Zen-hei­ser HD 660 S

Die Fir­ma Senn­hei­ser ist seit vie­len Jah­ren ein Ga­rant für ab­so­lut hoch­wer­ti­ge Au­dio­tech­nik. So­wohl im Pro­fi-, als auch im Heim­an­wen­der­be­reich. Ob der Kopf­hö­rer HD 660 S den ex­trem ho­hen An­sprü­chen ge­recht wer­den kann?

Audio Test - - Test - Alex Rö­ser, Stefan Go­e­de­cke

Die Fir­ma Senn­hei­ser elec­tro­nic Gm­bh & Co. KG ge­hört welt­weit zu den pro­mi­nen­tes­ten Her­stel­lern an­spruchs­vol­ler Au­dio­tech­nik. So zäh­len zum Bei­spiel Welt­stars wie Dra­ke, Sting oder Bru­no Mars bei ih­ren Büh­nen­shows auf die draht­lo­sen Mi­kro­fon­sys­te­me aus We­de­mark. Im Stu­dio­be­trieb ha­ben vor al­lem die dy­na­mi­schen Mi­kro­fo­ne MD-441 und MD-421 ei­nen Kult­sta­tus in­ne. So­gar ei­nen Os­car ge­wann Fir­men­grün­der Pro­fes­sor Dr. Fritz Senn­hei­ser be­reits. Dies ge­schah 1987, als das da­mals neu ent­wi­ckel­te Rohr­richt­mi­kro­fon MKH 816 den Markt er­ober­te. Seit der Grün­dung des La­bo­ra­to­ri­um Wen­ne­bos­tel im Jahr 1945 durch den 2010 ver­stor­be­nen Senn­hei­ser Se­ni­or fo­kus­sier­te sich das Un­ter­neh­men vor al­lem auf die Fer­ti­gung von Röh­ren­volt­me­tern und an­de­ren Mess­an­la­gen. Je­doch be­fass­ten sich die Nie­der­sach­sen zu­neh­mend mit der Her­stel­lung von Mi­kro­fo­nen. So wur­de 1957 in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Nord­deut­schen Rund­funk ei­ne draht­lo­se Über­tra­gungs­an­la­ge für Mi­kro­fo­ne im Büh­nen­be­trieb ent­wi­ckelt - zu dem Zeit­punkt be­reits un­ter dem Fa­mi­li­en­na­men des Chef­ent­wick­lers. Mitt­ler­wei­le ist Senn­hei­ser, ne­ben sei­ner Tä­tig­keit im Pro-au­dio-be­reich, schon lan­ge auch in der Heim­an­wen­dung sehr ge­fragt. Der 1968 vor­ge­stell­te Kopf­hö­rer HD 414 gilt als der welt­weit ers­te Kopf­hö­rer in of­fe­ner Bau­wei­se und ist noch im­mer der meist­ver­kauf­te Kopf­hö­rer al­ler Zei­ten. Zu­letzt wur­de der ka­bel­lo­se Noi­se-can­ce­ling-kopf­hö­rer PXC 550 von der Fach­pres­se mit Wor­ten des Lo­bes über­häuft und er­hielt auch in der AU­DIO TEST mit 85 Pro­zent das Sie­gel „Sehr Gut“(sie­he Ausgabe 07/18). Tat­säch­lich ist man bei Senn­hei­ser mitt­ler­wei­le ob der zahl­rei­chen Aus­zeich­nun­gen an po­si­ti­ve Re­so­nanz auf die ei­ge­ne Ar­beit ge­wöhnt. Das pro­vo­ziert al­ler­dings auch ei­nen sehr ho­hen An­spruch sei­tens der Kun­den und Test­hö­rer. Für die ak­tu­el­le Ausgabe der AU­DIO TEST stellt uns Senn­hei­ser sei­nen neus­ten, of­fe­nen Over-ear­kopf­hö­rer HD 660 S zur Ver­fü­gung. Auch der wur­de be­reits mit ei­ner Ho­no­ra­ti­on de­ko­riert. Und zwar ver­sah ihn die Ex­pert Ima­ging and Sound As­so­cia­ti­on (EISA), wel­che mit 55 Fach­zeit­schrif­ten aus 29 Na­tio­nen ei­ne in­ter­na­tio­na­le Fach­ge­mein­schaft im Seg­ment der Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik dar­stellt, mit dem EISA Award für den bes­ten Kopf­hö­rer der lau­fen­den Sai­son 2018/2019. Mit ei­nem Markt­wert von 499 Eu­ro ist der HD 660 S in der preis­li­chen Mit­tel­klas­se zu ver­or­ten. Senn­hei­sers Hd-rei­he um­fasst üb­ri­gens Ge­rä­te al­ler Preis­klas­sen und gilt im Be­reich Kopf­hö­rer als die be­lieb­tes­te Ge­rä­te-kol­lek­ti­on des Un­ter­neh­mens. Der HD 660 S ist der Nach­fol­ger des äu­ßerst er­folg­rei­chen HD 650, wel­cher noch im­mer von Senn­hei­ser ver­trie­ben wird. Er­neu­ert hat man im Ver­gleich zum HD 650 vor al­lem das Schall­wand­ler­sys­tem. Die­se

ver­fü­gen beim HD 660 S über neue Schwings­pu­len aus ex­trem leich­ten Alu­mi­ni­um. Des Wei­te­ren wird durch fei­ne Edel­stahl-ge­we­be ei­ne ver­bes­ser­te Kon­trol­le der Mem­bran be­werk­stel­ligt. Au­ßer­dem eig­net sich der HD 660 S we­gen sei­ner im Ver­gleich zum Vor­gän­ger we­sent­lich ge­rin­ge­ren Im­pe­danz von 150 Ohm bes­ser für die Ver­bin­dung mit di­ver­sen Zu­spie­lern, wie et­wa auch mo­bi­len High-res-play­ern.

