutz kri­ti­siert, wür­den der­zeit von der Un­te­ren Na­tur­schutz­be­hör­de im Land­rats­amt ge­prüft, sagt Wai­bel. Land­rat Klotz hebt her­vor, dass die Kreis­be­hör­de nur tä­tig wer­den kön­ne, wenn dies die Stadt Im­men­stadt an­stößt. Dies be­tref­fe bau­li­che Ak­ti­vi­tä­ten ge­nau­so wie Kla­gen über zu­ge­park­te Grund­stü­cke, die Bür­ger im Land­rats­amt vor­tra­gen wür­den.

Klotz sieht im Au­gen­blick auch „kei­nen An­lass zum Ein­grei­fen“, was den Waf­fen­be­sitz von Bud­dhis­ten an­be­langt. Er hält die­sen al­ler­dings „für sehr be­denk­lich in Ver­bin­dung mit der Hal­tung des La­mas“. Wie be­rich­tet hat­te Ny­dahl nach Aus­sa­ge ei­nes Ex-An­hän­gers auf die Fra­ge, wie man sich ge­gen den Is­lam wapp­nen kön­ne, ge­sagt: Schie­ßen ler­nen.

War­um wi­der­spricht kei­ner?

Wer die Re­li­gi­on miss­brau­che, um an­de­re Re­li­gio­nen zu ver­teu­feln, „hat das Recht auf To­le­ranz ver­spielt“, sag­te ges­tern FDP-Kreis­rä­tin Gi­se­la Bock. Er­schre­ckend sei, dass kei­ner sei­ner An­hän­ger den Mut ha­be, ihm zu wi­der­spre­chen.

„Wo ist eu­er Wi­der­stand?“, fragt der Im­men­städ­ter SPD-Frak­ti­ons­chef Pe­ter El­gaß die Bud­dhis­ten des Zen­trums: „Ole Ny­dahl bringt mit sei­nen rechts­ra­di­ka­len An­sich­ten den gan­zen Diamant­weg in Ver­ruf.“Der La­ma hat nach Aus­sa­gen an­de­rer Zu­hö­rer sei­ner „Be­leh­run­gen“zur Wahl der AfD auf­ge­ru­fen und sich po­si­tiv über die rechts­ex­tre­me Fran­zö­sin Ma­ri­ne Le Pen ge­äu­ßert.

Für Kreis­rat Hu­go Wir­ten­sohn (Freie Wäh­ler) hat Ny­dahl Gren­zen der To­le­ranz über­schrit­ten. Die Sprü­che vor Tau­sen­den von Men­schen „ge­hen Rich­tung Volks­ver­het­zung und pas­sen mit ei­ner fried­fer­ti­gen Re­li­gi­on nicht zu­sam­men“, ur­teilt Wir­ten­sohn.

In die glei­che Rich­tung ar­gu­men­tiert der CSU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Man­fred Bald­auf: Man soll­te prü­fen, ob man­che Aus­sa­gen als Volks­ver­het­zung straf­recht­lich zu ver­fol­gen sei­en: „Wer wie Ny­dahl un­se­re Grund­wer­te ver­letzt und nicht an­er­kennt, hat sein Blei­be­recht hier ver­lo­ren.“Ha­rald Voigt (Lis­te Jun­ges Ober­all­gäu) un­ter­streicht die­se Ein­stel­lung: „Wer sei­ne ei­ge­ne Re­li­gi­on für po­li­ti­sche Zwe­cke miss­braucht, ist hier fehl am Platz.“

Micha­el Fin­ger von der ÖDP spitzt sei­ne Sicht be­wusst ver­bal zu: Er nennt Ny­dahl ei­nen „plap­pern­den Re­li­gi­ons-Po­pu­lis­ten und mi­li­tan­ten Ca­s­a­no­va mit re­li­giö­sem Hin­ter­grund“. Man­che sei­ner Bot­schaf­ten hät­ten „rein gar nichts“mit dem Bud­dhis­mus zu tun.

„Wir müs­sen uns weh­ren“

El­frie­de Roth

des Alp­sees ab­läuft“, sagt Jörg Hil­bert von der SPD. Er war vor Jah­ren mit sei­nen Frak­ti­ons­kol­le­gen auf dem Ge­län­de und da­mals „sehr an­ge­tan von den Men­schen dort und wie die­se mit­ein­an­der um­ge­hen.“Zu ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen „rechts­ra­di­ka­len Äu­ße­run­gen“des La­mas und den Ver­ant­wort­li­chen vor Ort so­wie den Be­su­chern des Zen­trums rät nach wie vor Bür­ger­meis­ter Wai­bel, der für die Ak­ti­ven im Im­men­städ­ter Stadt­rat sitzt. Grund­sätz­lich sei das Gut Hoch­reu­te im Jahr 2007 un­ter dem frü­he­ren Bür­ger­meis­ter Bi­sch­off als „Son­der­ge­biet mit Zweck­be­stim­mung Se­mi­nar- und Ver­an­stal­tungs­zen­trum für re­li­giö­se Zwe­cke“recht­lich ge­wid­met wor­den. Der Stadt­rat ha­be das da­mals ein­hel­lig be­schlos­sen – in Ab­stim­mung mit dem Land­rats­amt.

Fo­to: Lie­nert

La­ma Ole Ny­dahl be­tont im­mer wie­der, dass er von ei­nem bud­dhis­ti­schen Kar­mapa (auf dem Pla­kat im Hin­ter­grund) zur Ver­brei tung der Re­li­gi­on in Eu­ro­pa auf­ge­for­dert wur­de. Seit Län­ge­rem fällt er aber durch is­lam­feind­li­che Aus­sa­gen auf.

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