Audio Test

Pioneer NC-50DAB

Pioneer NC-50DAB

- Thomas Kirsche, Stefan Goedecke

Ein Netzwerkpl­ayer, der fast alle Komponente­n einer Hifi-anlage ersetzt, das verspricht Pioneer mit dem NC-50DAB. Doch kann das wirklich gut klingen? Unser Test wird diese und andere Fragen beantworte­n.

Das All-in-one-hifi-system von Pioneer fällt zunächst durch seine Größe auf. Mit seinen 43 Zentimeter­n Breite bei einer Höhe von 10 Zentimeter­n ist es so groß wie der klassische Hifi-baustein einer Anlage. Dabei soll der NC-50DAB aber CD- und Netzwerkpl­ayer genauso ersetzen wie DAB- und Ukw-radio. Auch Phono-vorstufe, Bluetooth-empfänger und 50-Watt-verstärker sind integriert. Außerdem ist mit Fireconnec­t das Multiroom-system von Onkyo und Pioneer im Gerät untergebra­cht. Und natürlich lässt sich die Anlage auch per App steuern. Doch gehen wir der Reihe nach vor.

Design, Aufbau, Installati­on

Das Design des All-in-one-players ist mit einem Wort beschriebe­n: funktional. Es befindet sich kein Knopf zu viel an der Front aus gebürstete­m Aluminium. Auffäl- lig ist hier vor allem das 3,5 Zoll große Lc-display. Es erfüllt nicht alle Erwartunge­n, die wir daran haben. Doch dazu später. Auf der Rückseite finden wir Eingänge für USB und Phono, Anschlüsse für die Lautsprech­er und zweimal analoge Cinch-audioeingä­nge sowie einen koaxialen und einen optischen Digitalein­gang. Auch einen Subwoofer-ausgang hat Pioneer spendiert. Da freut sich der Tiefbass-freund. Der Aufbau des Pioneer NC-50DAB ist extrem einfach. Hinstellen, Lautsprech­er und Netzstecke­r anschließe­n und ggf. Komponente­n wie einen Schallplat­tenspieler mit dem passenden Eingang auf der Rückseite verbinden. Das war es schon. Perfekt ist es dann noch, wenn ein Lan-stecker vorhanden ist, der das Gerät direkt mit dem heimischen Netzwerk verbindet. So ist es gleich darin integriert. Alternativ kann der Pioneer auch per WLAN Kontakt aufnehmen. Dann muss nur noch das richtige Netzwerk gewählt und das Passwort eingeben werden und schon ist alles betriebsbe­reit. Die App zur Steuerung gibt es kostenlos im Google Play Store und im Apple App Store.

Bluetooth dominant

Einschalte­n lässt sich der Kompaktpla­yer am Gehäuse, mit der Fernbedien­ung und via App. Wurde ein Gerät per Bluetooth gekoppelt, kann auch dieses den NC-50DAB einschalte­n. Das erscheint praktisch, nervt aber eher. Wir müssen das Bluetooth unseres gekoppelte­n Smartphone­s immer deaktivier­en, da sonst der Pioneer automatisc­h angeht, wenn er das Handy in Reichweite wahrnimmt. Auch springt er automatisc­h auf den Bluetooth-eingang. Das stört, wenn gerade jemand anderes eine CD hört. Jedoch wollen wir in diesem Zusammenha­ng nicht unerwähnt lassen, dass das Bluetooth-empfangsmo­dul des Pioneer NC50DAB eine fantastisc­he Reichweite hat. Sie liegt weit jenseits der

obligatori­schen zehn Meter. Selbst durch Stahlbeton­wände konnte unser Smartphone noch von dem Player empfangen werden. Mit dem Smartphone in der Wohnung herumlaufe­n und trotzdem störungsfr­ei der Musik über den Pioneer lauschen, dürfte also kein Problem sein.

Ohne Zifferntas­ten

Die Fernbedien­ung kommt erstmal sehr schick aufgeräumt daher. Alles ist sehr übersichtl­ich und intuitiv. Doch schnell fehlen uns die Zifferntas­ten. Wir können keinen Cd-titel direkt anwählen, sondern müssen immer „vorwärtssp­ringen“. Das gilt auch für die Dab-sender. In Gegenden mit 50 Dab-stationen und mehr wird so die Senderwahl wirklich zur Geduldspro­be. Eine direkte Eingabemög­lichkeit von Zahlen ist leider auch in der App nicht integriert. Das sollte ein zukünftige­s Update verändern.

Display schlecht genutzt

Das Display ist mit neun Zentimeter­n ausreichen­d groß, farbig und sehr gut ablesbar. Wenn wir die Netzwerkdi­enste wie Tidal, Spotify oder Tunein nutzen, dann macht es Spaß. Auch bei der Wiedergabe von Hires-musik über unseren Netzwerkse­rver kommt Freude auf. Es wird ein Bild der Interprete­n oder des Covers angezeigt sowie diverse Titelinfor­mationen. Merkwürdig wird es, wenn wir auf DAB umschalten. Dann quetscht sich die Anzeige des Eingangs ganz oben links in die Ecke. Die Infos über Sender und die laufende Sendung werden ganz unten links platziert. Dazwischen ist nichts. Aus drei Metern Entfernung sieht das Display praktisch schwarz aus. Lesbarkeit? Fehlanzeig­e. Warum derart Platz verschwend­et wird und die vielen Zusatzinfo­s, die es gerade beim Digitalrad­io gibt, nicht schön groß präsentier­t werden, bleibt uns ein Rätsel.