Kom­fort und Kom­pe­tenz

Aus­ge­lie­fert wird der HD 660 S in ei­nem klei­nen Köf­fer­chen, wor­in sich auch ein ver­schie­de­ne Ad­ap­ter be­fin­den. So­mit lässt sich der Kopf­hö­rer mit prak­tisch je­der Si­gnal­quel­le kop­peln. Das De­sign des Test­mus­ters ent­spricht der Form­spra­che, wel­che Senn­hei­ser auch bei vie­len an­de­ren Kopf­hö­rern an­wen­det. Die ge­neig­ten el­lip­ti­schen Hör­mu­scheln ge­währ­leis­ten ei­nen be­que­men Halt und um­schlie­ßen das Ohr auf ei­ne an­ge­nehm na­tür­li­che Wei­se. Die Ohr­pols­ter las­sen sich aus­tau­schen und bie­ten mit ge­pols­ter­tem Bü­gel ei­nen her­vor­ra­gen­den Tra­ge­kom­fort. Auch nach meh­re­ren St­un­den sitzt der Kopf­hö­rer mit sei­nem Ge­wicht von 260 Gramm noch sehr be­quem. Wie auch der HD 650 ist auch un­ser Test­mus­ter von of­fe­ner Bau­wei­se, was auf ei­ne sehr räum­li­che und aus­ge­wo­ge­ne Wie­der­ga­be hof­fen lässt.

Im Klang-zen

Wir ha­ben den Senn­hei­ser HD 660 S über meh­re­re Ta­ge tes­ten kön­nen und ihn ne­ben der Wie­der­ga­be ei­ni­ger Re­fe­renz­ti­tel auch im Stu­dio­kon­text aus­pro­biert. Hier­bei be­weist Senn­hei­ser wie­der­mal, dass es zwi­schen Pro-au­dio und Heim­an­wen­dung kei­ne har­ten Gren­zen ge­ben muss. Bei der Auf­nah­me von Strei­chern zeigt sich un­ser Prüf­ling wun­der­bar ehr­lich und hoch­auf­lö­send, wäh­rend er bei Schlag­zeug-auf­nah­men auch über­aus kräf­tig und mit gro­ßer Im­pul­streue auf­zu­tre­ten weiß. Die Raum­wie­der­ga­be durch den HD 660 S pas­siert mit ei­ner fa­bel­haf­ten Prä­zi­si­on, ei­ne Po­si­tio­nie­rung kann ge­fühlt mil­li­me­ter­ge­nau vor­ge­nom­men wer­den. Durch den be­ein­dru­cken­den Fre­quenz­gang von 10 Hertz (Hz) bis 41 000 Hz kommt kein Teil des Spek­trums zu kurz und durch die of­fe­ne Bau­wei­se bleibt das Klang­bild stets luf­tig und er­scheint auch bei ho­her spek­tra­ler Be­an­spru­chung nie über­füllt. Trotz des ho­hen Ma­ßes an ana­ly­ti­scher Kom­pe­tenz man­gelt es dem Kopf­hö­rer bei der Wie­der­ga­be von bei­spiels­wei­se Rach­ma­ni­n­offs drit­ter Sin­fo­nie in A-moll nie an Le­ben­dig­keit. Or­ga­nisch schmei­cheln die Strei­cher dem Ge­hör, das ge­sam­te En­sem­ble strahlt weit, als sä­ße man mit dem Lon­do­ner Phil­har­mo­nia Orches­tra ge­mein­sam im Kon­zert­saal. Auch deut­lich kom­pak­te­re Pro­duk­tio­nen, wie et­wa Da­vid Bo­wies „Gol­den Ye­ars“vom 1976 er­schie­ne­nen Al­bum „Sta­ti­on To Sta­ti­on“klingt wun­der­bar far­ben­froh und räum­lich. Klar um­ris­se­ne Bäs­se stüt­zen hier fein ge­zeich­ne­te Mit­ten, wel­che der Wie­der­ga­be zu ih­rer enor­men Strahl­kraft ver­hel­fen. Wer zu Weih­nach­ten über die An­schaf­fung ei­nes wirk­lich High-end-taug­li­chen Kopf­hö­rers nach­denkt ist durch­aus gut be­ra­ten, sich beim Fach­händ­ler mal den Senn­hei­ser HD 660 S vor­stel­len zu las­sen. Wir sind auf je­den Fall ab­so­lut über­zeugt!

FA­ZIT

Senn­hei­ser er­weist sich mit dem of­fe­nen Kopf­hö­rer HD 660 S mal wie­der als ab­so­lu­te Top-adres­se in Sa­chen trag­ba­rer Schall­wand­ler. Der Nach­fol­ger des HD 650 bril­liert durch ein wun­der­voll aus­ge­wo­ge­nes Klang­bild, wel­ches er sehr luf­tig wie­der­zu­ge­ben weiß. So­wohl als Stu­dio-ab­hö­re als auch zum kon­tem­pla­ti­ven Hin­ge­ben sei­ner Lieb­lings­ti­tel qua­li­fi­ziert sich der Kopf­hö­rer als ech­tes Klang­wun­der. Wo­bei es kaum ver­wun­der­lich ist, dass ein Pro­dukt aus dem Hau­se Senn­hei­ser auf gan­zer Li­nie zu über­zeu­gen weiß.

Der HD 660 S wird auch nach meh­re­ren St­un­den Mu­sik­hö­ren nicht un­be­quem

Ge­bet­tet in ei­nem ge­pols­ter­ten Köf­fer­chen wird der HD 660 S ver­trie­ben

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