Ver­kehrs­lärm als Be­las­tung

Die An­woh­ner St­ein­bachs lei­den un­ter den vie­len Fahr­zeu­gen, die tag­täg­lich durch ih­ren Ort fah­ren. Sie kämp­fen für ei­ne Um­ge­hungs­stra­ße. Bür­ger­meis­ter Gru­be: „Von uns aus kann der Bau be­gin­nen.“

Allgäuer Zeitung (Marktoberdorfer Landbote) - - Vorderseite - VON STE­FA­NIE GRONOSTAY

Die An­woh­ner St­ein­bachs lei­den un­ter den vie­len Fahr­zeu­gen, die täg­lich durch ih­ren Ort fah­ren. Sie kämp­fen für ei­ne Um­ge­hung.

St­ein­bach: ein idyl­li­sches Fleck­chen im Ost­all­gäu. Häu­ser mit bunt be­pflanz­ten Gär­ten und ei­ne weiß ge­tünch­te Ka­pel­le säu­men die kur­ven­rei­che Haupt­stra­ße, die mit­ten durch den Ort führt. Ein Bach plät­schert ne­ben der Stra­ße und Kü­he wei­den auf der Wie­se vor dem Al­pen­pan­ora­ma. Es könn­te al­les so schön sein, wenn nicht der vie­le Ver­kehr wä­re, sa­gen die St­ein­ba­cher. Der Orts­teil der Ge­mein­de Stöt­ten lei­det näm­lich un­ter dem ho­hen Ver­kehrs­auf­kom­men auf der B 16, die durch den Ort führt.

Das Wetter ist gut und An­woh­ne­rin Eve­lyn Schmid ist ge­ra­de mit der Gar­ten­ar­beit be­schäf­tigt. Auch sie und ih­re Fa­mi­lie be­las­ten die vie­len Fahr­zeu­ge, die täg­lich durch die Ort­schaft fah­ren. Ihr Haus liegt di­rekt an der Haupt­stra­ße. Die Fa­mi­lie zog ver­gan­ge­nen De­zem­ber nach St­ein­bach. „Ich wuss­te vor­her, dass hier viel Ver­kehr ist, aber ich ha­be es mir nicht so schlimm vor­ge­stellt“, sagt Eve­lyn Schmid, wäh­rend ein paar Me­ter hin­ter ihr die Last­wä­gen und Au­tos im Se­kun­den­takt vor­bei­fah­ren. Im Som­mer auf der Ter­ras­se ent­span­nen? Das sei nicht mög­lich. „Wir wei­chen oft­mals auf die an­de­re Sei­te vom Haus aus und sit­zen vor der Ga­ra­ge. Dort ist es ein biss­chen lei­ser“, sagt sie.

Vor al­lem der Lärm macht den An­woh­nern zu schaf­fen. Ne­ben Au­tos und Last­wa­gen fah­ren auch vie­le land­wirt­schaft­li­che Fahr­zeu­ge durch den Ort. „Mein Haus hat Be­ton­wän­de. Seit ich neue Fens­ter ha­be, ist es in­nen er­träg­li­cher“, sagt Schmid. Doch nur bei ge­schlos­se­nen Fens­tern, was im Som­mer al­les an­de­re als ide­al sei. Ne­ben dem stän­di­gen Ver­kehrs­lärm ist auch die Si­cher­heit ein Pro­blem. So­wohl für die Kin­der als auch für die Tie­re. „Al­lein ver­gan­ge­ne Wo­che wur­de zwei Kat­zen tot­ge­fah­ren“, sagt Schmid. Wie vie­le an­de­re An­woh­ner im Ort hofft sie auf ei­ne Um­ge­hungs­stra­ße. So hän­gen in dem rund 700 Me­ter lan­gen Orts­teil meh­re­re Trans­pa­ren­te, auf de­nen in gro­ßen Let­tern ei­ne Um­ge­hung ge­for­dert wird.

