Le­gen­dä­re CD Pas­tic­cio

Audio - - INHALT - Von Se­bas­ti­an Schmidt und Wer­ner Da­b­ring­haus

Nur bei uns: Die Neu­auf­la­ge der au­dio­phi­len Schei­be von 1988

Das Det­mol­der Klas­sik-La­bel Da­b­ring­haus und Grimm (MDG) wird 40. Wir fei­ern dies mit der le­gen­dä­ren MDG-CD „Pas­tic­cio“, die 1988 er­schien und so­fort als au­dio­phi­le Test­schei­be auch bei uns Re­dak­teu­ren lan­de­te. Sie ist seit lan­gem ver­grif­fen, doch die fein auf­ge­nom­me­ne Mu­sik macht heu­te so viel Spaß wie da­mals.

Ku­li­na­ri­sche Mu­si­ka­li­tä­ten? Ein ­Al­bum, das „Pas­tic­cio“heißt? „In der Mu­sik ver­ste­het man dar­un­ter ein Ton­stück, des­sen ver­schie­de­ne Sät­ze aus Ton­stü­cken von ver­schie­de­nen Meis­tern ge­nom­men sind. Wenn z.B. der sich pro­du­ci­ren­de Violin­spie­ler ein Con­cert vor­trägt, des­sen ers­tes Al­le­gro von Ro­de, das Ad­a­gio von Kreutzer, und das letz­te Al­le­gro von Viot­ti ge­setzt ist, so nen­net man ein sol­ches Con­cert ein Pas­tic­cio.“So das „Kurz­ge­faß­te Hand­wör­ter­buch der Mu­sik für prak­ti­sche Ton­künst­ler und für Di­let­tan­ten“von 1807. Das Pas­tic­cio ist ver­wandt dem Pot­pour­ri, das ei­ne bun­te Fol­ge von Me- lo­di­en be­zeich­net und ei­nen fes­ten Platz in der Un­ter­hal­tungs­mu­sik hat. Schon An­ton Dia­bel­li, der Ver­le­ger Beet­ho­vens, ar­ran­gier­te mit sei­nem „Pot- Pour­ri aus Beet­ho­vens be­lieb­tes­ten Wer­ken“ei­ne der da­mals üb­li­chen Hit­pa­ra­den be­rühm­ter The­men für Flö­te und Gi­tar­re (vergl. Ti­tel Nr. 9). Dia­bel­lis Zeit­ge­nos­sen muss­ten noch selbst zu Flö­te und Gi­tar­re grei­fen, um be­rühm­te Me­lo­di­en zu hö­ren. Heut­zu­ta­ge er­leich­tern Sam­pler dem Mu­sik­hung­ri­gen die Su­che nach Kraft­fut­ter für er­le­se­ne Wie­der­ga­be­ge­rä­te. Aber Vor­sicht: Er­set­zen sie nicht oft das Durch­hö­ren der Plat­ten bis die be­lieb­tes­te Stel­le, der höchs­te Ton, das schnells­te Pres­tis­si­mo, al­so die High­lights über­haupt ge­fun­den sind? Hier al­so „Pas­tic­cio“, zu­sam­men­ge­stellt aus Auf­nah­men von MDG. Die Aus­wahl der Bei­spie­le läßt Sie hof­fent­lich Ge­schmack auf mehr ver­spü­ren. Üb­ri­gens ist die Rei­hen­fol­ge der Mu­sik­stü­cke so ge­wählt, dass auch ein do­sier­tes Hö­ren der CD mög­lich ist, denn das ist ja das We­sen ei­nes Pas­tic­ci­os: Be­kann­tes in neu­em Zu­sam­men­hang neu er­klin­gen zu las­sen. Apro­pos Ge­schmack: „Pas­tic­cio“(ital.) heißt „Pas­te­te“– wir hof­fen, daß Ih­nen die Zu­sam­men­stel­lung un­se­res Me­nus zu­sagt. Hö­ren Sie. Und ge­nie­ßen Sie.

1. Jo­hann Pa­chel­bel Prä­lu­di­um d-Moll

Gerd Wa­chow­ski spielt an den Or­geln in St. ­Ja­kob, Ro­then­burg o.d.T. MDG 606 0273-2 Pa­chel­bel (1653–1706) galt als größ­ter Or­gel­vir­tuo­se sei­ner Zeit. Sein fest­li­ches Prä­lu­di­um in d ist ide­al zur Vor­stel­lung der vier­ma­nua­li­gen Rie­ger- Or­gel von St. Ja­kob in Ro­then­burg. Das In­stru­ment ver­fügt mit 70 Re­gis­tern, ver­teilt auf fünf Wer­ke, über mehr als 5000 Pfei­fen, dar­un­ter die ho­ri­zon­tal ab­strah­len­de „Spa­ni­sche Trom­pe­te“, die dem mäch­ti­gen Haupt­werk be­son­de­re Pracht ver­leiht.

