So kann Win­dows klingen

Seit Jah­ren gibt es die Au­dir­va­na Hi­res-mu­sik­soft­ware für den Mac. Es wur­de Zeit, auch den ak­tu­el­len Win­dows-nut­zern den Weg in den Klang­him­mel zu öff­nen.

Audio Test - - Test - Jo­han­nes Strom

Ei­ne klei­ne Pre­mie­re. Mit Soft­ware be­schäf­ti­gen wir uns ja sonst eher nur am Ran­de beim The­ma Rau­mein­mes­sung, Apps und Strea­m­ing-an­bie­ter. Die­ser Test ist an­ders. Rein di­gi­tal. Kein Ge­rät. Wir wid­men uns der neu­en Au­dir­va­na Plus Ver­si­on für Win­dows 10. Lan­ge hat es ge­dau­ert, bis das auf dem Mac so weit ver­brei­te­te und hoch ge­lob­te Soft­ware-pa­ket um den Hi­res-play­er auch sta­bil auf dem PC an­ge­kom­men ist. Nun auch end­lich für Mi­cro­soft-nut­zer der Win­dows Ver­si­on 10. Das ak­tu­ells­te Be­triebs­sys­tem aus Red­mond, Wa­shing­ton ge­nießt nicht un­be­dingt den bes­ten Ruf. Zu­letzt gab es gra­vie­ren­de Pro­ble­me im Herbst bei ei­nem gro­ßen Up­date, dass ver­se­hent­lich Da­ten lösch­te, die aber zum Glück mit ei­nem zwei­ten Up­date wie­der her­ge­stellt wer­den konn­ten. Un­ge­ach­tet der Pro­ble­me des Be­triebs­sys­tems, ist Mi­cro­soft nach wie vor der Markt­füh­rer un­ter den Soft­ware­her­stel­lern mit 114 000 Mit­ar­bei­tern und 90 Mil­li­ar­den Us-dol­lar Jah­res­um­satz. Die­ser gro­ßen Ver­brei­tung hat man bei Au­dir­va­na Rech­nung ge­tra­gen. Dan­ke da­für.

In­stal­la­ti­on

Die In­stal­la­ti­on läuft nach be­kann­tem Mus­ter, schnell und zu­ver­läs­sig ab. Ein klei­nes In­stal­la­ti­ons­skript von der Her­stel­ler­sei­te her­un­ter­la­den reicht aus. Wäh­rend der In­stal­la­ti­on hat man dann auch die Mög­lich­keit ei­nen Li­zenz­schlüs­sel zur Frei­schal­tung ein­zu­ge­ben. Man kann die­sen Schritt aber auch erst mal über-

sprin­gen und für 15 Ta­ge ei­ne kos­ten­lo­se Test­ver­si­on aus­pro­bie­ren und Pro­be hö­ren, was wir aus­drück­lich emp­feh­len möch­ten. Nach der er­folg­rei­chen In­stal­la­ti­on durch­sucht die Soft­ware Ih­ren Com­pu­ter au­to­ma­tisch nach ent­spre­chen­den Au­dio­da­ten, Sie kön­nen aber die Bi­b­lio­thek na­tür­lich auch zu je­der Zeit ma­nu­ell er­gän­zen, anpassen und ein­stel­len. Wo­mit Sie sich nach der In­stal­la­ti­on bitte auf je­den Fall aus­ein­an­der­set­zen soll­ten, sind die Trei­ber­pa­ke­te, die di­rekt aus Au­dir­va­na her­aus an­ge­passt und ge­wech­selt wer­den kön­nen. So macht sich hier die vol­le Au­di­o­qua­li­tät des Play­ers be­merk­bar. Für ei­nen Wech­sel muss man na­tür­lich die Wie­der­ga­be an­hal­ten, was ei­nen un­ge­fil­ter­ten Ab-ver­gleich aus­schließt, aber den­noch. Wir mei­nen: Fin­den Sie den best­klin­gends­ten Trei­ber für Ih­ren DAC! Es lohnt sich. Ab Werk stan­den uns Au­dir­va­na Was­a­pi-pro­to­kol­le, al­so Win­dows eig­ne in­ter­ne und ex­ter­ne Sound­kar­ten­trei­ber, zur Ver­fü­gung. Dar­über hin­aus ist Au­dir­va­na mit der Asio-tech­no­lo­gie aus­ge­stat­tet, wel­che ei­ne Li­zenz der St­ein­berg Me­dia Tech­no­lo­gies ist. Den meis­ten viel­leicht bes­ser be­kannt als Soft­ware-her­stel­ler des Au­dio-se­quen­cers Cu­ba­se. Der Asio-te­ri­ber macht es z. B. mög­lich die Puf­fer­grö­ße der Ver­ar­bei­tung ein­zu­stel­len. Da­durch kann man den Pro­zes­sor stär­ker oder we­ni­ger be­las­ten. Im Stu­dio­be­trieb ist zum Bei­spiel Echt­zeit, al­so ein klei­ner Puf­fer nö­tig. Für die rei­ne Wie­der­ga­be kann auch ein gro­ßer Puf­fer ge­nutzt wer­den. Man gibt dem Com­pu­ter da­durch mehr Zeit die Da­ten zu ver­ar­bei­ten und ent­las­tet ihn, was un­ge­wünsch­te Lüf­ter­ge­räu­sche eli­mi­nie­ren kann. Wir sind schluss­end­lich beim pro­prie­tä­ren Asio-trei­ber des deut­schen Her­stel­lers RME hän­gen ge­blie­ben, der als Ori­gi­nal-kon­fi­gu­ra­ti­on für un­se­ren ADI-2 Pro Ad/da-wand­ler mit Au­dir­va­na bes­tens kom­mu­ni­ziert hat.

