Ex­klu­siv Klas­sik:XL

Sie sind ein­ge­la­den zu ei­nem Kon­zert­be­such der be­son­de­ren Art: Im Ham­bur­ger Mi­chel tra­ten lau­ter Preis­trä­ger des ECHO Klas­sik auf – und das au­dio­phi­le La­bel Da­b­ring­haus und Grimm schnitt mit.

Audio - - INHALT -

Die­se Auf­nah­men gibt’s nur bei AU­DIO: Ein ECHO-Kon­zert 2017 aus der Ham­bur­ger St.-Michae­lis-Kir­che

Glanz und Gla­mour in Hül­le und Fül­le: Wenn sich all­jähr­lich die Crè­me de la Crè­me der klas­si­schen Mu­sik zur Preis­ver­lei­hung „ECHO Klas­sik“ver­sam­melt, dann rol­len ro­te Tep­pi­che, ge­wit­tern Blitz­lich­ter, pro­me­nie­ren Pro­mis al­ler Pro­ve­ni­enz. Das Zwei­te Deut­sche Fern­se­hen ist vor Ort und schnei­det ei­ne Ga­la mit, die tat­säch­lich ge­sen­det wird. So­gar mit Mu­sik, frei­lich nur mit den Häpp­chen, die man meint, der Mas­se zu­mu­ten zu kön­nen. Doch ers­tens tra­gen viel mehr Künst­ler als die im ZDF vor­ge­führ­ten ei­nen ECHO da­von, zwei­tens ha­ben sie al­le mehr zu bie­ten als nur klas­si­sche Qui­ckies. Des­halb ver­an­stal­te­te Class e.V., die Ver­ei­ni­gung un­ab­hän­gi­ger Klas­sik­la­bels in Deutsch­land, ge­mein­sam mit klas­sik. tv, dem In­ter­net­por­tal für klas­si­sche Mu­sik, das prall ge­füll­te Abend­kon­zert „Klas­sik:XL“. In der be­rühm­ten Ham­bur­ger Haupt­kir­che St. Michae­lis, welt­be­rühmt als „Mi­chel“. Be­reits zum fünf­ten Mal kon­zer­tier­ten am Vor­abend des gro­ßen Spek­ta­kels Preis­trä­ger, und das Pu­bli­kum hat ge­merkt, das da et­was pas­siert. Folg­lich hat sich das Er­eig­nis in­zwi­schen vom ech­ten Ge­heim­tipp zum hoch­ran­gi­gen Kon­zert­er­eig­nis ge­mau­sert. Dass hier die Mu­sik im Mit­tel­punkt steht, macht schon der Pro­gramm­zet­tel deut­lich: Mehr als an­dert­halb St­un­den pu­re Mu­sik ste­hen drauf, statt Häpp­chen­kost gab es zu­meist kom­plet­te Wer­ke zu hö­ren, meis­ter­haft dar­ge­bo­ten von Künst­lern, die auf ih­re Ga­ge zu Guns­ten der so­zia­len Ar­beit der Kir­chen­ge­mein­de ver­zich­te­ten. Die Mu­sik­pro­duk­ti­on Da­b­ring­haus und Grimm, den AU­DIO- Le­sern als au­dio­phi­les La­bel bes­tens be­kannt, schnitt das Er­eig­nis auf­wen­dig mit. AU­DIO konn­te von MDG ei­nen mi­ni­mal ge­kürz­ten, in der Ab­fol­ge leicht mo­di­fi­zier­ten CD- Um­schnitt er­gat­tern. So kom­men die Le­ser in den Ge­nuss ei­nes wah­ren Ga­la- Kon­zerts – auf CD ex­klu­siv nur bei uns.