2. Jo­hann Gr­ab­be Il pri­mo Li­bro de Ma­d­ri­ga­li

The Cons­ort of Mu­si­cke, Lei­tung Ant­ho­ny Roo­ley MDG 606 0220-2 Jo­hann Gr­ab­be (1585–1655) war einst selbst In­si­dern kaum be­kannt. Jahr­zehn­te­lang ta­ten sich Mu­sik­for­schung und Pra­xis schwer, dem Mit­schü­ler von Schütz bei Ve­ne­digs Ma­es­tro Gio­van­ni Ga­b­rie­li ge­recht zu wer­den. Die Re­ha­bi­li­tie­rung Gr­ab­bes ist Ant­ho­ny Roo­ley und sei­nem Cons­ort of Mu­si­cke zu dan­ken, das mit Freu­de und Fle­xi­bi­li­tät die oft wi­der­strei­ten­den Af­fek­te aus den 19 Ma­d­ri­ga­len her­aus­kit­zelt. Die Su­che nach ei­nem Auf­nah­me­raum in Gr­ab­bes lip­pi­scher Hei­mat führ­te in die Dorf­kir­che (12. Jh.) in Det­mold- Hei­li­gen­kir­chen. Die So­lis­ten – u. a. Em­ma Kirk­by (So­pran 1) – ste­hen leicht halb­kreis­för­mig: Vor­ne mit­tig: Bass // Mit­te links: Alt Mit­te rechts: Te­nor // Hin­ten links au­ßen: So­pran 1 // Hin­ten rechts au­ßen: So­pran 2

3. Tar­qui­no Me­ru­la La Stra­da

Per flau­to. Ita­lie­ni­sche Block­flö­ten­mu­sik des 17. Jh. Ga­nassi-Cons­ort, Köln MDG 308 0301-2 „Ihr könnt al­so si­cher sein, dass die Flö­te die Auf­ga­be hat, die mensch­li­che Stim­me mit all ih­ren Fä­hig­kei­ten nach­zu­ah­men, denn sie ver­mag es“, so Syl­ve­stro Ga­nassi 1535 in sei­nem Flö­ten­lehr­werk. Er über­rascht mit de­tail­lier­ten Hin­wei­sen zu At­mung, Dy­na­mik, mit aus­ge­feil­ten Griff- und Tril­ler­ta­bel­len und mit ei­ner raf­fi­nier­ten Dop­pel­zun­gen­tech­nik. 100 Jah­re da­nach kom­po­nier­te Tar­qui­no Me­ru­la die So­na­ta con­cer­ta­ta „La Stra­da“, bei der ein spar­sa­mer bas­so con­ti­nuo (Ba­rock-Vio­lon­cel­lo und Cem­ba­lo) den Ober­stim­men frei­es Agie­ren in Dia­log und Wett­streit (con­cert­are) er­mög­licht.

4. Fran­ces­co Man­fre­di­ni „Con­cer­to con una o due Trom­be“D-Dur: Al­le­gro

Trom­pe­ten­kon­zer­te des ita­lie­ni­schen Ba­rock Frie­de­mann Im­mer, Ba­rock­trom­pe­te, Con­cer­to Köln MDG 605 0271-2 Die Ba­rock­trom­pe­te un­ter­schei­det sich mit ­ei­ner Rohr­län­ge von ca. 2,50 m von der mo­der­nen Pic­co­lo-Trom­pe­te (60 cm). Sie bie­tet kei­ner­lei Spiel­hil­fen ( Ven­ti­le wur­den erst nach 1820 er­fun­den), Tö­ne und Tril­ler kön­nen nur durch Lip­pen­span­nung er­zeugt wer­den. Die Auf­nah­me fand 1987 auf der Em­po­re der Im­ma­nu­els­kir­che in Wup­per­tal statt. Nach­dem die Klang­ba­lan­ce ge­fun­den war ( Trom­pe­ten und Or­gel­po­si­tiv wur­den hin­ten ei­ne Stu­fe hö­her plat­ziert), konn­te das gan­ze En­sem­ble mit ei­nem Mi­kro­fon­paar (B&K 4003) auf­ge­nom­men wer­den. Die räum­li­che Staf­fe­lung und die na­tür­li­che dy­na­mi­sche Ab­stu­fung blie­ben so klang­lich er­hal­ten.