Usa­bi­li­ty

Das Pro­gramm Au­dir­va­na Plus kann in ver­schie­de­nen Farb- und Fens­ter­kon­fi­gu­ra­tio­nen aus­ge­führt wer­den. Vom klas­si­schen Win­dows-fens­ter bis zum ska­lier­ba­ren Co­ver-view, ei­nem Dark The­ma und ei­nen Whi­te-the­ma kann man die Soft­ware grund­le­gend an die Nut­zer­vor­lie­ben anpassen. Auch das An­le­gen von Play­lists und so­ge­n­an­ten Smart-play­list geht leicht von der Hand. Hier hat der Nut­zer die Mög­lich­keit sei­ne Bi­b­lio­thek nach ganz ei­ge­nen Kri­te­ri­en und in Echt­zeit zu fil­tern. Ei­ne kom­ple­xe Aus­wahl z. B. nach be­stimm­ter Ab­tast­ra­te und Jahr des Er­schei­nens sor­tiert nach In­ter­pret wä­re al­so denk­bar und ein­fach um­zu­set­zen, falls man et­was ganz be­stimm­tes sucht. Die Ein­bin­dung eta­blier­ter Strea­m­ing-an­bie­ter geht leicht ge­nau so flüs­sig. Stan­dard­mä­ßig bie­tet Au­dir­va­na die di­rek­te An­kopp­lung an die An­bie­ter Qo­buz, Hi­gh­res­au­dio und Ti­dal. Al­le über die­se Por­ta­le ge­tä­tig­ten Down­loads und Ein­käu­fe wer­den al­so so­fort in der Au­dir­va­na Bli­blio­thek an­ge­zeigt und ver­wal­tet. Wir wis­sen, dass Spo­ti­fy nicht zu den Hi­res-an­bie­tern zählt. Auf­grund der gro­ße Ver­brei­tung, auch der zah­len­den Kund­schaft, wä­re es aber die Cher­ry-on-top ge­we­sen, hät­te man auch da­für ei­ne Schnitt­stel­le ge­schaf­fen. Aber was nicht ist, kann ja noch wer­den. Auch die Steue­rung mit­hil­fe der Tas­ta­tur ist nicht ganz aus­ge­reift, bzw. noch

kaum vor­han­den. So löst zum Bei­spiel ein Druck der Leer­tas­te, wel­che üb­li­cher­wei­se der Start/ Stop-funk­ti­on vor­be­hal­ten ist, den ge­ra­de aus­ge­wähl­ten But­ton aus, mit dem Ha­ken, dass man op­tisch nicht er­ken­nen kann, wel­cher das ist. Ei­ne fes­te Bin­dung be­stimm­ter Tas­ten an die Be­nut­zer­ober­flä­che ist eben­falls ein Fea­tu­re, wel­ches für kom­men­de Up­dates auf un­se­rer Wun­sch­lis­te steht. Ganz in­ter­es­sant und in der Form auch nicht bei den an­de­ren Play­ern ver­füg­bar, ist ein di­rek­ter Edi­tier­mo­dus, der über ei­ne Sei­ten­spal­te al­le Tags und ei­ne Viel­zahl an Da­tei-in­fos zum aus­ge­wähl­ten Ti­tel an­zeigt und ei­ne un­mit­tel­ba­re Ma­ni­pu­la­ti­on zu­lässt. An die Be­nut­zer­ober­flä­che des für Mac be­kann­te Au­dir­va­na Plus kommt es aber lei­der nicht ran. Den Le­ga­cy-ver­stär­ker-look und die Ver­spielt­heit im De­sign ver­mis­sen wir bei der Win­dows-va­ri­an­te schon manch­mal.

