Star­ke Rip­pe

Alu­mi­ni­um ist schön. Aber ei­ne Di­va. Die be­herrscht sein will – Gau­der Akus­tik stellt mit der DARC 80 ei­nen Traum­wand­ler vor, sicht­bar wie hör­bar. Al­lein: Wir müs­sen fest dar­auf spa­ren.

Audio - - STANDBOX - Von Andreas Gün­ther

Wie sieht der mo­der­ne Rit­ter­schlag für ei­nen Laut­spre­cher­her­stel­ler aus? Ganz na­iv wä­re die Ant­wort: Er fin­det sei­ne Ziel­grup­pe, die Um­sät­ze schie­ßen durch die De­cke, die Mil­lio­nen flie­ßen auf sein Kon­to. Die­sen Glücks­fall gibt es im heu­ti­gen Ge­schäft nicht mehr. Je­der Her­stel­ler ver­dient in klei­nen Schrit­ten sei­ne eben­falls klei­nen Bröt­chen. Al­so? Die Wunsch­fee könn­te ei­nen In­ves­tor schi­cken. So ist es Gau­der Akus­tik wi­der­fah­ren. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für For­schung und Ent­wick­lung hat sei­ne neu­es­ten Ein­fäl­le ge­spon­sert. Das war kei­ne Rie­sen­sum­me; da wird man nicht satt – aber das Zei­chen ist ge­wal­tig. Eben der er­sehn­te Rit­ter­schlag. Die Be­am­ten des Mi­nis­te­ri­um hiel­ten Gau- ders Ge­dan­ken für för­de­rungs­wert. Der Mann aus Ren­nin­gen hat sich dar­auf ver­steift, den per­fek­ten Laut­spre­cher im Alu­mi­ni­um­ge­häu­se zu er­schaf­fen. Ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen. Denn Alu­mi­ni­um lei­tet den Klang un­er­bitt­lich. Aus Alu könn­te man Glo­cken gie­ßen – es klin­gelt und schep­pert. Die meis­ten Her­stel­ler be­hel­fen sich mit Bi­tu­men­mat­ten und um­fang­rei­cher Be­dämp­fung. Man­che ka­schie­ren so­gar: Das Ge­häu­se selbst be­steht aus Holz, und ei­ne Al­u­haut wird dar­über ge­legt. Wo­zu über­haupt der Auf­wand? Weil Alu­mi­ni­um zum Fe­tisch der Ge­gen­wart ge­hört. Es gibt Fans des Ma­te­ri­als – die meis­ten las­sen ih­re Elek­tro­nik in ge­bürs­te­tem Alu glän­zen und wün­schen sich auch die pas­sen­den Laut­spre­cher hin­zu. Ein gro­ßes Feld. Das eben Dr. Ro­land Gau­der be­ackern will. Da­zu braucht

es Ge­hirn­schmalz. Sein Kon­zept: Das Alu wird na­tur­be­las­sen auf­ge­sta­pelt, in auf­wän­dig be­rech­ne­ten Rip­pen, die je­de Ei­gen­schwin­gung und je­de Klang­ver­fär­bung eli­mi­nie­ren. Er er­fand die „Dy­na­mic Alu­mi­ni­um Ripp Con­struc­tion“– kurz „DARC“. Da­hin­ter ste­hen et­li­che kom­ple­xe Ge­dan­ken­gän­ge. So soll das Ge­häu­se nicht nur schön aus­se­hen, son­dern auch die klang­li­chen Wer­te von Alu­mi­ni­um bes­tens prä­sen­tie­ren. Das Ge­häu­se soll stumm ge­gen Ei­gen­schwin­gun­gen sein, zu­gleich aber auch nicht über­dämpft – es geht nicht dar­um, Klan­gener­gie zu ver­nich­ten. Wer tie­fer in die DARC 80 hin­ein­schaut, ent-

