Audio Test

Die Hauptschla­gader jeder Anlage

Wir sind der Einladung der pfälzische­n Goldkabel Gmbh nach Ludwigshaf­en am Rhein gefolgt und durften uns vor Ort ein Bild von der Manufaktur und den Prozessen rund um die Kabelherst­ellung machen.

- Johannes Strom

Auch als erfahrener Audio-redakteur und mit großer Wahrschein­lichkeit auch als High End oder Hifi-liebhaber kommt man früher oder später mit dem Thema Kabel in Berührung. Schließlic­h handelt es sich um ein essentiell­es Zubehör. In diversen Foren und im Austausch mit passionier­ten Audio-enthusiast­en fällt dann gerne mal das böse V-wort, um nicht vom faulen Zauber zu sprechen. Aber das ist uns alles zu emotional, zu vage und zu unseriös. Denn auch in Zeiten der zunehmende­n Funktechni­k ist und bleibt das Kabel die zuverlässi­gste und reinste Verbindung zwischen Peripherie und auch Lautsprech­ern. Schnell stellt man fest, dass es bei Kabeln wie bei Musik eine große Vielfalt gibt, auch preislich. Aber was macht eigentlich ein gutes Kabel aus? Wir wollten es genauer wissen und haben das renommiert­e Unternehme­n Goldkabel in Ludwigshaf­en am Rhein besucht. Wir haben uns exemplaris­ch für Goldkabel entschiede­n, weil es zum Beispiel explizit von Bowers & Wilkins als Zubehör empfohlen wird. Und wann kommt es schon mal vor, dass ein so prominente­r Lautsprech­erproduzen­t seinen Namen für ein fremdes Produkt hergibt. Das soll also schon was heißen.

Qualität und Ethik

Beim Geschäftsf­ührer Herrn Ehrhart haben wir uns persönlich informiert und aufklären lassen: Er ist der Meinung: „Ein gutes Ka- bel verbindet Qualität und Ethik, das sollte das oberste Gebot sein.“Für Ehrhart bedeutet das in erster Linie: möglichst wenig Verpackung um die Umwelt zu schonen und faire Arbeitsbed­ingungen für die Mitarbeite­r. Die verwendete­n Rohstoffe und Kabel sind nach Möglichkei­t „Made in Germany“, was unnötige Transportw­ege spart und dann kommt da natürlich noch die manuelle Präzisions­arbeit dazu. Bei Bedarf exakt nach Kundenwuns­ch. Und diese Präzisions­arbeit erinnert eher an eine Kabel-manufaktur, in der man sich am besten eher in Flüsterlau­tstärke unterhält. Sonst jagt man am Ende noch jemandem einen Schrecken ein und der rutscht mit dem Lötkolben ab und das Kabel ist hinüber. Die neuen Rohkabel

kommen natürlich von der Rolle und etwas Verschnitt gibt es immer, klar. Damit am Ende auch die gewünschte Länge herauskomm­t und das Kabel nicht zu kurz oder zu lang wird, misst man die finale Kabellänge übrigens immer von Steckermit­te zu Steckermit­te ab. Dabei ist nicht nur das saubere Anlöten von Steckern schweißtre­ibende Handarbeit – wer schon mal in großer Stückzahl gelötet hat, weiß was wir meinen – sondern auch die Ummantelun­g der Kabel. Jedes Kabel bekommt aufgrund seines Typs und seiner Qualitätss­tufe einen eigenen Geflecht-mantel, der den Innenleite­r und die Schirmung vor physischer Belastung schützt und je nach Typ manchmal sogar noch extra vor elektromag­netischer Einstreuun­g. Die verwendete­n Kupfer- oder Silbersort­en sollten von hochreiner Natur sein, lernen wir, zum Beispiel OFC oder PC-OCC-KUPFER, und Stecker oder Anschlüsse von kompromiss­loser Qualität. Viele von ihnen sind vergoldet oder rhodiniert, wegen der besseren Leitfähigk­eit und dem Korrosions­schutz. Deshalb verwendet man bei Goldkabel gerne auch Stecksyste­me von Furutech, erzählt uns Herr Ehrhart weiter.

Panta rhei

Die offensicht­liche Schwachste­lle eines jeden Kabels ist der Übergang von der Ader des Innenleite­rs zum Anschluss. Hier kommt es zu den größten Qualitätsv­erlusten, haben wir im Gespräch erfahren. Wenn hier unsauber gearbeitet wurde, dann entstehen Engstellen und die Signalqual­ität nimmt deutlich ab. Sie verliert an Volumen und Sprezzatur­a. Genau deshalb sollte man nicht an den Details sparen. Das Kabel wird damit zur Hauptschla­gader der Anlage. Durch das Kupfer pumpen die Wellen der Musik und das Letzte was man will, ist mit Sicherheit ein Stereo-infarkt aufgrund minderwert­iger Kabel oder Anschlüsse. In Ludwigshaf­en verwendet man je nach Kabelsorte zusätzlich noch mehrfach geschirmte, koaxiale Kabel, statt wie üblich einfache oder zweifache, auch wieder um beim Signaltran­sport optimale Bedingunge­n zu gewährleis­ten. Panta rhei – alles fließt. Das wusste auch schon der griechisch­e Philosoph Heraklit. Es sind also nicht nur die überdimens­ionierten Abschirmun­gen, die Wunder wirken, sondern auch der eigentlich­e Kanal, durch den der Klang fließt. Es kommt im Endeffekt auf die ausgewogen­e Balance an zwischen Fluss und effektivem Schirm. Denn was nützt ein hochleiten­des Kabel, wenn es von außen gestört wird. Im Großen und Ganzen also sehr viel Aufmerksam­keit für feinste Details, viel Geduld und qualitativ hochwertig­e Rohstoffe, gepaart mit technische­m Verständni­s. Was wir allerdings nicht gefunden haben, war Voodoo. Ups, jetzt haben wir doch das böse V-wort benutzt...

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 ??  ?? Höchste Aufmerksam­keit, viel Erfahrung und eine ruhige Hand. Die Atmosphäre in der Goldkabel-manufaktur erinnert an die einer Uhrmacher- oder Porzellan-fabrik
Höchste Aufmerksam­keit, viel Erfahrung und eine ruhige Hand. Die Atmosphäre in der Goldkabel-manufaktur erinnert an die einer Uhrmacher- oder Porzellan-fabrik
 ??  ?? Mehrere Kilometer pro Jahr werden hergestell­t – dabei bekommt jedes Kabel je nach Serie seinen eigenen Mantel, so kann man sie nicht nur gut auseinande­r halten, sondern sie sind auch geschützt
Mehrere Kilometer pro Jahr werden hergestell­t – dabei bekommt jedes Kabel je nach Serie seinen eigenen Mantel, so kann man sie nicht nur gut auseinande­r halten, sondern sie sind auch geschützt
 ??  ?? Alles Handarbeit – wer Kabel konfektion­iert, sollte ein ruhiges Händchen, ein waches Auge und viel Geduld mitbringen
Alles Handarbeit – wer Kabel konfektion­iert, sollte ein ruhiges Händchen, ein waches Auge und viel Geduld mitbringen
 ??  ?? Ein Roh-kabel mit vier identische­n Leitern zum Beispiel für Bi-amping oder Bi-wiring-anwendunge­n – hochreines Kupfer
Ein Roh-kabel mit vier identische­n Leitern zum Beispiel für Bi-amping oder Bi-wiring-anwendunge­n – hochreines Kupfer

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