5. Clau­dio Mon­te­ver­di Hor che‘l Ciel e la Ter­ra (Aus­schnitt ) (VIII . Ma­d­ri­gal­buch)

Köl­ner Kam­mer­chor, Lei­tung Pe­ter Ne­u­mann MDG 332 0081-2 Mon­te­ver­di ( 1567–1643) voll­zog die wich­tigs­te Wen­de in der Mu­sik­ge­schich­te des be­gin­nen­den 17. Jahr­hun­derts. Ge­ra­de in den Ma­d­ri­gal­bän­den zeigt sich die sys­te­ma­ti­sche Ent­wick­lung des neu­en Stils (sti­le nuo­vo), der in die Man­nig­fal­tig­keit der Opern­kom­po­si­tio­nen füh­ren soll­te. „Hor che‘l Ciel“ist ei­ne Kom­po­si­ti­on auf das be­deu­tends­te Son­net Pe­trar­cas und ei­nes der schöns­ten Ma­d­ri­ga­le Mon­te­ver­dis. Das The­ma ist die Kon­fron­ta­ti­on nächt­li­cher Stil­le in der Na­tur mit dem Auf­ruhr in der Brust des Lie­ben­den, dem nur der Ge­dan­ke an die Ge­lieb­te Ein­halt ge­bie­ten kann.

6. Vi­val­di/Bach Satz 5 (oh­ne ­B ezeich­nung) aus: Con­cer­to d-Moll op.3 Nr.11, BWV 596

Chris­ti­an Col­lum spielt an der his­to­ri­schen Baltha­sar-Kö­nig-Or­gel (1727) in Klos­ter St­ein­feld/Ei­fel MDG 606 0276-2 Vi­val­di (1677–1741) brach­te die ita­lie­ni­sche Kon­zert­form – den Wett­streit der So­lo­in­stru­men­te mit dem Tut­ti­orches­ter – zur Blü­te des Hoch­ba­rock. Bach über­trug vie­le Strei­cher­kon­zer­te auf die Or­gel, So­li und Tut­ti- Pas­sa­gen wer­den ab­wech­selnd auf dem Ma­nu­al von Rück­po­si­tiv und Haupt­werk ge­spielt. Ein Or­gel­bau­meis­ter muss das In­stru­ment an die Akus­tik des Kir­chen­raums an­pas­sen. Die­se „In­to­na­ti­on“, bei der je­de Pfei­fe vom tiefs­ten Pe­dal­bass bis zu den oft nur Mil­li­me­ter mes­sen­den Mix­t­ur­röhr­chen per Ge­hör ein­ge­stellt wird, dau­ert oft Mo­na­te. Ziel ei­ner Auf­nah­me muss es al­so sein, auch den Raum­klang zu do­ku­men­tie­ren.

7. Hän­del Sui­te in G-Dur: Pour les Chass eurs

Kon­zer­tan­te Ba­rock­mu­sik Phil­har­mo­nia da Ca­me­ra, Lei­tung Micha­el Hölt­zel MDG 633 0185-2 Den Über­gang von der Auf­füh­rungs­wei­se mit his­to­ri­schen zu der mit mo­der­nen In­stru­men­ten mar­kiert ein Hör­nerPas­tic­cio aus Hän­dels Oper „Il pas­tor ­fi­do“. Die Auf­stel­lung der Mu­si­ker bei der Auf­nah­me war nicht ein­fach, denn Di­ri­gent Hölt­zel war auch Horn­so­list. Schon zu St.- Hu­ber­tus-Zei­ten war das di­rekt aus dem Schall­trich­ter Kom­men­de nicht für das Ohr be­stimmt – erst Re­fle­xio­nen er­ge­ben das war­me Klang­bild. Al­so muss­te Hölt­zel auf den hin­te­ren Plät­zen bril­lie­ren, wo­für sich die Kon­den­sa­tor­mi­kro­fo­ne ar­tig be­dank­ten.

8. Lou­is Fran­cois Dau­prat Grand Sextu­or für sechs Hör­ner C-Dur, Fi­na­le: Al­le­gro mo­de­ra­to (Aus­schnitt )

Die Det­mol­der Hor­nis­ten, Lei­tung Micha­el Hölt­zel MDG 324 0087-2 Dau­prat (1781– 1868) war ein füh­ren­der Horn­vir­tuo­se sei­ner Zeit und wirk­te am Pa­ri­ser Con­ser­va­toire. So ist die­ses Sex­tett im Kreis sei­ner Meis­ter­schü­ler si­cher oft ge­spielt wor­den. Für die Auf­nah­me wur­de die fül­li­ge Akus­tik der Lu­ther­kir­che in Det­mold ge­wählt. Die sechs So­lis­ten sit­zen er­kenn­bar im Halb­rund, der ers­te

