„Oh­ne tech­ni­schen Schutz geht’s nicht“

Nach dem Bal­der­schwan­ger Un­glück fa­vo­ri­siert der Ober­all­gäu­er Land­rat Klotz Holz­bö­cke, zwi­schen de­nen der Wald wach­sen kann

Allgäuer Zeitung (Marktoberdorfer Landbote) - - Allgäu-rundschau - VON UL­RICH WEI­GEL

Bal­der­schwang Oh­ne tech­ni­schen La­wi­nen­schutz wird Bal­der­schwang die nächs­ten Jahr­zehn­te nicht aus­kom­men: Das sagt der Ober­all­gäu­er Land­rat An­ton Klotz. Oh­ne ei­ne sol­che Si­che­rung kön­ne man ei­nen Neu­bau des vor zwei Wo­chen zer­stör­ten Ho­tel­ge­bäu­des wohl kaum ge­neh­mi­gen. Und oh­ne Schutz, ist sich Klotz si­cher, wür­de auch der Ho­tel­be­trei­ber kaum neu bau­en wol­len.

Letzt­lich ge­he es da­bei aber nicht al­lein ums Ho­tel Hu­ber­tus, son­dern um Si­cher­heit für den gan­zen Ort – Häu­ser, We­ge und Stra­ße, be­tont Klotz. Er er­gänzt: „Wä­re dort nicht das nun zer­stör­te Well­ness­ge­bäu­de ge­stan­den, hät­te die La­wi­ne auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te das Haus von Feu­er­wehr und Berg­wacht ge­trof­fen.“Die Wucht der Schnee­mas­sen sei je­den­falls so groß ge­we­sen, dass man ei­ne Be­ton­mau­er mit zwei Me­tern Durch­mes­ser be­nö­tigt hät­te, um die La­wi­ne auf­zu­hal­ten, hat er von ei­nem Sta­ti­ker er­fah­ren.

Soll drei Jahr­zehn­te hal­ten

So et­was will na­tür­lich nie­mand in der Land­schaft ste­hen ha­ben. Als Lö­sung fa­vo­ri­siert der Land­rat ei­nen La­wi­nen­schutz mit Holz­bö­cken. Der muss dann et­wa drei Jahr­zehn­te hal­ten – eben bis die da­zwi- schen ge­pflanz­ten Bäum­chen zu ei­nem Wald her­an­ge­wach­sen sind. Und da­zu müs­se dann auch die Jagd mit ins Boot. Nächs­ter Schritt sei, erst ein­mal mit den Grund­ei­gen­tü­mern ei­ne Lö­sung zu fin­den, auf de­ren Flä­chen der La­wi­nen­schutz ent­ste­hen soll.

Wur­de das The­ma La­wi­ne bei der da­ma­li­gen Bau­ge­neh­mi­gung für den (jetzt zer­stör­ten) Well­ness­be­reich des Ho­tels Hu­ber­tus ver­ges­sen oder aus­ge­blen­det? Nein, heißt es im Land­rats­amt. Beim Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ha­be man we­gen mög­li­cher Ge­fah­ren das Was­ser­wirt­schafts­amt Kemp­ten be­tei­ligt. Das wie­der­um nahm Kon­takt mit der La­wi­nen­warn­zen­tra­le auf und ver­wies auf ei­ne Stel­lung­nah­me der Warn­zen­tra­le aus dem Jahr 2001: Ei­ne Ge­fähr­dung des Ho­tel­kom­ple­xes durch La­wi­nen kann nicht gänz­lich aus­ge­schlos­sen wer­den.

Per­so­nen­scha­den aus­schlie­ßen

Des­halb soll­ten bau­tech­ni­sche Vor­keh­run­gen das Ri­si­ko ei­nes Per­so­nen­scha­dens weit­ge­hend aus­schlie­ßen. Da­zu er­hielt die Bau­ge­neh­mi­gung dann Auf­la­gen. Bei­spiels­wei­se muss­ten die Fens­ter­flä­chen auf der Nord­sei­te so ge­stal­tet wer­den, dass sie min­des­tens ei­ne Druck­be­las­tung von 500 Ki­lo­gramm pro Qua­drat­me­ter aus­hal­ten.

Und es durf­ten la­wi­nen­sei­tig (al­so an der dem Hang zu­ge­wand­ten Sei­te) kei­ne im Win­ter er­for­der­li­chen Ge­bäu­de­zu­gän­ge vor­han­den sein – bei­spiels­wei­se not­wen­di­ge Ret­tungs­we­ge. Wei­te­re Auf­la­ge war, dass die ober­ir­di­schen Park­plät­ze nur im Schutz der Ge­bäu­de lie­gen dür­fen.

Ar­chiv­fo­to: Ben­ja­min Liss

Wie kann sich Bal­der­schwang künf­tig vor La­wi­nen schüt­zen? Die­se Fra­ge be­schäf­tigt ak­tu­ell Be­woh­ner des Ober­all­gäu­er Dor­fes und Po­li­ti­ker. Vor ei­ner Wo­che war auf der Nord­sei­te des Ta­les ein Schnee­brett ab­ge­gan­gen und hat den Well­ness-Be­reich des Ho­tels Hu­ber­tus zer­stört.

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