Ser­vus Som­mer

Der Deut­sche Wet­ter­dienst zieht ei­ne Bi­lanz über den Som­mer 2018. Wie sich Bay­ern vom Rest der Re­pu­blik un­ter­schei­det, wo es am hei­ßes­ten war und ob nun der Herbst kommt

Allgäuer Zeitung (Marktoberdorfer Landbote) - - Bayern -

Augs­burg Es gibt Or­te, über die man ge­mein­hin wohl mehr spricht als über Kit­zin­gen. Zu­ge­ge­ben, es gibt dort ei­nen schie­fen Turm, der ein biss­chen an Pi­sa er­in­nert und in dem ein­mal das Deut­sche Fast­nachts­mu­se­um un­ter­ge­bracht war. Aber das ge­müt­li­che un­ter­frän­ki­sche Städt­chen ist trotz­dem eher sel­ten in den Schlag­zei­len. Im Som­mer al­ler­dings ist das zu­wei­len an­ders. Denn in Kit­zin­gen ist es heiß. Sehr heiß. Im­mer wie­der wer­den dort Hit­ze­re­kor­de auf­ge­stellt. Auch in die­sem Jahr wur­de dort be­son­ders viel ge­schwitzt. 39 Grad wur­den in Kit­zin­gen En­de Ju­li ge­mes­sen – mehr als ir­gend­wo sonst in Bay­ern.

Des­we­gen taucht die Stadt auch in der Som­mer­bi­lanz des Deut­schen Wet­ter­diens­tes (DWD) auf, die am Don­ners­tag vor­ge­stellt wur­de. Rund 2000 Mess­sta­tio­nen wur­den da­für aus­ge­wer­tet. Das Er­geb­nis: Der deut­sche Som­mer 2018 war der zweit­hei­ßes­te seit Be­ginn der re­gel­mä­ßi­gen Mes­sun­gen im Jahr 1881. Nur 2003 wa­ren die Tem­pe­ra­tu­ren noch hö­her. Zwi­schen den ein­zel­nen Re­gio­nen der Re­pu­blik gibt es aber gro­ße Un­ter­schie­de. So war Bay­ern in die­sem Som­mer mit ei­ner Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur von 18,9 Grad – drei Grad mehr als der lang­jäh­ri­ge baye­ri­sche Durch­schnitts­wert – das zweit­kühls­te Bun­des­land nach Schles­wig Hol­stein. In Berlin war es mit durch­schnitt­lich 20,8 Grad am wärms­ten.

Chris­ti­an Eh­mann, Me­teo­ro­lo­ge beim Deut­schen Wet­ter­dienst in Mün­chen, hat sich in­ten­siv mit dem Wetter im Frei­staat be­schäf­tigt. Und ei­nes ist ihm da­bei be­son­ders auf­ge­fal­len: „Es war schon un­ge­wöhn­lich, wie lan­ge die Hit­ze­wel­le ge­dau­ert hat“, sagt er. „Es gab sehr vie­le Ta­ge hin­ter­ein­an­der, an de­nen es über 30 Grad hat­te. Und an den Ta­gen, an de­nen die­se Mar­ke nicht er­reicht wur­de, la­gen die Tem­pe­ra­tu­ren nur knapp dar­un­ter.“790 St­un­den lang schien die Son­ne in die­sem Som­mer in Bay­ern. Da­mit liegt der Frei­staat um 167 St­un­den über dem Mit­tel­wert.

Ins­ge­samt sei es ein zu tro­cke­ner Som­mer ge­we­sen, re­sü­miert Wet­ter­ex­per­te Eh­mann. In Augs­burg et­wa fie­len im Au­gust ge­ra­de ein­mal 42 Li­ter Re­gen pro Qua­drat­me­ter – das ist nicht ein­mal die Hälf­te des­sen, was ei­gent­lich nor­mal ist. Zwar reg­ne­te es im Ju­ni und Ju­li ein we­nig häu­fi­ger, trotz­dem sei die Re­gen­men­ge in die­sem Jahr un­ter­durch­schnitt­lich, er­klärt der Wet­ter­ex­per­te. Das gilt nicht nur für Augs­burg, son­dern für ganz Bay­ern. Und das, ob­wohl der Frei­staat im deutsch­land­wei­ten Ver­gleich so­gar noch das nie­der­schlags­reichs­te Bun­des­land war. „Des­we­gen war es hier auch nicht so ex­trem wie im Nor­den oder im Os­ten Deutsch­lands“, sagt Eh­mann. Dort hat­te die an­dau­ern­de Tro­cken­heit zu ver­hee­ren­den Dür­ren ge­führt. Es gibt Fotos, auf de­nen Sach­sen eher wie die Sa­ha­ra aus­sieht. Land­wir­te klag­ten über aus­ge­dörr­te Fel­der und im­men­se Ern­te­ein­bu­ßen.

Aber auch in Bay­ern hat der Ex­trem-Som­mer Spu­ren hin­ter­las­sen. Die Tro­cken­heit hat et­wa da­zu ge­führt, dass ei­ni­ge Am­phi­bi­en nicht lai­chen konn­ten. Im Land­kreis Co­burg zum Bei­spiel hat­te es prak­tisch gar nicht ge­reg­net. Al­le Klein­ge­wäs­ser trock­ne­ten aus, wie der Lan­des­bund für Vo­gel­schutz be­rich­tet. Der Gelb­bau­chun­ke wur­de das zum Ver­häng­nis. Sie konn­te kei­ne Eier ab­le­gen. Der Nach­wuchs bleibt in die­sem Jahr aus.

Aus­ge­blie­ben sind in die­sem Som­mer üb­ri­gens auch grö­ße­re, über­re­gio­na­le Un­wet­ter. Ge­wit­ter­fron­ten mit Or­k­an­bö­en, wie sie et­wa 2017 über den Frei­staat ge­fegt wa­ren, gab es nicht. Un­wet­ter ha­be man nur punk­tu­ell be­ob­ach­tet, sagt Me­teo­ro­lo­ge Eh­mann. Et­wa am Mitt­woch rund um Neu-Ulm. Die Ha­gel­kör­ner, die vom Him­mel ka­men, wa­ren bis zu fünf Zen­ti­me­ter groß, meh­re­re Stra­ßen wur­den über­flu­tet, ei­ni­ge Bäu­me fie­len um. Ver­letzt wur­de aber nie­mand.

Und nun? War’s das mit dem Som­mer? Schließ­lich ist am Sams­tag me­teo­ro­lo­gi­scher Herbst­an­fang. Mit der gro­ßen Hit­ze sei es in der Tat vor­bei, sagt Wet­ter­spe­zia­list Eh­mann. Am Wo­che­n­en­de wird es un­be­stän­dig und reg­ne­risch. In der kom­men­den Wo­che aber soll es wie­der spät­som­mer­lich warm wer­den – al­ler­dings kann es auch Ge­wit­ter ge­ben. Dass es nach die­sem ex­trem hei­ßen Som­mer nun küh­ler wird, dar­über dürf­ten vie­le Men­schen nicht all­zu trau­rig sein. Zum Bei­spiel die Kit­zin­ger, die in die­sem Jahr ge­nug ge­schwitzt ha­ben.

In Bay­ern hat es am meis­ten ge­reg­net

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Fahrt durch die Wüs­te? Die Hit­ze und die Tro­cken­heit der ver­gan­ge­nen Mo­na­te ha­ben ih­re Spu­ren hin­ter­las­sen, wie hier im Land­kreis Günz­burg.

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