Klang

Kom­men wir zur gro­ßen Stär­ke von Au­dir­va­na Plus. Sei­nem Klang. Nicht nur, dass es im Ge­gen­satz zum Win­dows Me­dia Play­er, itu­nes, Groo­ve und den gan­zen an­de­ren De­fault-mu­sik­bi­blio­the­ken Hi­res und MQA voll und ganz un­ter­stützt, es be­herrscht auch al­le an­de­ren ge­läu­fi­gen Ton-spe­zi­al­for­ma­te der Bran­che, dar­un­ter PCM, ALAC, FLAC, DSD, MQA, WAV, Dsd-images, wie z. B. ei­ne SACD-ISO und, falls das wirk­lich noch je­mand nutzt, na­tür­lich auch MP3. Au den letz­ten Kol­le­gen wer­den wir jetzt nicht wei­ter ein­ge­hen. Zu un­se­ren Sound­test-kan­di­da­ten ge­hö­ren de­fi­ni­tiv die FLAC und Dsd-teil­neh­mer. Na­tür­lich et­was un­fair ge­gen­über der Kon­kur­renz, die die­se For­ma­te noch nicht mal ab­spie­len kann, aber okay. Da­für be­zahlt man dann ja auch schließ­lich ir­gend­wie. Klang­lich für uns ein mo­nu­men­ta­les Meisterwerk ist Os­kar Róz­sa mit sei­nem dra­ma­ti­schen Epos „Un­der My Spell“, er­schie­nen 2009 bei Pa­vi­an Records. Die FLAC liegt uns zwar „nur“in Cd-qua­li­tät vor, aber al­lei­ne beim di­rek­ten Ver­gleich zum Groo­ve-play­er und itu­nes un­ter Win­dows mit dem glei­chen Ti­tel als WAV, tun sich Wel­ten auf. Das Tor ins Au­dio-glück ist weit ge­öff­net. Au­dir­va­na macht sei­nem Na­men al­le Ehre und lässt au­f­at­men. Ein St­ein fällt vom Win­dows-her­zen. Mehr Tie­fe, ent­spann­te­re und saubere Mit­ten. Wir kön­nen kaum war­ten mit dem „har­ten Zeug“, al­so tat­säch­li­chem Hi­res-material zu tes­ten. Was gibt es da schö­ne­res als ein wirk­lich groß­ar­ti­ges DSD. Wie äre es mit Gre­go­ry Por­ters „Li­quid Sprit“? Wir müs­sen da­für noch nicht mal den Wand­ler wech­seln, denn der ADI-2 Pro kann DSD aus dem Stand. Al­ter­na­tiv geht mit Au­dir­va­na aber auch DSD over PCM, aber wir wol­len na­tür­lich an die Qu­el­le. Da­bei er­strahlt Por­ter in glanz­vol­ler Na­tür­lich­keit. Die un­nach­ahm­li­chen Ober­tö­ne und For­man­ten des Sän­gers zeich­nen sich durch Au­dir­va­na in ta­del­lo­ser Gü­te. Kein Ver­gleich mit ei­nem MP3 oder ei­nem CD-RIP auf itu­nes und Co. Der Win­dows-klang­him­mel Au­d­ri­va­na Plus ist Pflicht, für je­den ernst­haf­ten Mu­sik-samm­ler. Auch wenn es hier und da bei der Usa­bi­li­ty und im De­tail noch Luft nach oben gibt.

In den Ein­stel­lun­gen zum Trei­ber gibt es ei­ne gan­ze Rei­he nütz­li­cher und span­nen­der Op­tio­nen. Zum Bei­spiel die Pha­sen­um­kehr von Ka­nä­len oder DSD over PCM

Ein gu­tes Hi­res-pa­ket für Men­schen, die ger­ne mit Win­dows hö­ren. Für op­ti­ma­le Er­geb­nis­se wird na­tür­lich ein ent­spre­chen­der Da-wand­ler oder Kopf­hö­rer vor­aus­ge­setzt

Das User-in­ter­face der Win­dows-ver­si­on gibt sich im ent­spre­chen­den 10er-stil und kann nicht ganz an die Maß­stä­be des Mac-vor­bilds her­an­rei­chen

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