est Can­ton Smart Ven­to 9

Kraft muss sein. Can­ton hat da­für di­gi­ta­le End­stu­fen zu ei­nem Ak­tiv­mo­dul ver­eint, das jetzt die Smart Ven­to 9 be­feu­ert. Wer nach­rech­net, staunt über den hu­ma­nen Preis. Wer nach­hört, staunt über wun­der­ba­ren Druck und Dri­ve.

Audio - - INHALT - Von Andreas Gün­ther

Ak­tiv und smart: die neu­es­te Krea­ti­on aus dem Hau­se Can­ton. Draht­lo­se Über­tra­gung ist eben­so mög­lich wie PC/ Mac-An­schluss per USB.

Be­stän­dig­keit ist ein schö­nes Wort. Und ein noch schö­ne­rer Wert. Doch wo gibt es Be­stän­dig­keit in un­se­rer Welt? Von po­li­ti­schen Dis­kus­sio­nen wol­len wir ein­mal kom­plett ab­se­hen. Schau­en wir lie­ber in die uns be­kann­te Welt des High- End. Hier wird stünd­lich ein neu­es Kon­zept, ein neu­es De­sign über das Eis ge­trie­ben. Schön – das zeigt, wie le­ben­dig die Bran­che ist. Doch manch­mal wünscht man sich die ru­hi­ge Hand, die fei­ne Ge­rad­li­nig­keit. Hier stellt sich Can­ton wie ein Mo­no­lith auf. Das De­sign ist strin­gent, die Form­spra­che klar, und trotz­dem ist die Wei­ter­ent­wick­lung ge­wal­tig. Fast wie bei Apple. Auch bei der Com­pa­ny aus Ka­li­for­ni­en wird re­gel­mä­ßig ein neu­es Fi­nish prä­sen­tiert. Doch die Neu­hei­ten füh­ren die be­ste­hen­den Kom­po­nen­ten nie in Miss­kre­dit. Mit dem schö­nen Ef­fekt, dass sich Be­sit­zer der Vor­gän­ger­ge­ne­ra­ti­on nie zum Al­ten Ei­sen ge­wor­fen füh­len.

Su­per­be Oh­ren

Ge­nau­so agiert Can­ton. Die Stra­te­gen im Tau­nus ver­kau­fen höchs­te Wert­sta­bi­li­tät und den­noch stets evo­lu­tio­nä­re Wei­ter­ent­wick­lung. Es gibt im Can­ton-Team ei­nen Hel­den, den Chef­ent­wick­ler Frank Göbl. Der Mann steht seit Jah­ren für Sta­bi­li­tät und groß­ar­ti­gen Klang. Er hat das fei­ne Händ­chen und zwei su­per­be Oh­ren – er er­schafft ei­ne ge­wal­ti­ge Pa­let­te, vom klei­nen, ehr­li­chen Kom­pakt­laut­spre­cher bis zur manns­ho­hen Edel­box. Als der ers­te Schnee­fall ein­setz­te, war er wie­der bei uns und brach­te sei­nen jüngs­ten Ent­wurf mit – die Smart Ven­to 9. „Smart“steht da­bei für die um­fas­sen­de Ak­ti­vie­rung: Die­ser Laut­spre­cher braucht kei­ne End­stu­fe, kei­ne Vor­stu­fe, kei-

nen Di­gi­tal­wand­ler – al­les wur­de in den Rü­cken der Stand­box in­te­griert. Ka­bel kön­nen ge­kappt, ex­ter­ne Elek­tro­nik ver­kauft wer­den. 4400 Eu­ro schreibt Can­ton auf das Preis­schild des Pär­chens. Wer das Ge­samt­kon­zept hoch­rech­net, muss von ei­nem Preis/ Leis­tungs­kämp­fer spre­chen. Wer sich den Spaß er­lau­ben will, der surft über die Web­sei­te von Can­ton. Dort wird er die Ven­to 896.2 DC ent­de­cken und stau­nen: Die sieht ja ge­nau­so aus wie die neue Smart Ven­to 9. Rich­tig, aber mit ei­nem ent­schei­den­den Un­ter­schied: Die 896.2 DC ist äl­ter und passiv. Als Preis setzt Can­ton 3500 Eu­ro an. Wer al­so et­was Re­chen­kunst auf­bie­ten kann, kommt schnell zu dem Schluss, dass die Smart Ven­to 9 für 900 Eu­ro mehr ei­nen kom­plet­ten Voll­ver­stär­ker auf­bie­tet und da­zu

