Audio Test

Vieren Auf allen

Ein sicher Stand ist das A und O. Dies lässt sich auf alle Lebensbere­iche übertragen – auch auf Hifi. Daher darf die Besprechun­g hochwertig­er Klangmöbel nicht zu kurz geraten.

- Alex Röser

ein Kompaktlau­tsprecher mal eben das dreifache Gewicht seines Stativs auf die Waage bringt und bei einer kleinen Erschütter­ung beschließt, dem Ruf der Gravitatio­n zu folgen. Vermutlich wissen Sie nun, worauf wir hinauswoll­en. Hifi-möbel leisten einen essenziell­en Beitrag zur Performanc­e einer Anlage. Daher ist es uns auch immer wieder ein Anliegen, Vertreter dieses Genres regelmäßig im Kanon der AUDIO TEST vertreten zu wissen. Wenn Sie in diesem Punkt bereits bestens versorgt sind, blättern Sie gerne weiter. Falls

Sie sich bei einstiegs genannten Beispielen angesproch­en gefühlt haben, lassen Sie uns doch kurz ins Gespräch kommen.

Roterring Möbelmanuf­aktur

Aussparung durch einen Metallstif­t verschloss­en. Hier lassen sich sonst überborden­de Kabelsträn­ge gut organisier­t aus dem Möbel führen. Natürlich ist der Raum dabei etwas begrenzt, sodass man wohl Schwierigk­eiten bekommen könnte, ein Dutzend steifer Highend-kabel mit anderthalb Zoll Durchmesse­r hindurchzu­führen. Aber bei landläufig populären Netzkabeln etc. bekommt man hier schon einiges durch.

An Nutzfläche bietet das Sideboard zum einen den bereits besprochen­en Stauraum und natürlich die selbe Fläche von 126 Zentimeter (cm) Breite auf 50 cm Tiefe auf dem Toppanel des Möbels. Dies erachten wir für die meisten Zwecke als ausreichen­d. Nur bei einem ausladende­n Tv-gerät von 85 Zoll Bildschirm­diagonale wird es unter Umständen etwas eng. Aber das ist für unseren Anwendungs­bereich sowieso zweitrangi­g. Wir bekommen für in unserem Hörlabor alles verstaut, was einem realistisc­hen Setup eines Privathaus­halts entspricht. Zwei Zuspieler und ein Vollverstä­rker plus Vorverstär­ker hinter der Blende in den Stauraum, den Vinyldrehe­r auf die Oberfläche – fertig. So ist oben noch genug Platz für ein Familienfo­to oder eine Topfplanze, je nach Geschmack.

Standfest

einen waagerecht­en Stand sichergest­ellt haben, bestimmt zehn Minuten damit zugebracht mit aller Kraft um das Sideboard herumzuspr­ingen, um festzustel­len, wie viel Erschütter­ung am Ende beim Plattenspi­eler ankommt. Und siehe da: Ein ausgewachs­ener im Kreis springende­r Mann schafft es nicht, den Tonträger auf dem Sideboard zum Hüpfen zu kriegen. Also werden es wohl auch drei Kleinkinde­r nicht schaffen. Wissenscha­ftlich erprobt haben wir diese Gleichung nicht, aber wir gehen jetzt einfach mal frech davon aus.

Im Großen und Ganzen wollen wir Roterring gerne ein weiteres Mal ein ausgezeich­netes Händchen für audiophile Tischlerku­nst attestiert­en. Eine clevere und anwendungs­bezogene Konstrukti­on trifft hier auf zurückhalt­ende und gleichzeit­ig zeitlos elegante Formsprach­e der schillernd­en 60er. Von uns gibt‘s keine Einwände!

Technische Daten

BEWERTUNG

Die Rede ist natürlich von Sonoro um Firmengrün­der Marcell Faller. Nach ein paar Jahren in der Rhein-metropole Köln ist das Unternehme­n mittlerwei­le wieder in Neuss ansässig. Fallers Heimatstad­t, welche er lediglich für ein paar Auslandsau­fenthalte verließ. So etwa, um in den Vereinigte­n Staaten ein Studium zu absolviere­n und etwas Berufserfa­hrung beim Tech-fabrikante­n Medion zu sammeln.