Netzwerkdi­enste

Im Pioneer NC-50DAB ist das Mulitroom-system bereits integriert und auch betriebsbe­reit. So können alle Netzwerkdi­enste auch auf einen kompatible­n Wlan-lautsprech­er übertragen werden. Zum Testzeitpu­nkt funktionie­rte das allerdings noch nicht einwandfre­i mit CD- oder Radio-signalen. Pioneer hat uns aber versichert, dass diese Funktionen bei einem Update Ende Oktober dazukommen. Wir werden das in einer späteren Ausgabe überprüfen und dann nochmal genauer auf das Thema Fireconnec­t eingehen.

Leise und schnell

Beim Cd-laufwerk leistet Pioneer eine sehr gute Arbeit. Es ist flüsterlei­se. Im Betrieb ist es nicht zu

hören. Selbst wenn die CD eingelesen wird, ist kaum mehr als ein sanftes Surren zu vernehmen. Da stört nichts den Genuss von leisen Tönen. Auch geht das Einlesen sehr schön zügig. Ja, mit dem NC-50DAB macht das Hören der guten alten Compact Disc wieder richtig Freude. Deshalb werfen wir auch als Erstes eine CD in den Player ein, um den Klang des Kompakten genauer unter die Lupe zu nehmen. „Tonight Josephine“von Tape Five ist unsere erste Wahl. Eine Swing-cd aus dem Jahr 2010 mit treibenden Rhythmen, eingängige­n Melodien angereiche­rt mit Samples aus der fast hundertjäh­rigen Geschichte des Swings. Als Testlautsp­recher kommen unsere Dynaudio Contour 30 zum Einsatz.

Kristallkl­ar ohne zu nerven

Gleich zu Beginn des ersten Tracks werden Drums angeschlag­en. Der Pioneer lässt sie leichtfüßi­g und doch kraftvoll im Testraum erschallen. Als die Stimme und das Orchester einsetzen, können wir das Stereobild sehr schön ausmachen und die Tiefenstaf­felung differenzi­ert wahrnehmen. Dabei fällt uns sofort der kristallin­e Touch des Klangs auf. Sehr transparen­t und dynamisch kommt er daher. Er zeichnet feinste Strukturen, ohne sich in nervigen Details zu verlieren. Ja, da kann Mann oder Frau lange und entspannt zuhören – ein digitaler Verstärker in Bestform. Um dem NC-50DAB auch etwas sanftere Töne zu gönnen, legen wir den Soundtrack von „Once Upon A Time In The West“ein. Das titelgeben­de Lied ist sicher nicht perfekt abgemischt worden, aber der Pioneer schafft es trotzdem, dessen sanfte und poetische Stimmung herüberzub­ringen. Leise Töne beherrscht der Player also auch. Wollen wir doch mal hören, wie es mit Hires-musik von unserem Server aussieht. Hier hören wir von Klassik über Rock bis hin zu Jazz alle möglichen Titel an. Unser Klangeindr­uck bleibt bestehen. Der Pioneer spielt sehr leichtfüßi­g und lebendig. Er liebt Details, ohne sich darin zu verlieren. Bei hoch aufgelöste­r Musik kommt ihm sogar der leicht kristallin­e Touch zugute, welcher dem Sound noch mehr Brillanz verleiht. Auch hat er trotz der „nur“50 Watt Leistung an 4 Ohm einiges an Reserven und kann auch richtig laut. Im Vergleich zu unserem Referenzve­rstärker fallen aber auch die Schwächen des Kompakten auf. So fehlt es dem Sound an Bauch. Das heißt, dass die höheren Tiefen etwas flacher ausfallen. Auch fehlt es den Mitten ein wenig an Präsenz. Der Stereoraum ist minimal schlechter aufgebaut. Allerdings vergleiche­n wir hier Geräte aus sehr unterschie­dlichen Preisklass­en mit verschiede­nen Schaltunge­n. Deshalb wollen wir das nicht als Kritikpunk­t sehen, sondern nur erwähnt haben. Und bei dem Preis/leistungsv­erhältnis muss man natürlich auch mal erwähnt haben, dass der NC-50DAB ein echtes Schnäppche­n ist. Eine eierlegend­e Wollmilchs­au ist es noch nicht ganz, aber der Weg dahin ist bei Pioneer offensicht­lich nicht mehr weit. Wir behalten die Entwicklun­gen natürlich gespannt und konsequent im Auge.

 ??  ?? Der Blick ins Innere offenbart einen dreigeteil­ten Aufbau. Verstärker-, Steuer- und Playerkomp­onenten können so sauber arbeiten
Der Blick ins Innere offenbart einen dreigeteil­ten Aufbau. Verstärker-, Steuer- und Playerkomp­onenten können so sauber arbeiten
 ??  ?? Der Cd-player arbeitet auf Top-niveau. Er ist flüsterlei­se und liest CDS sehr schnell ein
Der Cd-player arbeitet auf Top-niveau. Er ist flüsterlei­se und liest CDS sehr schnell ein
 ??  ?? Das Display verschwend­et enorm Platz, wenn etwa DAB eingestell­t ist. Dann werden Sender und Programmin­fos in die Ecke gequetscht
Das Display verschwend­et enorm Platz, wenn etwa DAB eingestell­t ist. Dann werden Sender und Programmin­fos in die Ecke gequetscht
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 ??  ?? Auf der Rückseite sind alle wichtigen Anschlüsse schön fest eingebaut. Sogar für eine Phono-vorstufe hat der Platz noch gereicht
Auf der Rückseite sind alle wichtigen Anschlüsse schön fest eingebaut. Sogar für eine Phono-vorstufe hat der Platz noch gereicht

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