Da­mit es nicht knallt

Sum­mer School 79 Teil­neh­mer und zwölf Do­zen­ten aus al­ler Welt dis­ku­tie­ren im Markt­ober­dor­fer Gym­na­si­um über Soft­ware-Sys­te­me. Pro­fes­sor An­dré Plat­zer be­schäf­tigt sich mit Sys­te­men, die Kol­li­sio­nen von Zü­gen ver­hin­dern

Allgäuer Zeitung (Marktoberdorfer Landbote) - - Marktoberdorf - VON LA­RIS­SA BENZ

Markt­ober­dorf Kol­li­die­ren zwei Zü­ge mit­ein­an­der, ist das oft ei­ne gro­ße Ka­ta­stro­phe. So wie im ver­gan­ge­nen Som­mer, als im ita­lie­ni­schen Ba­ri (Sü­dita­li­en) zwei Zü­ge auf ei­ner ein­glei­si­gen Stre­cke auf­ein­an­der­prall­ten. Über 20 Men­schen star­ben, es gab vie­le Ver­letz­te. Als Ur­sa­che stell­ten Ex­per­ten schnell ein ver­al­te­tes Si­gnal­sys­tem fest.

Um sol­che Ka­ta­stro­phen zu ver­hin­dern, gibt es auf vie­len Schnell­zugs­stre­cken in Eu­ro­pa aus­ge­tüf­tel­te Warn­sys­te­me, die dem Fah­rer Hin­der­nis­se si­gna­li­sie­ren und teil­wei­se ein­grei­fen. Sie sind mitt­ler­wei­le so kom­plex, dass sie auch an­fäl­lig sind für Feh­ler. Des­halb hat der deut­sche Pro­fes­sor An­dré Plat­zer ei­ne Soft­ware na­mens „KeY­ma­e­ra“ent­wi­ckelt, die das Funk­tio­nie­ren sol­cher Warn­sys­te­me über­prü­fen soll. Sie grei­fen nicht nur bei Zü­gen, son­dern auch bei Flug­zeu­gen oder selbst­fah­ren­den Au­tos.

Plat­zer ist ei­ner von zwölf Do­zen­ten der dies­jäh­ri­gen, 38. In­ter­na­tio­nal Sum­mer School in Markt­ober­dorf. „Ich war selbst vor zehn Jah­ren als Stu­dent hier, jetzt möch­te ich den Teil­neh­mern mein Wis­sen ver­mit­teln“, sagt er. Bei sei­ner ers­ten Teil­nah­me ha­be er die Mög­lich­keit sehr ge­nos­sen, die Do­zen­ten mit Fra­gen lö­chern zu kön­nen. Markt­ober­dorf hat mit der Sum­mer School bei ihm Spu­ren hin­ter­las­sen – das merkt man schnell, wenn man mit ihm über die Ver­an­stal­tung spricht. Schon da­mals hat sich Plat­zer mit der Ent­wick­lung von „KeY­ma­e­ra“be­schäf­tigt. Mitt­ler­wei­le ist er Pro­fes­sor an der re­nom­mier­ten Car­ne­gie Mel­lon-Pri­vat­uni­ver­si­tät (USA), ei­ner sei­ner Stu­den­ten ist bei der Sum­mer School da­bei.

In­ter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit

Sein stark pra­xis­be­zo­ge­nes For­schungs­feld hat ihm schon ei­ni­ge in­ter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit ein­ge­bracht. So wur­de Plat­zer im Jahr 2009 von ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Wis­sen­schafts-Ma­ga­zin zu ei­nem der zehn ein­fluss­reichs­ten Jung­for­scher der USA ge­wählt. Doch das ist kein Grund für den smar­ten Nord­deut­schen, ab­zu­he­ben. Zehn St­un­den sei er mit dem Zug nach Markt­ober­dorf ge­fah­ren. „Wäh­rend­des­sen ha­be ich an mei­nem Sys­tem ge­ar­bei­tet, Zü­ge si­che­rer zu ma­chen. Das nen­ne ich doch mal Pra­xis­be­zug“, sagt der End­drei­ßi­ger und lacht.

Noch bis zum 12. Au­gust sind die in­ter­na­tio­na­len Do­zen­ten und 79 Stu­den­ten, die meis­ten von ihnen Pro­mo­vie­ren­de, in Markt­ober­dorf zu Gast. Sie wur­den durch ein stren­ges Be­wer­bungs­ver­fah­ren aus­ge­wählt. Die wei­tes­te An­rei­se ein Teil­neh­mer aus In­di­en hin­ter sich.

Zum wie­der­hol­ten Ma­le hat Pro­fes­sor To­bi­as Nip­kow von der

Zah­len: Die­ses Jahr gibt es 79 Teil neh­mer aus 22 Län­dern. Da­zu kom men zwölf Do­zen­ten aus sechs Län­dern (u.a. Deutsch­land, Is­ra­el, USA). 15 der 79 Teil­neh­mer sind weib­lich.

Ge­schich­te: 1975 hat­ten die In­for ma­ti­ker der „Sum­mer School“auf Initia­ti­ve des da­ma­li­gen Rek­tors des Gym­na­si­ums, Karl Wein­hart, in Markt­ober­dorf ge­tagt. Zu­nächst al­le Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen die Ver­an­stal­tung or­ga­ni­siert. Er be­grüß­te die Teil­neh­mer bei der Auf­takt­ver­an­stal­tung mit den „gol­hat zwei Jahre, tref­fen sich die Wis­sen schaft­ler seit 1989 hier je­des Jahr.

Fi­nan­zie­rung: Haupt­spon­sor der Sum­mer School ist das NATO Pro gramm „Wis­sen­schaft für Frie­den und Si­cher­heit“.

Ablauf: Die Sum­mer School be­steht aus Vor­le­sun­gen und Übun­gen. Un ter­ge­bracht sind die Teil­neh­mer im In ter­nat des Gym­na­si­ums. (lb) de­nen Re­geln“des In­for­ma­ti­kerTref­fens. Dar­un­ter zählt un­ter an­de­rem das ak­ti­ve Mit­ma­chen an den Ver­an­stal­tun­gen, was Nip­kow et­was iro­nisch mit den Wor­ten kom­men­tier­te: „Trinkt auch mal ein re­gio­na­les Bier.“Das Frei­zeit­pro­gramm sieht un­ter an­de­rem ei­nen Grill­abend und das schon tra­di­tio­nel­le Fuß­ball­tur­nier vor.

An­dré Plat­zer wird in sei­nen Vor­le­sun­gen den Stu­den­ten sei­ne Soft­ware „KeY­ma­e­ra“vor­stel­len. Da­mit schließt sich für ihn der Kreis mit der Markt­ober­dor­fer Sum­mer School. „Ich möch­te den Stu­den­ten den Aus­tausch er­mög­li­chen, den ich da­mals hier als sehr hilf­reich emp­fun­den ha­be“, sagt er.

Die Sum­mer School Markt­ober­dorf

Fo­to: Ma­ri­jan Mu­rat/dpa

Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­ge (wie hier ein TGV und ein ICE) sind mitt­ler­wei­le mit kom­ple­xen Warn­sys­te­men aus­ge­stat­tet, um Kol­li­sio­nen zu ver­mei­den. Dass die­se Sys­te­me funk­tio­nie­ren, da­für sorgt un­ter an­de­rem ei­ne Soft­ware von Pro­fes­sor An­dré Plat­zer, Do­zent an der Sum­mer School Markt­ober­dorf.

An­dré Plat­zer

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