Seit vie­len Jah­ren kämp­fen die An­woh­ner dar­um, vom Durch- be­freit zu wer­den. „Wir ha­ben schon vie­le Ak­tio­nen durch­ge­führt, um auf das Pro­blem auf­merk­sam zu ma­chen“, sagt Bür­ger­meis­ter Ralf Gru­be. So ha­be es schon häu­fig Be­schwer­den und Pro­tes­te der An­woh­ner ge­ge­ben. Eben­so wur­de ei­ne Ge­schwin­dig­keits­an­zei­ge im Ort in­stal­liert, die das Tem­po der Fah­rer ent­we­der mit ei­nem la­chen­den oder ei­nem trau­ri­gen Ge­sicht kom­men­tiert. Bür­ger­meis­ter Gru­be setzt sich da­für ein, dass die Bau­maß­nah­me der Um­ge­hungs­stra­ße auch um­ge­setzt wird. So hat er be­reits ei­nem Bü­ro auf­ge­tra­gen, Pla­nungs­ide­en für die Um­ge­hungs­stra­ße zu ent­wi­ckeln. So­dass sei­ner Meinung nach je­der­zeit mit den Bau­maß­nah­men be­gon­nen wer­den kann. Im Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan der Bun­des­re­gie­rung ist das Pro­jekt mit ei­ner Dring­lich­keit „Wei­te­rer Be­darf mit Pla­nungs­recht“de­kla­riert. Im Ge­gen­satz zu Pro­jek­ten mit dem Sta­tus „Vor­dring­li­cher Be­darf“ist der Bau der Um­ge­hung dem­nach hin­ten an­ge­stellt. Den­noch wur­de ein Pla­nungs­recht er­teilt, so­dass mit der kon­kre­ten Pla­nung un­mit­tel­bar be­gon­nen wer­den kann.

Die St­ein­ba­cher woll­ten der Rea­li­sie­rung der Pro­jek­tes Nach­druck ver­lei­hen. So ver­an­stal­te­ten sie An­fang Au­gust ei­ne Ver­kehrs­zäh­lung, um zu zei­gen, wie sehr die Um­ge­hungs­stra­ße ge­braucht wird. In 24 St­un­den wur­den 9698 Fahr­zeu­ge ge­zählt. Al­lein zwi­schen 9 und 15 Uhr pas­sier­ten knapp 4000 Fahr­zeu­ge die Zähl­stel­le. Mit die­sem Er­geb­nis möch­te sich Gru­be an das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um wen­den. „Ich bin si­cher, dass die­se Ak­ti­on et­was bringt und wir dem Bau der Um­ge­gangs­ver­kehr hungs­stra­ße nä­her kom­men“, sagt er.

Doch nicht al­le An­woh­ner in St­ein­bach sind von dem Kon­zept ei­ner Um­ge­hungs­stra­ße über­zeugt. Zu ih­nen ge­hört Pe­ter Toch, Be­trei­ber des Re­stau­rants Road­hou­se in St­ein­bach. Er fühlt sich nicht durch die An­zahl der Fahr­zeu­ge ge­stört. „Da­durch, dass es ein flie­ßen­der Ver­kehr ist, ist er nicht laut“, sagt er. Eben­so fin­det er nicht, dass über­mä­ßig vie­le Au­tos durch den Ort fah­ren. „Es kommt ab und zu ein Fahr­zeug vor­bei, aber mich be­las­tet die Men­ge nicht. Im Ge­gen­teil, ich freue mich über Gäs­te.“Sei­ne Gäs­te kön­nen bei gu­tem Wetter im Bier­gar­ten oder vor sei­nem Re­stau­rant mit Blick auf die Ort­schaft sit­zen. „Je­den Abend treibt ein Nach­bar sei­ne Kü­he die Stra­ße ent­lang nach Hau­se. Das ist ein ziem­li­von ches Spek­ta­kel“, sagt Toch. Die Gäs­te wür­den da­bei ger­ne zu­schau­en. „Au­to­fah­rer blei­ben dann ste­hen und las­sen die Kü­he pas­sie­ren“, sagt er. Es wer­de al­so durch­aus Rück­sicht ge­nom­men.

Toch sieht das Pro­blem eher bei der teil­wei­se über­höh­ten Ge­schwin­dig­keit der Fahr­zeu­ge. „Ich fin­de, es soll­te öf­ter ei­ne Ra­dar­kon­trol­le durch­ge­führt wer­den und bes­ser kon­trol­liert wer­den“, sagt er. Da es kei­ne Am­peln gibt, ras­ten vie­le durch den Ort. Auch die Ge­schwin­dig­keits­an­zei­ge bringt sei­ner Meinung nach nicht viel. „Die An­zei­ge steht am Orts­aus­gang. Beim Rein­fah­ren in den Ort macht sie mehr Sinn“, sagt der Re­stau­rant­be­trei­ber. Sei­en es die Um­ge­hungs­stra­ße, oder schär­fe­re Kon­trol­len: Die An­woh­ner in St­ein­bach for­dern ei­ne Bes­se­rung und das mög­lichst schnell. Ver­kehrs­lärm rund um die Uhr

Fo­to: Ste­fa­nie Gronostay

Die B 16 zwi­schen Markt­ober­dorf und Füs­sen führt di­rekt durch die Ort­schaft St­ein­bach. Im Se­kun­den­takt pas­sie­ren Fahr­zeu­ge die Ort­schaft. Die An­woh­ner füh­len sich ge­stört und for­dern seit Jah­ren ei­ne Um­ge­hungs­stra­ße.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.