Vom Ban­ker zum Pries­ter

Oli­ver Rid aus Ba­ben­hau­sen nun Markt­ober­dor­fer Stadt­pfar­rer. Der 40-Jäh­ri­ge sieht sich als Mann des Aus­gleichs und will als Seel­sor­ger ei­ge­ne Schwer­punk­te, et­wa in der Ju­gend­ar­beit, set­zen

Allgäuer Zeitung (Marktoberdorfer Landbote) - - Vorderseite - VON HEI­KO WOLF

Oli­ver Rid aus Ba­ben­hau­sen ist nun Markt­ober­dor­fer Stadt­pfar­rer. Er sieht sich als Mann des Aus­gleichs und will als Seel­sor­ger ei­ge­ne Schwer­punk­te set­zen.

Markt­ober­dorf Der Glau­be und der Got­tes­dienst am Sonn­tag­mor­gen sind für den neu­en Markt­ober­dor­fer Stadt­pfar­rer Oli­ver Rid von klein auf selbst­ver­ständ­li­che Tei­le sei­nes Le­bens. Den­noch war es für Rid nach dem Abitur 1998 längst nicht aus­ge­macht, dass er ei­nen Be­ruf mit be­son­de­rer Be­zie­hung zu Gott ein­schlägt. Viel­mehr ab­sol­vier­te der Steu­er­be­ra­ter-Sohn erst mal ei­ne Bank­leh­re.

„Ich war drei Jah­re lang auf der Su­che. Mei­ne Be­ru­fung muss­te erst in mir wach­sen“, sagt der 40-jäh­ri­ge Ba­ben­hau­se­ner im Rück­blick. Trotz tol­ler Kol­le­gen und ech­ter Re­spekts­per­so­nen als Aus­bil­der merk­te er als Ban­ka­zu­bi aber rasch, dass er sein Le­ben nicht in ei­nem Kre­dit­in­sti­tut ver­brin­gen will. Sei­ne Un­er­füll­theit, die sich in in­ne­rer Un­ru­he äu­ßer­te, ließ ihn nicht mehr los. Bis er wie­der ein­mal im Ju­gend­haus im Ober­all­gäu­er Seif­rieds­berg war. Ei­ne Stät­te, die er von klein auf als fas­zi­nie­ren­den Ort er­lebt hat­te. In die­ser für ihn be­son­de­ren At­mo­sphä­re fass­te er den Ent­schluss, Pries­ter zu wer­den. „Das war ein Ge­schenk von oben.“Ne­ben den Be­su­chen in Seif­rieds­berg nennt Rid den Glau­ben sei­ner Fa­mi­lie und die Tä­tig­keit als Mi­nis­trant und Mit­ge­stal­ter von Ju­gend­got­tes­diens­ten prä­gend für sei­ne end­gül­ti­ge Be­rufs­wahl.

Letzt­lich ha­be er den Ab­sprung 2001 an­ge­sichts der auf­zie­hen­den Ban­ken­kri­se und des Bör­sen-Crashs zur rech­ten Zeit ge­schafft, sagt Rid und schmun­zelt. So­fort schiebt er aber hin­ter­her, dass Ban­ker und Pries­ter „bei­des wun­der­schö­ne Be­ru­fe sind“, die viel Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein er­for­dern. In bei­den kön­ne man nur gut ar­bei­ten, wenn ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis da ist. „Dem Ban­ker ver­trau­en die Leu­te ihr Geld an, dem Pries­ter per­sön­li­che Din­ge.“

An bei­den Stel­len brau­che es gu­te Leu­te, sagt Rid und ver­weist auf die Kri­sen der Kir­che. Ihm ist wich­tig, zu sa­gen, dass je­der Gläu­bi­ge ei­ne in­di­vi­du­el­le Be­ru­fung hat. „Ich ha­be im Pries­ter­se­mi­nar ge­merkt, dass ich da hin­ge­hö­re. An­de­re sa­gen, ich ha­be mei­nen Glau­ben, aber ar­bei­ten tue ich in der Bank.“So ei­ne Aus­sa­ge ist ty­pisch für Rid. Er ver­steht sich als Mann des Aus­gleichs und der Mit­te.

Auch theo­lo­gisch: „Klar muss die Kir­che an­schluss­fä­hig sein an die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on“, sagt der lang­jäh­ri­ge Ju­gend­pfar­rer. Zu­gleich dür­fe man kraft­vol­le Tra­di­tio­nen nicht au­ßen vor las­sen. Als Bei­spiel für ei­ne schö­ne Tra­di­ti­on führt er die be­währ­te Ge­stal­tung der St.-Mar­tins­Fei­er an der Markt­ober­dor­fer Schu­le St. Mar­tin an, die jetzt am Mon­tag wie­der an­steht. Als Pries­ter sieht er sei­ne Auf­ga­be dar­in, „Gott zu den Men­schen und die Men­schen zu Gott zu brin­gen – und die Men­schen da­bei mit­ein­an­der zu ver­net­zen“.

