T est Whar­fe­da­le Re­va- 4

Ei­ne er­wach­se­ne Stand­box mit vier Chas­sis? Das kann teu­er wer­den. Wird es aber nicht. Whar­fe­da­le kratzt an der High-End-Klas­se und for­dert nur über­schau­ba­res Geld da­für.

Audio - - INHALT - Von Andreas Gün­ther

Ei­ne er­wach­se­ne Stand­box mit vier Chas­sis muss nicht teu­er sein. Die­ser Laut­spre­cher fei­er­te ein Klang­fest und kos­tet un­ter 2000 Eu­ro.

Man müss­te zau­bern kön­nen. Von mir aus auch mit Zau­ber­stab. Ein­fach ei­nen ge­hei­men Spruch mur­meln – und peng: Aus dem gro­ßen Preis für die High- End- Kom­po­nen­te wird ein klei­nes Sümm­chen. Of­fen­bar ist Whar­fe­da­le im ge­hei­men Wis­sen um die­sen Zau­ber­spruch. Viel­leicht sind es auch an­de­re Mit­tel. Auf je­den Fall kön­nen die En­g­län­der ei­nen aus­ge­wach­se­nen, sehr gut klin­gen­den Stand­laut­spre­cher her­bei­zau­bern, der er­staun­lich we­nig Geld kos­tet. Die Re­va 4 ist der größ­te Klang­wand­ler der Re­va Se­rie, 111 Zen­ti­me­ter hoch und ziem­lich er­wach­sen. Als Te­st­re­dak- teur pirscht man sich lang­sam her­an. Zu­erst mit den Fin­gern und Au­gen. Dann schätzt man ei­nen Preis. Und wir la­gen falsch. Wir hät­ten an­ge­sichts der rei­nen Fer­ti­gungs­qua­li­tät auf über das Dop­pel­te des rea­len Prei­ses ge­tippt. Doch: Über­schau­ba­re 1900 Eu­ro kos­tet das Paar. Das ist wahr­lich das Er­geb­nis ei­nes Zau­ber­stabs. Nur für die Vor­stel­lungs­kraft: Ins­ge­samt sie­ben Schich­ten an Lack wur­den auf­ge­tra­gen, ge­schlif­fen und ver­fei­nert. Wenn an­de­re Her­stel­ler so schnell mit dem Wort „Kla­vier­lack“pa­rat sind – hier ist es wirk­lich Er­leb­nis. Al­les ent­steht bei Whar­fe­da­le da­selbst – die Ent­wick­lung, die Fer­ti­gung der Kom­po­nen­ten, die Mon­ta­ge und das Fi­nish. Wer macht sich heu­te noch die­se Mü­he? Kaum ein Her­stel­ler. Ein Stern­chen des­halb schon an die­ser Stel­le. Wir ha­ben den Rönt­gen­blick an­ge­wor­fen – wie von ma­gi­scher Hand. Nein, ganz ehr­lich: Wir ha­ben uns ein hoch­auf­lö­sen­des Fo­to zu­schi­cken las­sen, das den In­nen­auf­bau der Re­va 4 zeigt. Das ist be­ein­dru­ckend. Je­des Chas­sis sitzt in sei­nem ei­ge­nen Sub­ge­häu­se. Da­hin­ter lie­gen mas­si­ve Schich­ten von Dämm-