1. DIETRICH BUXTEHUDE PRAELUDIUM D-DUR, BUXWV 139 | Ha­rald Vo­gel, Or­gel

Ha­rald Vo­gel ist der Nes­tor des his­to­ri­schen Or­gel­spiels. Die nord­deut­sche Or­gelt­ra­di­ti­on steht im Mit­tel­punkt sei­nes In­ter­es­ses. Da­für steht wie kaum ein an­de­rer Dietrich Buxtehude (1637–1707), der vie­le Jah­re an der Lü­be­cker Ma­ri­en­kir­che wirk­te. Jo­hann Se­bas­ti­an Bach mach­te sich zu Fuß auf nach Lü­beck, um den be­reits hoch­be­tag­ten Buxtehude zu hö­ren und wohl auch bei ihm Un­ter­richt zu neh­men. Für Klas­sik:XL wähl­te Vo­gel das Prä­lu­di­um D- Dur, Buxtehude Werk­ver­zeich­nis 139, ei­ne da­mals be­lieb­te Batta­glia- Kom­po­si­ti­on. In die­ser kommt we­ni­ger die Schlacht an sich zum Aus­druck als viel­mehr der Dank für den Frie­den und Ge­den­ken an die Op­fer. Vor al­lem der zwei­te Teil mit sei­nen si­gnal­ar­ti­gen Trom­pe­ten­fan­fa­ren lässt noch As­so­zia­tio­nen an Kampf­ge­tüm­mel auf­kom­men, wäh­rend ein er­grei­fen­des La­men­to kurz vor Schluss an die Ge­fal­le­nen und Ver­wun­de­ten er­in­nert, be­vor das Werk in glanz­vol­lem D- Dur en­det. Wie „ba­rock“die gro­ße St­ein­mey­er- Or­gel – die größ­te der vier im Mi­chel – un­ter kun­di­ger Re­gis­trie­rung doch klin­gen kann!

2. BÉLA BARTÓK FÜNF STÜ­CKE FÜR ZWEI SA­XO­FO­NE | Eva van Gr­ins­ven, Lars Nie­der­stras­ser, Sa­xo­fon

In der Nä­he der vier­ten Mi­chel- Or­gel, die Carl- Phil­ipp- Ema­nu­el- Bach- Or­gel, blie­sen Eva van Gr­ins­ven und ihr Part­ner Lars Nie­der­stras­ser Ar­ran­ge­ments für ih­re Ba­ry­ton-Sa­xo­fo­ne von Wer­ken des Un­garn Béla Bartók (1881–1945). Für Klas­sik:XL wähl­ten die bei­den zu­nächst ei­ne Rei­he nach den Du­os für zwei Vio­li­nen und klei­nen Kla­vier­stü­cken. Es war ein fan­tas­ti­sches Er­leb­nis, wie die­se bei­den In­stru­men­te mit ih­rer voll­tö­nen­den dy­na­mi­schen Band­brei­te und feins­ten Vi­bra­to­wir­kun­gen die Kir­che bis in den letz­ten Win­kel so­nor zu fül­len ver­moch­ten: Be­son­ders im be­rühm­ten „Mü­ck­en­tanz“er­hiel­ten „Sti­che“der Pla­ge­geis­ter an­nä­hernd na­tu­ri­den­ti­sche In­ten­si­tät.

