Bür­ger set­zen ein Zei­chen ge­gen Rechts­po­pu­lis­mus

Mahn­wa­che Nach is­lam­feind­li­chen Aus­sa­gen des bud­dhis­ti­schen La­mas Ole Ny­dahl ge­hen in Im­men­stadt 100 Ober­all­gäu­er auf die Stra­ße

Allgäuer Zeitung (Kempter Tagblatt) - - Oberallgäu - VON PE­TER JANUSCHKE [email protected]

Gut, dass mit ei­ner Mahn­wa­che ein ge­sell­schaft­li­ches Zei­chen ge­gen Aus­wüch­se des Diamant­we­gBud­dhis­mus ge­setzt wur­de. Zwar ha­ben par­tei­über­grei­fend Po­li­ti­ker die het­ze­ri­schen Pa­ro­len des La­mas an­ge­pran­gert, doch die Stel­lung­nah­me der Stadt Im­men­stadt hört sich wie ein Weich­spü­ler an. Und da­her droht, was oft in sol­chen Fäl­len pas­siert: Kurz­fris­tig ist die Auf­re­gung groß, doch letzt­lich ebbt die Wel­le der Em­pö­rung bald ab und es än­dert sich we­nig.

Da­her ganz deut­lich: Wer so tut, dass es zwar ei­nen is­lam­feind­li­chen, rechts­po­pu­lis­ti­schen Ober­ma­cker gibt, al­le an­de­ren aber harm­lo­se Gut­men­schen sind, sitzt ei­ner ge­fähr­li­chen Feh­l­ein­schät­zung auf. Diamant­weg-An­hän­ger se­hen La­ma Ole Ny­dahl als geis­ti­gen Über­va­ter, was er aus ih­rer re­li­giö­sen Sicht auch ist. Und wenn Tau­sen­de im­mer wie­der die Het­ze hö­ren und nicht mu­cken, sind das kei­ne Gut­men­schen. Im bes­ten Fall könn­te man das da­mit ent­schul­di­gen, dass bei ih­nen ei­ne Art Ge­hirn­wä­sche funk­tio­niert hat.

Es geht bei die­ser Ein­schät­zung nicht dar­um, den Is­lam zu ver­tei­di­gen. Es geht um das An­pran­gern ei­ner Men­schen­ver­ach­tung. Das näm­lich ist pau­scha­les Gleich­set­zen to­ta­li­tä­rer Mas­sen­mör­der mit ei­ner Re­li­gi­on. Es gibt mus­li­mi­sche Ter­ro­ris­ten, ja, aber die Mehr­heit der Mus­li­me sind Men­schen wie Sie und ich. Wie wür­den Sie re­agie­ren, wenn ein Christ mor­det (was lei­der vor­kommt) und ein Re­li­gi­ons­füh­rer dar­aus fol­gert, das Chris­ten­tum sei ein Mör­der-Glau­ben?

Wol­len wir die­se Art Bud­dhis­mus hier ha­ben? Ei­gent­lich kann es nur ei­ne Ant­wort ge­ben. Im­men­stadt Mit ei­ner Mahn­wa­che ha­ben 100 Ober­all­gäu­er ges­tern Abend in Im­men­stadt ge­gen is­lam­feind­li­che und rechts­po­pu­lis­ti­sche Aus­sa­gen des geis­ti­gen Füh­rers des Diamant­weg-Bud­dhis­mus, La­ma Ole Ny­dahl, de­mons­triert. Am Ab­schluss­tag des Som­mer­kur­ses mit rund 3500 Teil­neh­mern, sam­mel­ten sich die De­mons­tran­ten auf dem Fro­schwei­her­park­platz am Fu­ße des Eu­ro­pa­zen­trums ober­halb des Großen Alp­sees. So ka­men die Teil­neh­mer der bud­dhis­ti­schen Groß­ver­an­stal­tung bei ih­rer Abrei­se mit dem Bus oder zu Fuß di­rekt an der Mahn­wa­che der Ober­all­gäu­er vor- bei, zeig­ten aber kei­ne Re­ak­ti­on auf die Pla­ka­te.

„Ja zum Bud­dhis­mus – Nein zum Rechts­po­pu­lis­mus“, war auf ei­nem großen Trans­pa­rent zu le­sen. „Wir wol­len ei­nen Bud­dhis­mus, der nicht ge­gen den Is­lam hetzt“, for­der­te Grü­nen-Kreis­spre­che­rin Chris­ti­na Ma­der, die die Ver­an­stal­tung mit­or­ga­ni­siert hat­te. Ge­kom­men wa­ren Po­li­ti­ker fast al­ler Par­tei­en und Kir­chen­ver­tre­ter. Stadt­rat Eber­hardt Fet­zer (CSU) aus Im­men­stadt nann­te Ny­dahls Aus­sa­gen „rechts­ra­di­kal“. Er er­in­ner­te aber auch an die Pro­ble­me mit dem Ver­kehr zum Bud­dhis­mus­zen­trum und den feh- len­den Park­plät­zen. „Wir ha­ben nichts ge­gen Bud­dhis­ten, aber wir stel­len uns klar ge­gen sol­che Äu­ße­run­gen“, sag­te die SPD-Orts­vor­sit­zen­de Ve­ra Husch­ka.

Be­reits im Vor­feld der Mahn­wa­che hat­ten sich Po­li­ti­ker par­tei­über­grei­fend ent­setzt über Ny­dahls Aus­sa­gen ge­zeigt. Ein­zel­ne for­der­ten ei­ne Prü­fung, ob es sich um straf­ba­re Volks­ver­het­zung han­delt. Im­men­stadts Vi­ze-Bür­ger­meis­ter Her­bert Wai­bel riet zu ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen „rechts­ra­di­ka­len Äu­ße­run­gen“des La­mas und den Ver­ant­wort­li­chen vor Ort so­wie den Be­su­chern des Eu­ro­pa­zen­trums.

Fo­to: Mar­ti­na Diemand

Die Shut­tle­bus­se mit den ab­rei­sen­den Teil­neh­mern des bud­dhis­ti­schen Som­mer­kur­ses fuh­ren di­rekt an der Mahn­wa­che vor­bei, zu der sich et­wa 100 Ober­all­gäu­er am Großen Alp­see ver­sam­melt hat­ten.

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