Hor­nist rechts, der tiefs­te links – er ver­rät sich mit leich­tem Klap­pern der Mecha­nik. Na­tur­ge­mäß strahlt das Horn nach hin­ten ab, zum Hö­rer ge­lan­gen nur die re­flek­tier­ten Klän­ge. Dies er­gibt den un­nach­ahm­lich wei­chen, ty­pi­schen Hörn­erklang. Ne­ben zwei Haupt­mi­kro­fo­nen (KM 84) wur­den (akus­tisch lauf­zeit­ver­zö­gert) zwei Raum­mi­kro­fo­ne (KM 83) ver­wen­det. Wer ge­nau hin­hört, kann im Schluss­ak­kord so­gar ein ma­kel­los hin­ge­zau­ber­tes „Ho­hes C“be­wun­dern.

9. Mau­ro Gi­u­lia­ni GroSS e ­S ona­te A-Dur – Al­le­gret­to ­es­pres­si­vo

Ga­lan­te Mu­sik für Flö­te und Gi­tar­re Paul Mei­sen, Flö­te; Rein­bert Evers, Gi­tar­re MDG 302 0061-2 In Apu­li­en ge­bo­ren, ließ sich Gi­u­lia­ni 1806 in der Kai­ser­stadt Wi­en nie­der und galt in­ner­halb kür­zes­ter Zeit als der größ­te le­ben­de Gi­tar­rist: „Man muß die­sen Künst­ler durch­aus selbst ge­hört ha­ben, um sich ei­nen Be­griff von der un­ge­mei­nen Fer­tig­keit und sei­nem präci­sen, ge­schmack­vol­len Vor­tra­ge ma­chen zu kön­nen.“( All­gem. Mu­si­ka­li­sche Zei­tung, Wi­en, 18. Mai 1808) Ne­ben sei­nem Vir­tuo­sen­tum blieb Gi­u­lia­ni zeit­le­bens ge­fei­er­ter All­round- Mu­si­ker – bei der Urauf­füh­rung von Beet­ho­vens 7. Sin­fo­nie strich er so­gar das Vio­lon­cel­lo.

10. Fried­rich Witt Sep­tett F-Dur – Fi­na­le. Al­le­gret­to

Kreutzer Sep­tett op. 62; Witt; Sep­tett F-Dur; ­Cha­ris- En­sem­ble MDG 308 0232-2 Das am 2. April 1800 ur­auf­ge­führ­te Sep­tett Beet­ho­vens in ei­ner ge­misch­ten Be­set­zung für Vio­li­ne, Vio­lon­cel­lo, Kon­tra­baß, Kla­ri­net­te, Horn, und Fa­gott war Ab­schluss und Hö­he­punkt der glanz­vol­len Ge­sell­schafts­mu­sik des 18. Jahr­hun­derts. Fried­rich Witt und Con­ra­din Kreutzer knüp­fen un­mit­tel­bar dar­an an. Nach den drei ein­lei­ten­den Ak­kor­den, die Auf­schluss über den Nach­klang des Auf­nah­me­raums ge­ben, wird je­des In­stru­ment im Zu­sam­men­klang, aber auch so­lis­tisch prä­sen­tiert, so­dass sich der Sitz­plan vir­tu­ell nach­voll­zie­hen lässt.

11. Jo­hann Ne­po­muk Hum­mel Kla­vier­quin­tett – Al­le­gro ­agi­ta­to (Aus­schnitt)

Hum­mel: Quin­tett es-Moll op. 87 Ber­ti­ni: Sex­tett E-Dur op. 90 Se­stet­to Clas­si­co MDG 308 0067 Hum­mel, 1778 in Preß­burg ge­bo­ren, kam mit acht Jah­ren als Wun­der­kind nach Wi­en und wur­de Schü­ler und Haus­ge­nos­se Mo­zarts. Die Ein­spie­lung zeigt Kam­mer­mu­sik in un­ge­wöhn­li­cher Be­set­zung: Zum Kla­vier tritt ne­ben Vio­li­ne, Vio­la und Vio­lon­cel­lo der Kon­tra­bass – Schu­berts be­rühm­te „fünf Fo­rel­len“. Für die Auf­nah­me muss­te das Par­kett im Kam­mer­mu­sik­saal der Oet­ker­hal­le in Bie­le­feld von ei­nem rie­si­gen Tep­pich be­freit wer­den, da­mit die In­stru­men­te in ih­rer na­tür­li­chen Auf­stel­lung auf­ge­nom­men wer­den konn­ten (Haupt­mi­kro­fo­ne: zwei Scho­eps MK2), wo­bei der St­ein­way- Flü­gel (1912) ei­ne Spur an­ge­stützt stand (zwei MK3), weil er von den da­vor ste­hen­den Strei­chern ver­deckt wur­de. Der Kon­tra­bass „steht“halb­rechts hin­ter dem Cel­lo. Für den Raum­klang wur­den au­ßer­dem zwei KM83 in ca. 3 m Ent­fer­nung spen­diert.