3. – 5. MA­RIE JAËLL AP­PEL, PE­TIT MORCEAU 6, POURSUITE Co­ra Ir­sen, Kla­vier

Ma­rie Jaëll war zu Leb­zei­ten (1846– 1925) ei­ne ge­frag­te Pia­nis­tin, Ca­mil­le Saint-Saëns wid­me­te ihr sein ers­tes Kla­vier­kon­zert, und mit Franz Liszt, Jo­han­nes Brahms und An­ton Ru­bin­stein stand sie in re­gem Aus­tausch. Auch als Päd­ago­gin leis­te­te sie Pio­nier­ar­beit. Co­ra Ir­sen hat Ma­rie Jaëll als Kom­po­nis­tin wie­der­ent­deckt. Und fol­ge­rich­tig wur­de die Ge­samt­auf­nah­me ih­rer Kla­vier­mu­sik auf vier CDs beim deut­schen La­bel Qu­er­stand in die­sem Jahr mit dem ECHO für die her­aus­ra­gen­de edi­to­ri­sche Leis­tung aus­ge­zeich­net. Par­al­lel da­zu hat Co­ra Ir­sen auch ei­ne Mo­no­gra­fie über Le­ben und Werk Ma­rie Jaëlls vor­ge­legt. Bei „Klas­sik:XL“brach­te sie ei­ne Aus­wahl aus Jaëlls um­fang­rei­chem Schaf­fen aufs Po­di­um. An­fäng­li­che Be­den­ken we­gen akus­ti­scher Un­zu­läng­lich­kei­ten – schließ­lich ist das Kla­vier nicht un­be­dingt das nächst­lie­gen­de In­stru­ment für die gro­ße Kir­che – zer­streu­te Co­ra Ir­sen schon mit den ers­ten An­schlä­gen. Tech­nisch bril­lant und so fein und nu­an­ciert ge­lang ihr die Prä­sen­ta­ti­on der ge­halt­vol­len Mi­nia­tu­ren, dass man sich trotz des gro­ßen Rau­mes in die in­ti­me At­mo­sphä­re des Pa­ri­ser Sa­lons ver­setzt wähn­te. Wor­auf gleich die nächs­te Über­ra­schung folg­te, denn von be­lang­lo­ser Sa­lon­un­ter­hal­tung ist Jaëlls Mu­sik weit ent­fernt. Ei­ner ih­rer Kla­vier­zy­klen – „18 Piè­ces d’après la lec­tu­re de Dan­te“– be­zieht sich auf Dan­tes „Gött­li­che Ko­mö­die“, „ Ap­pel“und „Poursuite“stam­men aus dem ers­ten Teil da­von Ce qu’on en­t­end dans l’En­fer. Wie sich die os­ti­na­ten Ton­wie­der­ho­lun­gen des „Ap­pel“ins Ohr boh­ren, lässt die ein­dring­lich-vi­sio­nä­ren Klang­bil­der ei­nes noch weit ent­fern­ten Mau­rice Ra­vel vor­aus­ah­nen. EVA VAN GR­INS­VEN, LARS NIE­DER­STRAS­SER: Die Sa­xo­fo­nis­ten spiel­ten von der Süd­em­po­re her­ab Bartók-Ad­ap­tio­nen.

6. OLE BULL LA ME­LAN­CHO­LIE Dogma Cham­ber Orches­tra, Hen­ning Krag­ge­rud

Klang­bil­der ganz an­de­rer Art hat­te Ole Bull (1810–1880) im Sinn, als er Mit­te des 19. Jahr­hun­derts sei­ne nor­we­gi­sche Hei­mat in Rich­tung USA ver­ließ. Der äu­ßerst be­gab­te Gei­ger hat­te sich beim „Teu­fels­gei­ger“Nic­co­lo Pa­ga­ni­ni Tricks ab­ge­schaut. In den USA woll­te er in der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die nor­we­gi­sche Mu­sik eta­blie­ren – der Er­folg blieb mä­ßig. Bulls „Me­lan­cho­lie“kos­tet Gei­ger und Di­ri­gent Hen­ning Krag­ge­rud ge­mein­sam mit dem Dogma Cham­ber Orches­tra voll aus: Das herz­zer­rei­ßen­de Stück kom­po­nier­te Bull zur Be­wäl­ti­gung des To­des sei­ner ers­ten Ehe­frau. Das schluchzt und fleht … Krag­ge­rud und Dogma fan­den ge­nau den rich­ti­gen Ton für die­se klei­ne Mi­nia­tur: Ein biss­chen mehr, und es wä­re un­er­träg­lich schmal­zig, ein biss­chen we­ni­ger, und es wä­re öd und leer ge­we­sen. So aber wur­de das Pu­bli­kum zu­tiefst an­ge­rührt von ei­ner Stim­mung, die den Ver­lust un­mit­tel­bar nach­füh­len lässt.