„Ei­ne Prä­senz wie auf dem Di­ri­gen­ten-Pult“

deckt ei­nen über­aus kom­ple­xen Auf­bau: Je­de Rip­pe ba­siert auf Un­ter­ele­men­ten; da­zwi­schen lie­gen Wa­ben, die die un­ter­schied­li­chen Kam­mern ab­gren­zen. Al­les glänzt, nir­gends das Grau von Dämm­ma­te­ri­al. Sub­text: Die­ser Laut­spre­cher soll eben­so un­an­greif­bar wie schnell sein. Die Ge­samt­kon­struk­ti­on folgt den Spiel­re­geln ei­nes 2,5-We­ge- Sys­tems. Zwei Bas­schas­sis tei­len sich die Tie­fen­an­tei­le, der un­te­re Wand­ler wird ab 120 Hertz recht steil aus dem Klang­ge­sche­hen aus­ge­kop­pelt. Die Chas­sis kauft Gau­der bei der feins­ten, aber auch teu­ers­ten, Qu­el­le an – beim deut­schen Her­stel­ler Ac­cu­ton. Die Mem­bra­nen be­ste­hen aus Ke­ra­mik und wer­den so nur für Gau­der her­ge­stellt. Der obe­re Bass/ Mit­tel­tö­ner ra­ckert in ei­nem ei­ge­nen Sub­ge­häu­se, kom­plett oh­ne Bas­sre­flex- Öff­nung. Das ist strin­gent bis kom­pro­miss­los. Eben­so ver­fährt Gau­der auch bei der Fre­quen­zwei­che. Die geht ex­trem steil­flan­kig zur Sa­che – bei 60 dB/ Ok­ta­ve. Was Ver­zer­run­gen und Über­lap­pun­gen kei­ne Chan­ce lässt, par­al­lel soll die Pha­sen­ge­nau­ig­keit stei­gen. So opu­lent die DARC 80 mit ih­ren 65 Ki­lo­gramm wirkt, so ent­schlackt ist sie auf Tem­po und Prä­zi­si­on ge­trimmt. Die ei­gent­li­chen Pro­ble­me so ei­ner Su­per­box tau­chen erst im Raum auf. Da re­flek­tiert die Wand, da schwingt sich der Tief­bass auf – al­les kein Pro­blem für die DARC 80. Auf ih­rem An­schluss­ter­mi­nal wur­de ein Feld mit un­ter­schied­li­chen Steck­brü­cken ein­ge­las­sen. Hier­über kann der Kun­de – oder bes­ser: der ver­sier­te Händ­ler – ei­nen klei­nen Equa­li­zer an­le­gen. Wahl­wei­se las­sen sich Bass und Hö­hen bis 1,5 De­zi­bel zäh­men oder an­he­ben. Wie der Kun­de auch die Wahl bei den wei­te­ren Fein­hei­ten hat. So setzt Gau­der zwei ver­schie­de­ne Hoch­tö­ner ein. In der Stan­dard­va­ri­an­te klingt ei­ne Ke­ra­mik, für 8000 Eu­ro mehr gibt es ei­ne Dia­mant­mem­bran. Man ahnt bei die­ser Zahl, dass auch der Grund­preis recht üp­pig aus­fal­len muss – tat­säch­lich: 30 000 Eu­ro ver­an­schlagt Gau­der für die Stan­dard­va­ri­an­te. Wer noch wei­ter in den fir­men­ei­ge­nen Him­mel auf­stei­gen will,

Mas­siv bis in die FüSS e: Die Bas­sre­flex­ener­gie wird gen Bo­den ge­pus­tet. Auf Wunsch gibt es auch ei­ne ex­tra-gro­ße Stand­ebe­ne. Na­tür­lich mit hö­hen­ver­stell­ba­ren Spikes.

Baustei­ne: Gau­der setzt für die DARC 80 ei­ne Rip­pen-Kon­struk­ti­on mit Zwi­schen­rin­gen zu­sam­men. Al­les ent­steht am deut­schen Fir­men­stand­ort.

Nur hier: Der deut­sche Edel­her­stel­ler Ac­cu­ton baut für Gau­der Akus­tik maß­ge­schnei­der­te Chas­sis mit Ke­ra­mik­mem­bran – teu­er aber er­staun­lich schnell. Schlan­ke Form: Trotz des üp­pi­gen Ge­wichts von 65 Ki­lo­gramm wirkt die DARC 80 schlank – die Form­spra­che ist ele­gant. Auch ein Pro­dukt aus deut­scher Schmie­de.

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