12. Clau­de De­bus­sy Kla­vier­trio – Scher­zo in­ter­mez­zo

De­bus­sy, Ra­vel: Kla­vier­tri­os Trio Par­nas­sus MDG 303 0272 Die mu­sik­wis­sen­schaft­li­che Archäo­lo­gie för­dert im­mer wie­der Wer­ke ans Ta­ges­licht, die als ver­schol­len gal­ten. So auch De­bus­sys Früh­werk, von des­sen Exis­tenz man zwar wuss­te, des­sen Spu­ren aber ver­lo­ren ge­gan­gen wa­ren. 1979 er­schien der ers­te Satz in ei­ner Pa­ri­ser Auk­ti­on, 1982 ent­deck­te man die drei üb­ri­gen Sät­ze. Erst­auf­nah­me mit zwei Bru­el & Kja­er 4003, St­ein­way D- Flü­gel (1986), His­to­ri­scher Reit­stadl, Ne­u­markt.

13. Je­an Fran­caix Quin­tett für Flö­te, Oboe, Kla­ri­net­te, Horn und Fa­gott (1948) – Pres­to

Blä­ser­quin­tet­te von Fran­caix, Hin­de­mith, Ibert und Taf­fa­nel. Sy­rinx Quin­tett MDG 3291 Die­se Auf­nah­me (ADD) ist ei­ne der ers­ten Pro­duk­tio­nen von MDG; sie wur­de 1978 in der Kir­che der Karls­hö­he, Stutt­gart, pro­du­ziert. Ob­wohl es zu die­ser Zeit noch kei­ne di­gi­ta­le Auf­zeich­nung gab, ist der Rausch­pe­gel mi­ni­mal. Das Band­ge­rät Stu­der B 67 wur­de sei­ner­zeit vor je­der Auf­nah­me auf die spe­zi­el­le Band­char­ge ein­ge­mes­sen, es wur­den prin­zi­pi­ell kei­ne Rausch­un­ter­drü­ckungs­sys­te­me (Dol­by, etc.) ver­wen­det, um das Si­gnal mög­lichst un­ver­fälscht auf­zu­neh­men und na­tür­li­che Tie­fen­staf­fe­lung des En­sem­bles zu er­hal­ten.

14. Ben­ja­min Brit­ten Mo­to per­pe­tuo 15. Ben­ja­min Brit­ten Aria Ita­lia­na

Bar­tok: Di­ver­ti­men­to für Strei­cher, Brit­ten: ­Va­ria­tio­nen über ein The­ma von Frank Bridge Polnisches Kam­mer­or­ches­ter, Jer­zy Mak­sy­mi­uk MDG 321 0180-2 Seit sei­ner Ent­ste­hung als Ex­amens­ar­beit ge­hört Brit­tens op. 10, ein hoch­vir­tuo­ses Va­ria­ti­ons­werk, zum Re­per­toire der bes­ten Kam­mer­or­ches­ter. Für die Auf­nah­me stand das brand­neue Stu­dio des Pol­ni­schen Rund­funks in War­schau zur Ver­fü­gung. Die dor­ti­gen Kol­le­gen wa­ren so in­ter­es­siert wie hilfs­be­reit bei die­ser akus­ti­schen „Erst­ein­spie­lung“. Nach­dem die Cel­lis­ten mit ih­rem St­a­chel die ers­ten Lö­cher ins na­gel­neue Par­kett ge­bohrt hat­ten, No­ten­stän­der und Stüh­le pla­ziert wa­ren, war die op­ti­ma­le Klang­ba­lan­ce schnell er­reicht. Nur er­zwang das hör­ba­re Tem­pe­ra­ment von Jer­zy Mak­sy­mi­uk ei­ne Dämp­fung – der Di­ri­gent wur­de auf ei­nen Tep­pich ge­stellt.