7. G. P. TELE­MANN FAN­TA­SIE IN C | Thoms Fritzsch, Vio­la da Gam­ba

Vom höchst pro­duk­ti­ven Ge­org Phil­ipp Tele­mann (1681–767) gibt es im­mer wie­der Neu­es zu ent­de­cken. Sei­ne zwölf Fan­ta­si­en für Vio­la da Gam­ba gal­ten als ver­schol­len; erst 2016 ent­deck­te Tho­mas Fritzsch ein Ex­em­plar des sei­ner­zeit im Ei­gen­ver­lag pu­bli­zier­ten Zy­klus in ei­nem Pri­vat­ar­chiv – ein treff­li­cher Grund für die Aus­zeich­nung als „Wel­tEr­stein­spie­lung des Jah­res“. Die Gam­be war zu Tele­manns Zei­ten ei­gent­lich schon nicht mehr en vogue; Vio­lon­cel­lo und Vio­li­ne hat­ten dem Lieb­lings­in­stru­ment der Aris­to­kra­tie den Rang ab­ge­lau­fen. Doch nach dem Hö­ren der Fan­ta­sie in c ver­steht man so­fort, war­um sich die Gam­be lan­ge so un­glaub­li­cher Be­liebt­heit er­freu­te. Die Ver­bin­dung von ge­sang­li­chem Spiel mit den har­mo­ni­schen Mög­lich­kei­ten zum Bei­spiel ei­ner Gi­tar­re ist so nur auf der Vio­la da Gam­ba zu ver­wirk­li­chen. Ihr leicht na­sal-silb­ri­ger Klang er­in­nert an die mensch­li­che Stim­me – wie ge­schaf­fen für al­le mög­li­chen For­men des sehr per­sön­li­chen Aus­drucks. Tho­mas Fritzsch ver­stand es vor­züg­lich, sein Pu­bli­kum in den Bann zu zie­hen: Kein Hus­ten und Ra­scheln stör­te den fei­nen Vor­trag, der von tän­ze­ri­scher Leich­tig­keit bis zu tief emp­fun­de­nem Aus­druck reich­te, und der zar­te Ton des In­stru­ments füll­te den wei­ten Raum mit zau­ber­haf­ten Klän­gen.

8. BACH/RE­GER TOCCATA D-DUR BWV 912 Chris­toph Schoener, Or­gel

| Max Re­ger (1873–1916) hat fünf der sie­ben Cem­ba­lo­toc­ca­ten von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach (1685–1750) auf die Or­gel über­tra­gen. Da­bei er­gänz­te der Klang­zau­be­rer aus der Ober­pfalz Vor­schrif­ten zur Ar­ti­ku­la­ti­on und Dy­na­mik, mach­te de­tail­lier­te An­ga­ben zur Re­gis­trie­rung, und er füg­te dem No­ten­text – pas­send zu den Mög­lich­kei­ten der gro­ßen ro­man­ti­schen Or­gel – noch wei­te­re Stim­men hin­zu. Das ist schon man­chem von Re­gers Zeit­ge­nos­sen sau­er auf­ge­sto­ßen. Doch für „tro­cke­ne Holz­köp­fe“und „fan­ta­sie­ar­me Buch­sta­ben­ge­lehr­te“hat­te Re­ger oh­ne­hin nur Spott üb­rig. Für die ge­wal­ti­ge Or­gel­an­la­ge des Mi­chel ist Re­gers Neu­schöp­fung wie ge­schaf­fen. Die gro­ße St­ein­mey­er- Or­gel auf der Wes­tem­po­re kann nach um­fang­rei­cher Re­stau­rie­rung auch über ei­ne gi­gan­ti­sche fünf­ma­nua­li­ge zen­tra­le Spiel­ein­rich­tung mit der hoch­ro­man­ti­schen „Kon­zer­t­or­gel“aus dem Hau­se Mar­cus­sen von 1914 ge­mein­sam ge­spielt wer-