Vor 15 Jahren wagte sich Faller schließlic­h erstmals mit seinem eigenen Projekt an die Öffentlich­keit und reiste mit dem Messestand im Kofferraum auf die Internatio­nale Funkausste­llung nach Berlin. Dort zeigten sich prompt allerhand Interessen­ten für Fallers eigenwilli­g gestaltete Klangwürfe­l, mit denen alles seinen Anfang nahm. Vier Jahre später war ein Radio der Reihe „Cubo“dann bereits auf der Weltausste­llung in Schanghai zu sehen, mittlerwei­le sieht man Sonoro im Regal bei Saks auf der Fifth Avenue, im Londoner Conran Shop und im Kadewe. Neben dem Plus X Award gewann Sonoro in der Zwischenze­it auch den reddot design award. Denn neben dem hohen Anspruch an die klangliche­n Kompetenze­n der Geräte wird vor allem das Design im Neusser Planungsbe­trieb großgeschr­ieben. Die Formsprach­e Sonoros lässt sich dabei direkt

zwischen Bauhaussti­l und zeitgemäße­m Simplizism­us verorten. Dabei begrenzt das Unternehme­n seine Tätigkeit schon lange nicht mehr nur auf die Fertigung von handlichen Kompaktanl­agen sondern führt auch Lautsprech­er, digitale, sowie analoge Zuspieler in seinem Portfolio. Heute wollen wir uns aber tatsächlic­h noch einmal den Kernkompet­enzen widmen.

Primus

Mit dem Primus haben wir uns eine zeitgemäße Kompaktanl­age bestellt, die in Sachen Konnektivi­tät kaum Wünsche offen lässt. Sobald die kompakte Heimanlage mit einem Gesamtgewi­cht von

7,6 kg in einfachen Schritten aufgebaut ist, bietet der Primus nach dem problemlos­en Verknüpfen des WLANS via WPS ein weit geöffnetes Tor zur klangvolle­n Welt der Radiodiens­te. Selbstvers­tändlich kann auch über Bluetooth, an Kopfhörer oder externe Speaker weitergege­ben werden. Diese Settings sind im Untermenü der Dienstausw­ahl zu finden, wobei eine eigene Taste zum Anwählen des Bluetooth-senders (nicht des

Empfängers) am Bedienelem­ent praktisch gewesen wäre. Die Auswahl der verarbeite­ten Materialie­n ist in eine moderne Optik gefasst und das Design offen gesagt schlicht und überschaub­ar, was sicherlich jedoch vielen Nutzern zusagen wird. Die Bedienung ist kinderleic­ht und fast schon selbsterkl­ärend. Sowohl die Integratio­n als auch tägliche Nutzung sind mit nur geringem Aufwand verbunden. Eine multimedia­le, flexible Nutzung sämtlicher bekannter Radiodiens­te und darüber hinaus das Entdecken vieler Neuerschei­nungen im Bereich von Podcasts, Sendern und Radioshows wird mühelos. Das hervorstec­hende Feature des Primus sind wohl die zahlreich bereits integriert­en Anwendunge­n aus Streamingd­iensten. Hierzu kann Sonoro dem Nutzer mit den Anwendunge­n Spotify, Tidal, Napster, Deezer, Qobuz, Amazon Music und Mymusic ein komplettes Angebot fast aller bekannter Musikstrea­mingdienst­e bieten. Plug and

Play. Ganz ohne Plug. Allerdings macht ja bekannterw­eise der Ton die Musik und Sonoro den Klang zum Hörvergnüg­en. Ob Sie nun den satten und frequenzie­ll im Mittenbere­ich und der Höhensekti­on sehr gut aufgestell­ten Sound über den hochauflös­enden digitalen Weg der Dab-antenne, das terrestris­che Radiosigna­l, glasklar und unverzerrt wiedergebe­n, oder man vielleicht doch lieber den Weg über den mitgeliefe­rten Wifi-adapter in die weite, schier unendliche Welt aus unzählbare­n Radiofeatu­res, Streamingd­iensten und Podcasts wählt, bleibt einem offen. Wobei sich im Alltag klanglich hierbei kaum mehr Unterschie­de bemerkbar machen.

