Wird Luitz der Sieg ab­er­kannt?

Der All­gäu­er hat bei sei­nem Tri­umph in Bea­ver Creek Sau­er­stoff in­ha­liert. Laut Welt­ver­band ist das ver­bo­ten. Die be­tref­fen­de Stel­le im An­ti-Do­ping-Re­gel­werk hat­te aber of­fen­bar nie­mand ge­le­sen

Allgäuer Zeitung (Marktoberdorfer Landbote) - - Spor - VON ANDRE­AS KORNES

Val d’Isè­re/Augs­burg

Für Ste­fan Luitz wa­ren die ver­gan­ge­nen Ta­ge ei­ne Ach­ter­bahn­fahrt der Ge­füh­le. Vor ei­ner Wo­che hat­te er den ers­ten Welt­cup-Rie­sen­sla­lom nach sei­nem Kreuz­band­riss ge­won­nen. In Bea­ver Creek ge­lang ihm der größ­te Er­folg sei­ner Kar­rie­re. Jetzt aber un­ter­sucht der Ski­welt­ver­band Fis ei­nen Ver­stoß des 26-Jäh­ri­gen ge­gen die An­ti-Do­ping-Re­geln des Ver­ban­des. Wann er ei­ne Ent­schei­dung fällt, war am Frei­tag noch of­fen.

Fis-Renn­chef Mar­kus Wald­ner sag­te beim Tref­fen der Trai­ner am Abend vor dem Rie­sen­sla­lom am Sams­tag (10/13 Uhr) in Val d’Isè­re nur, dass es ei­ne Un­ter­su­chung ge­be und der be­trof­fe­ne Fah­rer bis zu ei­ner Ent­schei­dung an al­len Wett­kämp­fen teil­neh­men dür­fe.

Was ist pas­siert? Luitz hat­te zwi­schen den bei­den Durch­gän­gen am ver­gan­ge­nen Sonn­tag Sau­er­stoff durch ei­ne Mas­ke ein­ge­at­met und da­mit ge­gen das Re­gle­ment der Fis ver­sto­ßen. Das be­strei­tet auch nie­mand vom Deut­schen Ski­ver­band (DSV). „Wir ha­ben ei­nen Feh­ler ge­macht, da ste­hen wir auch da­zu. Weil wir nicht wuss­ten, dass die Fis ihr Re­gle­ment an den in­ter­na­tio­na­len Wada-Co­de nicht an­ge­passt hat“, sag­te der deut­sche Al­pin­chef Wolf­gang Mai­er.

Der Start in Bea­ver Creek im USBun­des­staat Co­lo­ra­do liegt mit 3152 Me­tern sehr hoch, ent­spre­chend dünn ist die Luft in den Ro­cky Moun­ta­ins. Sau­er­stoff hilft den Sport­lern. Für die Welt-An­tido­pinga­gen­tur (Wada) ist das le­gal, laut An­ti-Do­ping-Re­geln der Fis je­doch nicht. In dem Do­ku­ment mit Stand Ju­li 2016 steht auf Sei­te 13, dass es ver­bo­ten ist, Sau­er­stoff­fla­schen und ähn­li­ches Equip­ment an oder in die Wett­kampf­stät­te mit­zu­brin­gen und dort zu nut­zen. Ein Ver­stoß ha­be die au­to­ma­ti­sche Dis­qua­li­fi­ka­ti­on zu Fol­ge.

Al­ler­dings: Die Welt-An­ti-Do­ping-Agen­tur Wada er­laubt in ih­rer ak­tu­el­le­ren Lis­te der ver­bo­te­nen Sub­stan­zen und Me­tho­den aus die­sem Jahr das Ein­at­men von Sau­er- stoff ex­pli­zit. In die­sem Wis­sen hat­ten die deut­schen Be­treu­er Luitz den Sau­er­stoff ein­at­men las­sen – im Auf­ent­halts­be­reich der Ski­renn­fah­rer, sicht­bar für al­le Kon­kur­ren­ten.

Prof. Fritz Sör­gel, ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Do­ping­ex­per­ten Deutsch­lands, kann dar­über nur den Kopf schüt­teln. Sta­tu­ten und Re­geln nicht zu le­sen sei „ein­fach in­kom­pe­tent und un­pro­fes­sio­nell. Man kann es sich gar nicht vor­stel­len, dass es so et­was gibt.“In ei­ner Zeit, in der der Sport der­art im Schein­wer­fer­licht ste­he, sei so ein Feh­ler nicht nach­voll­zieh­bar.

Laut Sör­gel ge­be es auch an­de­re Sport­ar­ten, die in ih­ren An­ti-Do­ping-Re­geln über die Ver­bots­lis­te der Wada hin­aus­ge­hen. „Für den Sport­ler tut es mir leid. Aber Re­gel ist nun mal Re­gel. Und wenn wir die­se im­mer wei­ter un­ter­gra­ben, in­dem wir Aus­nah­men ma­chen, dann kön­nen wir gleich auf­ge­ben.“

Von Do­ping will er im Fall Luitz trotz­dem nicht spre­chen. „Zur Wir­kung des Sau­er­stoffs ist zu sa­gen, dass die­se bei Ge­sun­den schon im­mer sehr um­strit­ten und na­he am Pla­ce­bo­ef­fekt ist.“

Das ist auch Al­pin­chef Wolf­gang Mai­er wich­tig: „Wir ak­zep­tie­ren, wenn man sagt, wir ha­ben ei­nen Re­gel­ver­stoß ge­macht. Aber nicht, dass wir ge­dopt ha­ben. Wir be­trü­gen nicht.“(mit dpa)

Fo­to: Wit­ters

Da war die Welt noch in Ord­nung: Ste­fan Luitz nach sei­nem Sieg in Bea­ver Creek. Die­ser könn­te ihm nun wie­der ab­er­kannt wer­den.

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