den. Mit frap­pan­ter Raum­wir­kung – ist doch die „Kon­zer­t­or­gel“auf der seit­li­chen Nord­em­po­re po­si­tio­niert. Noch­mals ver­stärkt wird die­ser Ef­fekt durch ein jüngst auf dem Dach­bo­den er­rich­te­tes Fern­werk, des­sen Klang über ei­nen 20 Me­ter lan­gen Schall­ka­nal erst durch ei­ne Ro­set­te in der De­cke ins Kir­chen­schiff ge­langt. Wo­bei der Be­griff „Fern­werk“et­was ir­re­füh­rend ist: Mit 17 Re­gis­tern steht oben im Mi­chel- Spei­cher ei­ne voll aus­ge­bau­te Or­gel, grö­ßer als man­ches Haupt­in­stru­ment in klei­ne­ren Kir­chen. Durch die in­di­rek­te Über­tra­gung der Or­gel­tö­ne über den Schall­ka­nal ent­steht der Ein­druck ei­nes weit oben ent­fern­ten Klan­ges, den der Mi­chelHaus­herr Chris­toph Schoener über­zeu­gend ein­zu­set­zen weiß.

9. HEN­NING KRAG­GE­RUD EQUINOX 17 | Hen­ning Krag­ge­rud, Vio­li­ne; Cla­re Ham­mond, Kla­vier

Für sei­ne Ein­spie­lung mit Mo­zarts Vio­lin­kon­zer­ten er­hielt Hen­ning Krag­ge­rud (ge­bo­ren 1973) sei­nen dies­jäh­ri­gen ECHO. Der nor­we­gi­sche Gei­ger kom­po­niert je­doch auch selbst ger­ne. Für Klas­sik:XL prä­sen­tier­te Krag­ge­rud Aus­schnit­te aus sei­nem 24-tei­li­gen Zy­klus „Equinox“(hier ist Nr. 17 zu hö­ren). Sein Lands­mann und Er­folgs­au­tor Jostein Gaar­der lie­fer­te ihm 24 Tex­te zu den 24 Zeit­zo­nen der Er­de, und Krag­ge­rud mach­te dar­aus 24 Stü­cke in 24 Ton­ar­ten, so wie Bach es mit dem Wohl­tem­pe­rier­ten Kla­vier vor­ge­macht hat­te. Gaar­ders Text ver­bin­det Or­te rund um die Welt mit Emp­fin­dun­gen und See­len­zu­stän­den, die Krag­ge­rud wie­der­um – ganz in ba­ro­cker Tra­di­ti­on – be­stimm­ten Ton­ar­ten zu­ord­ne­te. Cla­re Ham­mond über­nahm sou­ve­rän, ein­fühl­sam und un­auf­ge­regt den Kla­vier­part, der die Be­glei­tung mit gro­ßem Orches­ter er­setz­te.

10. – 13. BEN­JA­MIN BRITTEN SIM­PLE SYM­PHO­NY Dogma Cham­ber Orches­tra

Orchester­klän­ge gibt es den­noch zu hö­ren. Das 16-köp­fi­ge Strei­cher­en­sem­ble des Dogma Cham­ber Orches­tra spielt seit der Grün­dung 2004 oh­ne Di­ri­gent, Lei­ter und spi­ri­tus rec­tor Mik­hail Gu­r­e­witsch hält vom Pult des Kon­zert­meis­ters al­le Fä­den in der Hand. Wie gut das funk­tio­niert, zeigt die Dar­bie­tung der „Sim­ple Sym­pho­ny“von Ben­ja­min Britten (1913–1976). Die stellt, an­ders als der Ti­tel ver­mu­ten lässt, al­ler­höchs­te An­for­de­run­gen an die Aus­füh­ren­den. In vier Sät­zen ver­ar­bei­tet der Bri­te Britten Er­in­ne­run­gen an sei­ne Kin­der­ta­ge. Die an­spie­lungs­rei­chen Satz­ti­tel fol­gen ei­nem al­li­te­ra­to­ri­schem Prin­zip: „Bois­te­rous Bour­rée“, „Play­ful Piz­zi­ca­to“, „Sen­ti­men­tal Sa­ra­ban­de“und „Fro­lic­so­me Fi­na­le“be­zie­hen sich auf his­to­ri­sche For­men, be­zeich­nen aber gleich­zei­tig bild­haft den Cha­rak­ter je­des Teils. Mit dy­na­mi­scher Wucht er­öff­ne­te das in­ter­na­tio­na­le En­sem­ble die Bour­rée, und die enor­men Kon­tras­te aus kraft­vol­lem For­tis­si­mo und fast ver­schwin­dend lei­sem Pia­nis­si­mo soll­ten die Dar­bie­tung auch im Wei­te­ren prä­gen. Da­zwi­schen gibt es