16. Trot­to, 14/15. Jh.

Mu­sik des Mit­tel­al­ters und der Re­nais­sance Duo Me­di­ter­ra­neo, Jan­nis Kai­ma­kis, Is­sam El Mal­lah MDG 605 0225-2 Ein Brü­cken­schlag zwi­schen den Kul­tu­ren und den Jahr­hun­der­ten. Die no­ten­schrift­li­che Über­lie­fe­rung der Mu­sik des Mit­tel­al­ters ist karg. Auf der Ba­sis der me­di­ter­ra­nen Spiel­pra­xis brin­gen die Mu­si­ker viel­far­bi­ge Tän­ze des 14. bis 16. Jahr­hun­derts auf Ori­gi­nal­in­stru­men­ten wie Au­los, Krumm­horn, Ban­dir, Ri­qq, Bon­gos, Lau­te, Du­del­sack und Pfei­fe zu Ge­hör, das Schlag­in­stru­ment „Taar“ist in Ku­wait be­hei­ma­tet.

17. Sa­mu­el Scheidt Pas­sa­mez­zo-Va­ria­ti­on 15

Hass­ler/Scheidt: Va­ria­tio­nen für Cem­ba­lo Wal­de­mar Dö­l­ing (Cem­ba­lo von E. Merz­dorf) MDG 605 0074-2

Dö­l­ing spielt auf ei­nem Ru­ckers- Nach­bau in mit­tel­tö­ni­ger Stim­mung. Das be­deu­tet sehr rei­ne, sau­be­re Klän­ge, aber nur in we­ni­gen Ton­ar­ten. Wenn der Kom­po­nist plötz­lich in ent­fern­te Ton­ar­ten springt, ist in der je­wei­li­gen Stro­phe be­stimmt von Teu­feln die Re­de. Auf­nah­me in der Ora­ni­en­burg des Schlos­ses Nord­kir­chen, Mi­kro­fo­ne: zwei MK2 auf Ste­reo­schie­ne, Hö­he ca. 1,80 m; Ent­fer­nung: 2,10 m; für Rau­min­for­ma­ti­on zwei MK2 ( A/ B), akus­tisch lauf­zeit­ver­zö­gert.

18. Ro­bert Schu­mann Fan­ta­siestü­cke – Aufs chwung

Ro­bert Schu­mann: Fan­ta­siestü­cke op. 12, ­Hu­mo­res­ke op. 20. Jörg De­mus, Ham­mer­flü­gel Con­rad Graf, 1835 MDG 604 0150-2 De­mus spielt die­se Wer­ke auf ei­nem der we­ni­gen er­hal­te­nen Ham­mer­flü­gel von Con­rad Graf aus der Ent­ste­hungs­zeit der Wer­ke. Die Auf­nah­men fan­den zu nächt­li­cher St­un­de im Fest­saal des his­to­ri­schen Erb­dros­ten­hofs in Müns­ter statt, da tags­über Au­ßen­ge­räu­sche ei­ne kon­zen­trier­te Ar­beit nicht zu­lie­ßen. Der far­bi­ge Raum­klang des fest­lich aus­ge­schmück­ten Saals ent­schä­digt für ei­ne Viel­zahl von „au­ßer­ir­di­schen“Be­läs­ti­gun­gen wäh­rend der Ein­spie­lung. Dass zwei der his­to­ri­schen Häm­mer den Stra­pa­zen nicht ge­wach­sen wa­ren, brach­te wei­te­re Un­ter­bre­chun­gen mit sich – ein Re­stau­ra­tor muss­te Hand an­le­gen.

19. Beet­ho­ven Al­le­gro ­pe­s­an­te e ri­so­lu­to; Pres­to

Beet­ho­ven: 33 Ve­rän­de­run­gen über ei­nen Wal­zer von Dia­bel­li op. 120 Fried­rich Wil­helm Schnurr, Kla­vier MDG 604 0068-2 Schnurrs Fas­sung ist von ge­schlos­se­nem Aus­druck: temperamentvoll, en­thu­si­as­tisch, sehr „beet­ho­ve­nisch“in Ton­fall und Geist. Er hat ei­nen su­per­ben An­schlag und zeich­net die so un­ter­schied­li­chen Va­ria­tio­nen mit Leich­tig­keit und Prä­zi­si­on. Auf­nah­me im Kam­mer­mu­sik­saal der Oet­ker­hal­le Bie­le­feld an ei­nem St­ein­way- D- Kon­zert­flü­gel von 1912. Dies war 1982 die ers­te von MDG di­gi­tal auf­ge­nom­me­ne (und ge­schnit­te­ne) Kla­vier­pro­duk­ti­on; die Auf­zeich­nung er­folg­te über den Pro­zes­sor So­ny- PCM 100 und Re­kor­der SLO 353. An­sons­ten wur­den ver­wen­det: zwei Ne­u­mann KM 84

und 2 KM 83 (Raum), ein Misch­pult Stu­der 269 und Quad- Elek­tro­sta­ten.