Sog­kraft im Li­ve­pan­ora­ma

noch al­le Klang­zu­gän­ge der mo­der­nen Zeit. Aber­mals: Ein Laut­spre­cher­ka­bel ist nicht mehr nö­tig. Die mit­ge­lie­fer­te Fern­be­die­nung wird da­für um­so wich­ti­ger. Ein Laut­spre­cher agiert als Mas­ter, das Pen­dant wird als Sla­ve ein­ge­bun­den. Zwi­schen den Bo­xen kön­nen die Mu­sik­in­hal­te ka­bel­los flie­ßen. Auch hin­ein kann es frei von Si­gnal­strip­pen ge­hen. Wenn ich bei­spiels­wei­se mein Smart­pho­ne zü­cke und die Ven­to als Klang­quel­le aus­wäh­le. Dann er­folgt der Stream per Blue­tooth im an­spruchs­vol­len ap­tX- For­mat. Na­tür­lich kann ich auch Ka­bel ver­le­gen. Wer es ganz au­dio­phil ha­ben möch­te, strickt ein XLR- Ka­bel in den Ein­gang der Smart Ven­to 9. Wer an sei­ner Qu­el­le nicht über den sym­me­tri­schen Aus­gang ver­fügt, der nimmt ein Cinch- Ka­bel. Bei­des ver­mag die Can­ton aus­zu­le­sen. Und mehr noch: Auch vom Com­pu­ter kann ein USB- Ka­bel zu­ge­führt wer­den. Auch im Sze­na­rio ne­ben dem Fern­se­her macht das Pär­chen bel­la fi­gu­ra. Ein­fach mit dem Blu­ray- Play­er ver­bin­den – der Cen­ter wird vir­tu­ell er­schaf­fen. dts und Dol­by Di­gi­tal sind für den in­ter­nen Wand­ler kei­ne Fremd­spra­chen. Das DSP ist so mäch­tig, dass al­le klang­li­chen Wirr­nis­se des Hör­rau­mes aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen, eben­so ei­ne ver­setz­te Auf­stel­lung – nicht nur per Ba­lan­ce, son­dern auch per Delay.

Ma­de im Tau­nus

Al­les wur­de im Tau­nus er­dacht und ge­fer­tigt. Na­tür­lich auch die Chas­sis. In der Tie­fe wal­ten zwei Mem­bra­nen mit 20 Zen­ti­me­tern in der Dia­go­na­le, ge­fer­tigt aus Ti­ta­ni­um. Aus dem glei­chen Ma­te­ri­al wird auch der Mit­tel­tö­ner ge­baut, der bei 180 Hertz an­springt. Ab 3100 Hertz über­nimmt ei­ne Ke­ra­mik­ka­lo­t­te.