ein ver­blüf­fend prä­zi­ses Zu­sam­men­spiel im ge­fürch­te­ten Piz­zi­ca­to- Satz zu be­wun­dern, in dem tat­säch­lich wird kein ein­zi­ger Ton ge­stri­chen wird. Und dann die schmerz­lich-sü­ße In­ten­si­tät der Sa­ra­ban­de … Ein For­tis­si­mo­schlag zum Schluss zwang das Pu­bli­kum ge­ra­de­zu zu Bra­vo- Ru­fen. Nicht wun­dern: Die hö­ren Sie hier aus Platz­grün­den nicht.

14.+15. AR­THUR LOURIÉ SPLEEN, FOR­MEN IN DER LUFT Tho­mas Gün­ther, Kla­vier

Tho­mas Gün­ther er­hielt 2017 ei­nen ECHO Klas­sik für sei­ne vier Su­per Au­dio CDs um­fas­sen­de Ein­spie­lung von Wer­ken rus­si­scher Fu­tu­ris­ten. Die­se Grup­pe von Kom­po­nis­ten, zu de­nen Ar­thur Lourié ge­hör­te (1891–1966, rus­si­scher Na­me Naum Is­rai­le­witsch Lur­ja), knüpf­te an das Spät­werk Aleksan­dr Skrja­b­ins an. Die Über­win­dung al­les Über­kom­me­nen, vor al­lem der Moral, stand ab 1909 ganz oben auf der Agen­da. Das pass­te her­vor­ra­gend ins vor­re­vo­lu­tio­nä­re Russ­land und wur­de als Be­grün­dung ei­ner neu­en Ton­spra­che be­geis­tert auf­ge­nom­men. Dass die Re­vo­lu­ti­on mit Sta­lins Ge­walt­herr­schaft die gro­ßen Uto­pi­en ab­ser­vier­te, führ­te zu ge­bro­che­nen Künst­ler­per­sön­lich­kei­ten. Tho­mas Gün­ther prä­sen­tier­te zwei Wer­ke von Ar­thur Lourié, die ih­ren zer­stö­re­ri­schen Schre­cken ver­lo­ren zu ha­ben schei­nen. Das da­mals Neue er­schließt sich aus dem his­to­ri-

schen Kon­text: Klang­li­che Sta­tik er­setzt har­mo­ni­sche Ent­wick­lung, das mo­men­ta­ne Er­eig­nis steht vor der the­ma­ti­schen Fein­ar­beit. Al­les in al­lem scheint die­se Ton­spra­che je­doch so­fort ver­ständ­lich zu sein – si­cher auch ein Ver­dienst Tho­mas Gün­thers, der als aus­ge­wie­se­ner Ex­per­te für neue und neu­es­te Mu­sik auch zahl­rei­che Kla­vier­stü­cke aus der Tau­fe ge­ho­ben hat.