20. Fer­di­nand Ries 7 Prä­lu­di­en aus op. 60

Vin­zenz Lach­ner: 42 Va­ria­tio­nen über die C-Dur-Ton­lei­ter; Fer­di­nand Ries: 40 Pré­ludes für das Pia­no­for­te op. 60 Jost Micha­els, Kla­vier MDG 308 0279-2 Jost Micha­els ist be­kannt für vie­le Ein­spie­lun­gen – als Kla­ri­net­tist. Vi­el­leicht ist Ih­re Über­ra­schung dar­über, ihn hier als Pia­nis­ten zu hö­ren, eben­so groß wie über die vor­ge­stell­ten Ra­ri­tä­ten. Die 40 Prä­lu­di­en von Ries dau­ern nur we­ni­ge Se­kun­den und sind als Vor­spie­le zum Kon­zert ge­dacht – sei es, um dem Künst­ler ein Tes­ten des In­stru­ments oder dem Pu­bli­kum ein Ein­hö­ren in die Akus­tik zu er­mög­li­chen. Noch Pia­nis­ten wie Back­haus oder Li­pat­ti ha­ben vor dem ei­gent­li­chen Vor­trag so im­pro­vi­siert.

21. Hän­del Har­fen­kon­zert – An­dan­te ­al­le­gro (Aus­schnitt)

Kon­zer­tan­te Ba­rock­mu­sik: Bach, Hän­del, Scar­lat­ti. Gi­sel­le Her­bert, Har­fe Phil­har­mo­nia da Ca­me­ra, Lei­tung Micha­el Hölt­zel MDG 633 0185-2 Es ist ei­nes sei­ner po­pu­lärs­ten Stü­cke: Hän­dels Kon­zert für Har­fe, zwei Vio­li­nen und Ge­ne­ral­bass op.4 Nr.6 wur­de in Co­vent Gar­den 1736 ur­auf­ge­führt. Bei op­ti­ma­ler Laut­spre­cher­pla­zie­rung soll­te sich für das Orches­ter ein nach hin­ten ge­staf­fel­ter Halb­kreis er­ge­ben, vor dem die Har­fe leicht rechts im Vor­der­grund pla­ziert ist. Sie kor­re­spon­diert mit den im Tut­ti links spie­len­den ers­ten Vio­li­nen. An die ers­ten schlie­ßen sich die zwei­ten Vio­li­nen an. Die Con­ti­nuo- Grup­pe be­fin­det sich rechts, sie be­steht aus Cem­ba­lo (ita­lie­nisch, oh­ne De­ckel), Vio­lon­cel­li und Kon­tra­bass (ganz au­ßen).

22. Beet­ho­ven Equa­le – Po­co sos­te­nu­to 23. Clau­de Ger­vai­se (16. Jh.) Gail­lar­de 24. Pier­re Max Du­bo­is Qua­tu­or – Al­le­gro ben mar­ca­to

Po­sau­nen­quar­tet­te (2) West­fä­li­sches Po­sau­nen­quar­tett MDG 324 0295-2 Ein paar be­lie­bi­ge Tak­te ge­nü­gen, um die Leich­tig­keit, die Aku­ra­tes­se des Zu­sam­men­spiels, die klang­li­che und ge­stal­te­ri­sche Über­ein­stim­mung der vier Po­sau­nis­ten zu er­ken­nen. Span­nend und hin­rei­ßend ge­lin­gen die mo­der­nen Wer­ke, die ein Höchst­maß an tech­ni­scher und in­ter­pre­ta­to­ri­scher Fä­hig­keit ver­lan­gen, um im Zu­sam­men­spiel ein sol­ches Feu­er­werk hu­mo­ris­ti­scher Ef­fek­te ver­sprü­hen zu las­sen.

25. Ros­si­ni Quar­tett Nr.3 – Al­le­gro

Gioac­chi­no Ros­si­ni: Sechs Quar­tet­te für Flö­te, Kla­ri­net­te, Horn und Fa­gott Con­sor­ti­um Clas­si­cum MDG 301 0207 Bei die­sem Klang­bei­spiel „eig­nen sich die zu­erst se­pa­rat, da­nach im Wech­sel­spiel agie­ren­den Blas­in­stru­men­te für Hör­tests. Vor al­lem die gut durch­hör­ba­ren Klang­far­ben und die prä­zi­se räum­li­che Zeich­nung der In­stru­men­te er­leich­tern die Beur­tei­lung von Laut­spre­chern“, schrieb AU­DIO 1985.