Ein Ju­gend­li­cher wür­de sa­gen: Wir wa­ren „an­ge­fixt“, noch be­vor die Smart Ven­to 9 in un­se­ren Hör­raum kam. Der Auf­bau dau­er­te we­ni­ger als fünf Mi­nu­ten, dann der Griff zum Strea­mer und auf das groß­ar­tig neue Mas­te­ring des Wei­ßen Al­bums der Beat­les in 24 Bit – ein Er­leb­nis. Nie zu­vor ist der Dü­sen­jet zum ers­ten Ti­tel ein­drucks­vol­ler hin­ein­ge­rauscht: „Back in the USSR“– was für ein Ein­stieg in ein Dop­pel­al­bum. Die Smart Ven­to 9 stell­te die Gi­tar­ren weit vor die Mem­bra­nen, der Schub war fan­tas­tisch. Dann der Ein­satz der Sing­stim­me von Paul McCart­ney – ul­tras­ta­bil, mit Dri­ve. Un­fass­bar, dass die Ori­gi­nal­bän­der 50 Jah­re alt sind. Die EMI-Ton­tech­ni­ker konn­ten ihr Hand­werk, eben­so der Ent­wick­ler bei Can­ton. Wir ho­len den Su­per­la­tiv her­aus: Nie ha­ben wir die­sen Song kna­cki­ger ge­hört. Auch und ge­ra­de ein star­kes Ar­gu­ment für die Elek­tro­nik. Dass Can­ton su­per­be Chas­sis bau­en kann, dar­an ha­ben wir nie ge­zwei­felt. Aber da­zu die­se Spiel­freu­de der di­gi­ta­len End­stu­fen – ein Hoch­amt. Ganz hei­ßer Tipp, ganz kühl um­ge­setzt – die Elek­tro­nik ge­riet nie ins Schwit­zen, der Rü­cken der Ven­to blieb kühl wie Mar­mor. Was uns auf­reiz­te. Jetzt woll­ten wir das ganz gro­ße Orches­ter zu­spie­len. Am bes­ten die größ­te Sym­pho­nie, die je ge­schrie­ben wur­de. Hier kann es kei­ne Kon­kur­renz mit der Ach­ten Sym­pho­nie von Gus­tav Mah- ler auf­neh­men. Der Kom­po­nist wünsch­te sich hun­der­te von Orches­ter­mu­si­kern, da­zu acht So­lis­ten und gleich meh­re­re Chö­re. Im Fi­na­le wird es laut, wirk­lich laut. Kaum ei­ne Auf­nah­me hat die­se Ex­trem­dy­na­mik so ehr­lich ein­ge­fan­gen wie ei­ne SACD aus dem Con­cert­ge­bouw zu Ams­ter­dam. Ma­riss Jan­sons di­ri­giert. Es wird warm, sehr warm; der Te­nor strahlt, die Or­gel setzt ein und al­le Mu­si­ker sind im For­te- Mo­dus. Man­che Laut­spre­cher fal­len dann tot nach hin­ten um. Nicht so die Smart Ven­to 90 – das Pan­ora­ma blieb sta­bil, da­zu ei­ne Sog­kraft von Li­ve- Aus­ma­ßen. Viel zu schnell sa­gen wir „atemberaubend“– doch hier stock­te tat­säch­lich die Lun­ge, hier ka­pi­tu­lier­te das Hirn, hier stell­te sich der gro­ße, schö­ne Klang­rausch ein. So fühlt sich au­dio­phi­les Glück an. So fühlt sich aber auch fi­nan­zi­el­les Glück an. Die Smart Ven­to 9 ist in al­len ih­ren Rei­zen er­staun­lich güns­tig und fort­an ein Preis/ Leis­tungs­kra­cher in un­se­rer Bes­ten­lis­te.

Dampf nach Un­ten: Die Bass­re­flex­öff­nung wur­de in den Bo­den ver­legt – de­fi­niert geht es über den So­ckel hin­aus.

Herr schaft: Die Fern­be­die­nung ist un­ab­ding­bar – hier­über wer­den Qu­el­len, Fein­ein­stel­lun­gen und Laut­stär­ke ge­steu­ert.

Mo­der­ner Klas­si­ker: Die Form­spra­che der Smart Ven­to 9 wür­de je­des Bau­hausWohn­zim­mer adeln.

Meis­ter und Skla­ve: Die bei­den Ak­tiv­laut­spre­cher kön­nen kom­plett ka­bel­los mit­ein­an­der ver­kop­pelt wer­den. Die Ein­gangs­op­tio­nen sind opu­lent, in­klu­si­ve XLR.

Drei­fach ge­fal­tet: In al­len Mo­del­len der Ven­to-Se­rie setzt Can­ton auf ei­ge­ne Pa­ten­te, wie die spe­zi­el­le Si­cke und ei­ne Mem­bran aus Ti­ta­ni­um.

Was man wis­sen muss : Im Fuß hat Can­ton ein kom­pak­tes Dis­play ein­ge­las­sen. Hier er­schei­nen Qu­el­len und Fein­ein­stel­lung.

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