wol­le, ins­be­son­de­re bei Mit­tel- und Hoch­tö­ner. Die Bass­pro­du­zen­ten agie­ren mit mehr Spiel­raum und drü­cken ih­re rück­wär­ti­ge Kraft in zwei Bass­re­flexKam­mern. Die Strö­me wer­den ge­schickt gen Bo­den ge­lei­tet, wo die Re­fle­xener­gie über ei­nen klei­nen Schlitz aus­tritt. So­fort wis­sen wir: Die­ser Laut­spre­cher ist un­pro­ble­ma­tisch in der Auf­stel­lung, er kann frei im Raum oder wand­nah auf­spie­len, auch klei­ne Räu­me hal­ten sei­ne Kraft aus. Viel­leicht liegt es am eng­li­schen Baustil. Selbst in ei­ner klei­nen, fei­nen Woh­nung im Lon­do­ner Wes­tend wür­de die­ser Laut­spre­cher hör- wie sicht­bar sein Po­ten­zi­al ent­fal­ten. Ge­hen wir noch tie­fer in die De­tails. Schau­en wir uns die Bau­for­men der Chas­sis an. Was eh­ren­voll über­rascht: Whar­fe­da­le kauft nicht – wie so vie­le – zu, son­dern fer­tigt selbst, nach den ei­ge­nen Idea­len. In der Hö­he schwingt ei­ne Sei­den­ka­lo­t­te mit 25 Mil­li­me­tern im Durch­mes­ser. Dar­un­ter, in der Mit­te, wer­den die Klan­gin­for­ma­tio­nen ei­ner Glas­fa­ser­mem­bran mit 11,5 Zen­ti­me­tern an­ver­traut. Schließ­lich in der Tie­fe zwei iden­ti­sche 15-Zen­ti­me­ter- Bäs­se, eben- falls aus Glas­fa­ser. Je­des nai­ve Ge­müt wür­de jetzt zu­sam­men­rech­nen und sa­gen, hier tö­ne ei­ne Drei- We­ge- Box. Dem ist aber nicht so. Die Wei­che gibt die Spiel­re­geln ei­ner 2,5- We­ge- Kon­struk­ti­on vor – die bei­den Tief­tö­ner spie­len lan­ge über ge­mein­sa­me Stre­cke, dann setzt sich die un­te­re Mem­bran als rei­ner Bass­lie­fe­rant ab. Das ist cle­ver und zeigt die au­dio­phi­len An­sprü­che. Die Über­ga­be­fre­quen­zen lie­gen bei 350 und 2600 Hertz. Die Spiel­re­geln in die­ser Klas­se ver­lan­gen, dass es über ei­nen Bi-Wi­ring- Port hin­ein geht – auch Whar­fe­da­le wi­der­setzt sich nicht. Wie über­haupt die­ser Laut­spre­cher als Arche­typ sei­ner mo­der­nen Bau­form auf­tre­ten könn­te. Doch al­le Duft­mar­ken, al­le Zau­ber­sprü­che be­wir­ken we­nig, wenn der Klang nicht stimmt. Ganz ehr­lich: Von den ers­ten Tö­nen der Re­va 4 wa­ren wir ent­täuscht. Das klang zwar grund­sätz­lich rich­tig, aber auch er­staun­lich blut­arm. Wir ha­ben beim Deut­schen Ver­trieb nach­ge­hakt; seit ei­ni­ger Zeit ge­hört Whar­fe­da­le der IAG Group. Von hier sprach uns ei­ne kla­re Bot­schaft ent­ge­gen: Bit­te die­sen

„Ein Klang­fest wie in der Oper “

Bun­te Viel­falt: Whar­fe­da­le bie­tet die Re­va 4 in vier un­ter­schied­li­chen Fi­nis­hFor­men an. Ne­ben hoch­glän­zen­dem Weiß und Schwarz ste­hen auch „Ro­se Pia­no“und Wal­nuss zur Wahl.

Hoch ge­wach­sen: Die Ge­samt­hö­he der Ri­va 4 be­trägt 111 Zen­ti­me­ter – das gilt in un­se­rer Bran­che als aus­ge­wach­sen. Das Ge­häu­se ist mehr­fach ver­strebt und um­fas­send be­dämpft.

Schma l, aber sin­nig: Die Re­va 4 strahlt ih­re Bas­sre­flex-Ener­gie über ei­nen win­zi­gen Schlitz zwi­schen So­ckel und Kor­pus aus.

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