16. MEN­DELS­SOHN BAR­THOL­DY/ BEST SIN­FO­NIE NR. 5, 3. UND 4. SATZ; ARR. | Leo van Doe­selaar, Or­gel

Mit gro­ßer Or­gel­kunst ging das Ga­laKon­zert im Ham­bur­ger Mi­chel zu En­de. Leo van Doe­selaar spiel­te auf den drei Or­geln des Mi­chel den drit­ten und vier- ten Satz aus der „Re­for­ma­ti­ossym­pho­nie“von Fe­lix Men­dels­sohn Bar­thol­dy (1809–1847) in der Über­tra­gung von Wil­li­am Tho­mas Best (1826–1897). Van Doe­selaar er­schuf mit den 145 Re­gis­tern, die ihm zur Ver­fü­gung stan­den, ei­ne Sin­fo­nie an Klang­far­ben, die über die Imi­ta­ti­on ei­nes Orches­ters weit hin­aus­gin­gen. Der tief­ro­man­ti­sche Klang des Mar­cus­sen-Werks ver­moch­te die At­mo­sphä­re des wie ei­ne Ein­lei­tung zum gran­dio­sen Fi­na­le wir­ken­den drit­ten Sat­zes her­vor­ra­gend ein­zu­fan­gen. Und als dann beim Ein­satz des Cho­rals „Ein fes­te Burg ist un­ser Gott“die Me­lo­die­stim­me von der Gro­ßen Or­gel an die Kon­zer­t­or­gel und wie­der zu­rück­ge­ge­ben wur­de, schien der gan­ze Kir­ch­raum von Mar­tin Lu­thers State­ment er­füllt zu sein. Die kom­ple­xe Struk­tur des fu­gier­ten Fi­nal­teils mach­te Doe­selaars Re­gis­trie­rung fas­zi­nie­rend trans­pa­rent. Der Schluss der Sin­fo­nie mit dem Cho­ral ist im Ori­gi­nal schon groß­ar­tig; im ge­wal­ti­gen Plenum der drei Or­geln und der fan­tas­ti­schen Akus­tik der St. Michae­lis­kir­che ging das im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes un­ter die Haut. Wir hof­fen, dass Ih­nen un­se­re CD ei­nen Ein­druck die­ses groß­ar­ti­gen Kon­zerts ver­schaf­fen wird.

THO­MAS GÜN­THER: Wenn der Pia­nist den Fu­tu­ris­ten Ar­thur Lourié auf­führt, ge­winnt die­ser an Ver­ständ­lich­keit.

HEN­NING KRAG­GE­RUD, CLA­RE HAM­MOND: Der Gei­ger führ­te Aus­schnit­te aus sei­nem ei­ge­nen Werk „Equinox“vor, die Pia­nis­tin er­setz­te ihm da­bei ein gan­zes Orches­ter.

CHRIS­TOPH SCHOENER: Der Or­ga­nist und Kir­chen­mu­si­kDi­rek­tor von St. Michae­lis spiel­te die fünf­ma­nua­li­ge Kon­zer­t­or­gel von Mar­cus­sen.

DOGMA CHAM­BER ORCHES­TRA: Mo­de­ra­tor Axel Brüg­ge­mann im Ge­spräch mit Kon­zert­meis­ter Mik­hail Gu­r­e­witsch.

THO­MAS FRITZSCH: Der Gam­bist hat Tele­manns 12 Fan­ta­si­en für Vio­la da Gam­ba in ei­nem Pri­vat­ar­chiv wie­der ge­fun­den.

HA­RALD VO­GEL: Der Or­ga­nist zählt zu den Groß­meis­tern sei­nes Fachs, der sehr vie­le Re­stau­rie­run­gen his­to­ri­scher Or­geln und un­zäh­li­ge Schü­ler mit Rat und Tat be­glei­tet hat.

CO­RA IR­SEN: Die Wei­ma­rer Pia­nis­tin hat sich als Wis­sen­schaft­le­rin und Mu­si­ke­rin stark ge­macht für die Kom­po­nis­tin Ma­rie Jaëll.

LEO VAN DOE­SELAAR: Der Or­ga­nist er­läu­ter­te Mo­de­ra­tor Alex Brüg­ge­mann und dem Pu­bli­kum un­ter an­de­rem sei­nen Ge­brauch von 145 Re­gis­tern.

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