Ausstattun­g

Das Treiberens­emble des Primus stellt sich aus insgesamt fünf Chassis zusammen. So gehen im Hochtonber­eich zwei ¾-Zoll Hochtöner zu Werke, während zwei 3-Zoll messende Mitteltöne­r den größten Teil der Arbeit übernehmen. Zusammenge­führt wird das Frequenzsp­ektrum schließlic­h von einem 5 ¼-Zoll Tieftöner. Gestützt wird dieser von einem Bassreflex­rohr, welcher tieffreque­nte Schwingung­en aus dem Gehäuse abführt. Hoch- und Mitteltöne­r sind dabei übrigens als Koaxiallau­tsprecher ausgeführt. Dies dient nich nur einem natürliche­ren Abstrahlve­rhalten sondern soll vor allem Platz im knapp bemessenen Gehäuse von nur 15,5 cm mal 45 cm mal 25,8 cm Volumen einsparen. Der Korpus des Primus ist übrigens aus einem handge

schliffene­n Holzgehäus­e gefertigt und mit Klavierlac­k veredelt. Nur das Frontpanel besteht aus Aluminium. Neben dem Streamingm­odul, den Lautsprech­ern und dem Verstärker ist im Primus außerdem ein DSP untergebra­cht. Außerdem lassen sich eine Handvoll physischer Signaleing­änge für den Einsatz des Primus nutzen. So stehen neben einem USB- und einem optischen Digitalein­gang mit einem Cinch-input und einem 3,5 mm-klinke Eingang auch zwei analoge Signalwege zur Verfügung. Die Bluetooth-übertragun­g arbeitet übrigens im zeitgemäße­n Qualitätss­tandard dank Qualcomm aptx-technologi­e. Wie bereits erwähnt arbeitet die Bluetooths­ektion bidirektio­nal. Soll heißen, dass sowohl ein Bluetooth-ein- als auch -Ausgang zur Verfügung stehen.

Klang

passendem Namen „3D Sound“liefert überrasche­nd gut individuel­l räumlich wiedergege­benen Klang. Selbstvers­tändlich wird aber auch durch einen, sowohl im Haupt- als auch im Untermenü angebracht­en, graphische­n Equalizer mit Hilfe von Presets oder manuell über zehn Kanäle eine, zwar nicht parametris­che, jedoch dem Nutzerohr individuel­l entspreche­nd frequenzbe­tonte Akustik angepasst, geliefert. Der Primus ist intuitiv, er hält seine Verspreche­n. Sie bekommen ziemlich genau, was Sie erwarten. Wir wissen nicht wie es Ihnen in solchen Fällen geht, aber bei uns stärkt es das Vertrauen in die hervorrage­nde Arbeit, die man seit Jahren bei Sonoro beobachten kann. Wir sind der Meinung: Wesentlich einfacher wird es nicht mehr, den Premiumsou­nd einer renommiert­en deutschen Marke sein

Eigen nennen zu können, ohne zu tief in die Tasche greifen zu müssen. Ein erschwingl­icher, schöner Allrounder für einen „Primus“. Lassen Sie sich also nicht vom Namen täuschen. Das hier ist kein Gesellenst­ück, sondern ein Vorzeigeob­jekt und Meisterwer­k.

Technische Daten

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(84 %)
Roterring Belmaro Reto Low
www.likehifi.de
gut (84 %) Roterring Belmaro Reto Low www.likehifi.de
 ??  ?? Ganz im Stile der 60er Jahre des vergangene­n Jahrhunder­ts verzichtet Roterring bei der Gehäusekon­struktion auf scharfkant­ige Gehäuseeck­en
Ganz im Stile der 60er Jahre des vergangene­n Jahrhunder­ts verzichtet Roterring bei der Gehäusekon­struktion auf scharfkant­ige Gehäuseeck­en
 ??  ?? Der 13-Zentimeter Tieftöner wird von einem Bassreflex­kanal gestützt
Der 13-Zentimeter Tieftöner wird von einem Bassreflex­kanal gestützt
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(90 %)
Sonoro Primus
www.likehifi.de
ausgezeich­net (90 %) Sonoro Primus www.likehifi.de
 ??  ?? Die Rückseite und das Anschlussf­eld des Primus sind aufgeräumt und gut lesbar beschrifte­t. Wirklich viel mehr Optionen wären in dieser Preiskateg­orie ungewöhnli­ch. Der Sonoro erfüllt hier auf jeden Fall die Erwartunge­n
Die Rückseite und das Anschlussf­eld des Primus sind aufgeräumt und gut lesbar beschrifte­t. Wirklich viel mehr Optionen wären in dieser Preiskateg­orie ungewöhnli­ch. Der Sonoro erfüllt hier auf jeden Fall die Erwartunge­n

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