RePoRt

Audio - - INHALT - Von Lothar Brandt

Hin­ter den Ku­lis­sen Star­di­ri­gent Teo­dor Curr­ent­zis nimmt Beet­ho­ven auf – gleich­zei­tig di­gi­tal und ana­log

Ein Star­di­ri­gent nimmt für ein gro­ßes La­bel im Wie­ner Kon­zert­haus ei­ne Beet­ho­ven-Sin­fo­nie auf. So­weit nichts Be­son­de­res. Dass er sie aber gleich­zei­tig mit mo­derns­ter Di­gi­tal­tech­nik und pur ana­log pro­du­zie­ren lässt, das ist schon et­was Be­son­de­res. AUDIO war vor Ort.

Die Par­ti­tur schreibt „pia­no“(lei­se, p) vor. Ab dem drit­ten Takt im zwei­ten Satz, dem be­rühm­ten Al­le­gret­to der sieb­ten Sin­fo­nie von Lud­wig van Beet­ho­ven (1770–1827). Wenn Brat­schen, Cel­li und Kon­tra­bäs­se nach dem vom for­te (laut) ins pia­nis­si­mo (sehr lei­se, pp) ver­sin­ken­den Auf­takt- Ak­kord der Holz­blä­ser den be­rühm­ten Rhyth­mus vor­ge­ben. Teo­dor Curr­ent­zis hin­ge­gen zwingt sein Orches­ter, die Mu­si­cAe­ter­na aus Perm, ins kaum mehr Hör­ba­re pppp. Kurz vor­her ha­ben wir noch den Be­fehl „Ta­pe Re­cor­ding“ver­nom­men, das sat­te Ein­ras­ten der „Run“-Tas­te an der ge­wal­ti­gen Band­ma­schi­ne re­gis­triert und das im­po­nie­rend brei­te Band star­ten se­hen. Jetzt müs­sen wir uns un­ter un­se­ren Kopf­hö­re­ren ge­wal­tig kon­zen­trie­ren, um über­haupt noch et­was zu hö­ren. Wir, das ist das Auf­nah­me­team, bes­ser ein Auf­nah­me­team im im­pe­ria­len Wie­ner Kon­zert­haus, denn ein Stock­werk dar­un­ter nimmt Ton­zau­ber, die Cr­ew von Ton­meis­ter Ge­org Bur­dicek, das Gan­ze mit er­le­se­nem Di­gi­tal- Equip- ment für So­ny Clas­si­cal auf. Aber der grie­chi­sche Star- Di­ri­gent, der schon die Mo­zart- Oper „Co­si Fan Tut­te“(CD des Mo­nats in AUDIO 1/15) auch auf LP vor­leg­te, hat sich eben auch ei­ne pur ana­lo­ge Aufnahme aus­be­dun­gen. „Wir be­kom­men nie den Klang der Auf­füh­rung auf Kon­ser­ve“, ge­steht das 46- jäh­ri­ge En­fant Ter­ri­b­le der St­ab­schwin­ger- Eli­te. „Aber ich will die Emo­tio­na­li­tät, die Spi­ri­tua­li­tät, ich will mehr Ge­le­gen­heit zum Träu­men – und das be­kom­me ich eher vom Ana­lo­gen.“Klar durf­ten das irr­wit­zig prä­zi­se spie­len­de Orches­ter und der Di­ri­gent wäh­rend der hoch­kon­zen­trier­ten Ses­si­on nicht fo­to­gra­fiert wer­den. Doch in der Pau­se ge­noss der Au­tor von To­n­in­ge­nieur Da­mi­en Quin­tard ei­ne Lek­ti­on in Mi­kro­fon- Se­t­up und - Auf­bau. Er sich­te­te die zum Teil für Ana­log- und Di­gi­tal- Aufnahme ge­trenn­ten Ste­reo- Haupt­mi­kro­fo­ne, die sünd­haft teu­ren his­to­ri­schen

RCA- Bänd­chen und die sel­te­nen Ne­u­mann- Röh­ren, die Stüt­zen für die Blä­ser, die Raum- Mi­kro­fo­ne für die At­mo und zu sei­ner Über­ra­schung so­gar ein zu­sätz­lich in­te­grier­tes Mo­no- Se­t­up. Beim Gang über die Büh­ne fie­len ihm aber auch rei­hen­wei­se die wun­der­schö­nen „pe­ri­od in­stru­ments“ins Au­ge, die das Orches­ter spiel­te. Wie zu Beet­ho­vens Zeit darm­be­sai­te­te Streich­in­stru­men­te und ven­til­lo­se Blech­blas­in­stru- men­te – hier la­gen un­glaub­li­che Wer­te her­um. Von den rund 80 Me­tern Rein­sil­ber- Ka­bel, die Pe­ter Qvor­drup mit­ge­bracht hat­te, ganz zu schwei­gen. Der Chef von Audio No­te hat Curr­ent­zis da­heim in Perm ei­ne kom­plet­te An­la­ge in­stal­liert. Er stell­te in Wi­en Ver­bin­der und die Ab­hör- An­la­ge und be­riet in Sa­chen Orches­ter­ba­l­an­ce für die Kon­ser­ve. Auf die sind wir jetzt mäch­tig ge­spannt. Nicht nur we­gen des pppp.

Sein Wun­Sch iSt Be­fehl: Di­ri­gent Teo­dor Curr­ent­zis mag ana­lo­ge At­mo­sphä­re. Dar­über: Blick auf die mi­kro­fo­nier­te Büh­ne.

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