Nach dem Stu­di­um im Hei­mat­bis­tum Augs­burg blieb Rid der Fug­ger­stadt bis 2011 als Ka­plan von St. Ul­rich und Afra er­hal­ten, be­treu­te dort Mi­nis­tran­ten und Ju­gend, ehe er zum Ju­gend­seel­sor­ger in Seif­rieds­berg und Lei­ter der ka­tho­li­schen Ju­gend­stel­le Kempten avan­cier­te. „Die Augs­bur­ger Stadt­mit­te und das Ju­gend­haus in den Ber­gen, wo man Kuh­schel­len beim Ein­schla­fen hört, sind die größt­mög­li­chen Ge­gen­sät­ze“, sagt er und lacht. Aber auch die­ser Wech­sel, zu­rück zu sei­nen länd­li­chen Wur­zeln und in das für ihn be­son­de­re Seif­rieds­berg, kam „zur rech­ten Zeit“, fin­det Rid. Er denkt stets po­si­tiv. Aus­hilfs­wei­se be­treu­te der Ju­gend­pfar­rer als Pries­ter die Or­te Seif­rieds­berg, Gun­zes­ried und Of­ter­schwang mit. „Das war gut, weil ich trotz mei­ner Rol­le als Ju­gend­pfar­rer da­mit die nor­ma­le Ge­mein­de­ar­beit nie aus dem Blick ver­lo­ren ha­be“, sagt er.

Als Ju­gend­seel­sor­ger lern­te er zu­dem das gan­ze Ober- und West­all­gäu ken­nen. Da Rid da­bei mit dem Au­to hin und wie­der ein we­nig flot­ter fuhr, ver­pass­ten ihm „sei­ne“Ju­gend­li­chen den Au­to-Auf­kle­ber „Lord on Board“. Auch mit dem Rad und zu Fuß ist der 1,96-Mann gern schnell un­ter­wegs. Rad­fah­ren und Jog­gen zäh­len zu sei­nen Hob­bys. Of­fen spricht Rid dar­über, dass er sich auch ei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie, wie sie et­wa sei­ne Schwes­ter hat, gut hät­te vor­stel­len kön­nen. Statt­des­sen sei für ihn nun ei­ne Ge­mein­de wie ei­ne gro­ße Fa­mi­lie.

Sei­ne neue Pfar­rei­en­gemein­schaft Markt­ober­dorf will er erst mal bes­ser ken­nen­ler­nen, die an­fal­len­den Di­ens­te gut ma­chen, be­vor er ei­ge­ne Schwer­punk­te, et­wa in der Ju­gen­dar- beit und der Ar­beit mit (jun­gen) Fa­mi­li­en, set­zen will. Sei­nen Vor­gän­ger Wolf­gang Schil­ling sieht Rid fast täg­lich. Und bei den Mes­sen, die er in St. Mar­tin und Magnus, in Ber­tolds­ho­fen und Burk schon ge­hal­ten hat, hat­te er ers­te po­si­ti­ve Be­geg­nun­gen mit Ost­all­gäu­er Gläu­bi­gen. Markt­ober­dorf ist dem neu­en Pfar­rer oh­ne­hin nicht fremd. Mehr­fach war er in frü­he­ren Jah­ren in der Stadt. Auch, um sei­nen gu­ten Freund Rein­fried Rim­mel (Stadt­ka­plan bis 2011) zu tref­fen.

Den Ein­füh­rungs­got­tes­dienst für Stadt­pfar­rer Rid am Sonn­tag um 18 Uhr ge­stal­ten die Kir­chen­chö­re von St. Micha­el (Ber­tolds­ho­fen) und St. Mar­tin in der Stadt­pfarr­kir­che St. Mar­tin ge­mein­sam.

„Dem Ban­ker ver­trau­en die Leu­te ihr Geld an, dem Pries­ter ganz per­sön­li­che Din­ge. Bei Bei­dem geht es ums Ein­ge­mach­te.“

Fo­to: Wolf

Stolz zeigt Oli­ver Rid sei­nen ganz per­sön­li­chen Herr­gotts­win­kel: Das Kru­zi­fix et­wa, das seit Ge­ne­ra­tio­nen im Fa­mi­li­en­be­sitz ist, be­glei­tet ihn be­reits seit sei­ner Dia­kon­wei­he. Die St.-Afra-Sta­tue be­sitzt Rid seit sei­ner Ka­plans­zeit in Augs­burg.

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