26. Mo­zart Di­ver­ti­men­to KV 137 – Al­le­gro di mol­to

En­co­res – Be­rühm­te Zu­ga­ben aus Ba­rock und Klas­sik. Polnisches Kam­mer­or­ches­ter Lei­tung Jer­zy Mak­sy­mi­uk MDG 321 0181-2 Die­se Pro­duk­ti­on gab es bis­lang nur auf LP als Di­gi­tal Re­cor­ding; die­se Auf­zeich­nung hat auch bei Vi­nyl Vor­zü­ge. Stu­di­en der Po­ly­gram ha­ben ge­zeigt, dass hör­ba­re Ver­zer­run­gen ana­lo­ger Schall­plat­ten in di­rek­tem Zu­sam­men­hang mit den Ma­gnet­band­ver­zer­run­gen ste­hen. Bei der Wie­der­ga­be ad­die­ren sich die an sich un­hör­ba­ren Klirr­fak­to­ren (K3) des Ban­des und die der Plat­te (K2) und füh­ren zu deut­li­chen Klang­ver­än­de­run­gen. Da es bei der Di­gi­talauf­zeich­nung kei­ne Ver­zer­run­gen gibt, sind die Ei­gen­ver­zer­run­gen der Vi­nyl-Wie­der­ga­be viel we­ni­ger hör­bar. Ein plas­ti­sche­res Klang­bild, grö­ße­re Rä­um­lich­keit und hö­he­re Dy­na­mik be­deu­ten ei­ne bes­se­re Klang­qua­li­tät.

27. Er­man­no Wolf-Fer­ra­ri Kla­vier­quin­tett op.6 – Ca­pric­cio (Aus­schnitt)

Er­man­no Wolf-Fer­ra­ri: Kam­mer­mu­sik Wolf­gang Sa­wal­lisch, Kla­vier, Leo­pol­der Quar­tett MDG 308 0310 Vor dem ers­ten Welt­krieg ge­hör­te der Deutsch- Ita­lie­ner Er­man­no Wolf- Fer­ra­ri (1876–1948) zu den meist­ge­spiel­ten Opern­kom­po­nis­ten sei­ner Zeit. Sei­ne Kam­mer­mu­sik ist völ­lig in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. Die um die Jahr­hun­dert­wen­de in Mün­chen ent­stan­de­nen Früh­wer­ke tra­gen in der Su­che nach neu­er Form­spra­che dem Ju­gend­stil ver­gleich­ba­re Merk­ma­le: über­sicht­li­che The­ma­tik mit klas­si­scher Form­ge­bung, über­ra­schen­de Har­mo­nie­wen­dun­gen, for­mal hoch­in­ter­es­san­te und rhyth­misch kom­pli­zier­te, rei­che Or­na­men­tik.

28. We­ber Vic­to­ria,Vic­to­ria! 29. We­ber Bau­ern-Marsch

Carl Ma­ria von We­ber: Der Frei­schütz (Har­mo­nie­mu­sik) Con­sor­ti­um Clas­si­cum MDG 301 0267-2 „In dem Au­gen­blick, da der Vor­hang auf­geht, im 11. Tak­te fällt ein Schuß …“steht in We­bers Ma­nu­skript. Klar, dass wir uns das nicht ent­ge­hen las­sen konn­ten. Wer nun aber Ka­no­nen­don­ner er­war­tet, muss ent­täuscht wer­den von der thea­tra­len Wirk­lich­keit, die nun mal kein Schie­ßen auf Spat­zen zu­läßt, son­dern ­le­dig­lich ein ent­fern­tes, dem jähr­li­chen klein­ka­li­bri­gen Schüt­zen­fest nach­emp­fun­de­nes au­dio­phi­les „Pleng“.

30. Ros­si­ni Glo­ria: Cum sanc­to spi­ri­tiu – Al­le­gro a capp el­la

Gioa­chi­no Ros­si­ni: Pe­ti­te Mes­se So­len­el­le für 4 So­lo­stim­men, Chor, zwei Kla­vie­re und H­ar­mo­ni­um Bach­chor Gü­ters­loh, Lei­tung ­Her­mann Kreutz MDG 1003/4 Die al­ler­ers­te MDG-Auf­nah­me! Der un­be­kann­te Pres­se­fo­to­graf, der sich aus­ge­rech­net vom schwung­vol­len „Cum sanc­to spi­ri­tu“zu ei­ner nicht en­den­wol­len­den Fo­to­gra­fier­or­gie (Spie­gel­re­flex­ka­me­ra!) hin­rei­ßen ließ, ist nicht über­hör­bar – wir ha­ben sei­nen Er­folg lei­der nie zu Ge­sicht be­kom­men …

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