Box-Sets The Beat­les, The Eagles,

Nach 50 Jah­ren be­kam das „Whi­te Al­bum“der Beat­les ei­ne klang­li­che Auf­fri­schung. Ge­schmack­voll und ge­lun­gen. So­wohl die ana­lo­ge De­lu­xe Edi­ti­on als auch die di­gi­ta­le Su­per De­lu­xe Edi­ti­on be­geis­tern dann noch mit ein paar Sah­ne­häub­chen.

Audio - - INHALT - Lothar Brandt

Bob Dy­lan, The Moo­dy Blues u.v.m.

Der Weiß- Heit letz­ter Schluss? Mög­li­cher­wei­se. Der Schluss aber liegt na­he, wenn man sich die jüngs­ten Aus­ga­ben des Wei­ßen Al­bums an­ge­hört und auch an­ge­se­hen hat. Vor 50 Jah­ren, am 22. No­vem­ber 1968, ver­öf­fent­lich­ten vier noch im­mer jun­ge Män­ner nach sechs­jäh­ri­ger Ton­trä­ger­kar­rie­re ihr ers­tes Dop­pel­al­bum, das sie schlicht nach sich selbst be­nann­ten: The Beat­les. Das Co­ver un­ter­schied sich so ra­di­kal wie mög­lich von der farb­strot­zen­den, an­spie­lungs­rei­chen Ein­klei­dung des LP-Vor­gän­gers „Sgt. Pep­per‘s Lo­nely Hearts Club Band“: rei­nes, jung­fräu­li­ches Weiß. Ein Nich­tCo­ver, das je­doch – na­tür­lich – bald iko­nisch wur­de und der Dop­pel- LP rasch ih­ren Ne­ben­na­men gab: „The Whi­te Al­bum“. Pro­du­zent Ge­or­ge Mar­tin hät­te die 94 Mi­nu­ten Krea­tiv- Ex­plo­si­on ger­ne auf ei­ne LP ein­ge­kocht, aber auch hier setz­ten sich die Fab Four durch. Mit ei­nem Meis­ter­werk: ro­her, rau­er, we­ni­ger spie­le­risch als „Sgt. Pep­per“, we­ni­ger Stu­dio­kunst als die Kehrt­wen­de zu ei­ner ur­sprüng­li­che­ren Pop­kul­tur, mehr „strip­ped down“. Die­ses Kul­tur­gut hat nun der Pro­du­zen­ten- Sohn Gi­les Mar­tin ge­mein­sam mit Sam Okell ei­ner Klang­kur un­ter­zo­gen. Kein schnö­des, kos­me­ti­sches Re­mas­ter, son­dern wie schon bei der welt­weit hoch­ge­lob­ten Neu­fas­sung von „Pep­per“ein ech­ter Re­mix auf Ba­sis der Ori­gi­nal- Mehr­spur­bän­der. Wir be­rich­te­ten in AU­DIO 12/18; se­hens­wert ist ein Clip da­zu auf Youtube, der auch die be­nutz­ten his­to­ri­schen Stu­dio­ge­rät­schaf­ten und Film­schnip­sel aus der Ab­bey Road zeigt (https:// bit.ly/ 2KcyMD8). Im Ver­gleich mit al­ten und jun­gen LPund CD-Aus­ga­ben wirkt die Neu­fas­sung oft de­fi­nier­ter, prä­zi­ser in den Drums, dif­fe­ren­zier­ter in den Gi­tar­ren­spu­ren, kla­rer im Ge­sang. Der kna­cki­ge Bass in Pauls Sing­along „Ob- La- Di, Ob- La- Da“drückt sich deut­li­cher durch, die Back­ground- Ge­sän­ge in „… Bun­ga­low Bill“wir­ken prä­sen­ter, die Strei­cher und Blä­ser im ab­schlie­ßen­den „Good Night“rü­cken viel nä­her an die See­le. Mög­li­cher­wei­se wird der ei­ne oder an­de­re jetzt „Why Don’t We Do It In The Road“oder „Re­vo­lu­ti­on 1“als nicht mehr ganz so dre­ckig emp­fin­den wie das Ori­gi­nal. Ins­ge­samt ist da jetzt mehr Le­ben drin, und den­noch klingt die­ses so he­te­ro­ge­ne Dop­pel­al­bum nie ­ge­glät­tet oder gar auf­ge­bla­sen.

­Ei­nen Klas­se- Job hat Mar­tin auch den le­gen­dä­ren „Es­her“-Ses­si­ons an­ge­dei­hen las­sen. Sie er­ge­ben LP 3 und 4 be­zie­hungs­wei­se CD 3 der „De­lu­xe Edi­ti­on“, die die nor­ma­len Dop­pel- LP- und Dop­pel- CD-Aus­ga­ben, aus­ge­stat­tet mit Re­prints des Ori­gi­nal- Pos­ters mit Tex­ten und den vier iko­ni­schen Por­träts der Fab Four (et­was zu viel Far­be), er­gän­zen. Die vol­le Dröh­nung lie­fert dann mit die „Su­per De­lu­xe Edi­ti­on“. Sie bie­tet drei wei­te­re CDs mit 50 Ses­si­on- Out­ta­kes und ei­ne Blu- ray mit dem Neu- Mix in hoch­auf­lö­sen­dem For­mat, zwei Mehr­ka­nal-Mi­schun­gen (Dol­by True HD und DTSHD Mas­ter) so­wie den Mo­no- Mix. Ein ech­ter Ge­winn sind die Sur­round- Mi­xe, ent­spre­chen­de Laut­spre­cher vor­aus­ge­setzt. Die Dol­by-Ver­si­on klang im Hör­ver­gleich noch fet­ter, auch lau­ter, spek­ta­ku­lä­rer als DTS. Herr­lich, wie sich ein­zel­ne Spu­ren auch von hin­ten noch mar­kan­ter her­aus­schä­len, et­wa die Gi­tar­ren- Dopp­lun­gen auf „De­ar Pru­dence“oder das tol­le Orches­ter­spiel in „Pig­gies“. Deut­lich mas­si­ver wirkt die Dy­na­mik bei „Ever­y­bo­dy’s Got So­me­thing To Hi­de …“– die Bei­spie­le sind Le­gi­on. Am hef­tigs­ten konn­ten sich die Re­mi­xer lo­gi­scher­wei­se beim ex­pe­ri­men­tel­len „Re­vo­lu­ti­on 9“aus­to­ben. In die­ser Sur­round- Fas­sung wird so­gar ­die­ses frü­her oft als über­flüs­sig emp­fun­de­ne und gern über­sprun­ge­ne Non­sen­seStück (Len­non zu McCart­ney: „Un­se­re nächs­te Sin­gle“) zu ei­ner span­nend an­zu­hö­ren­den Col­la­ge. Das op­ti­sche Pracht­stück der Su­per De­lu­xe Edi­ti­on ist das Buch, rand­voll ge- füllt mit Bil­dern und An­mer­kun­gen zu je­dem Song. Da steht man­ches drin, das auch In­ten­siv- Le­ser des „Beat­les Le­xi­kons“oder der Me­ga-Schwar­te „Beat­les To­tal“noch nicht wuss­ten. Ein wei­te­res Sah­ne­häub­chen, für Fans un­ver­zicht­bar, auch wenn es den Preis auf et­wa 130 Eu­ro treibt. Der edi­to­ri­sche und klang­li­che Mehr­wert des neu­en Wei­ßen Al­bums ist eben ers­te Sah­ne.

Folk, Pop, Rock The Beat­les The Beat­les (Whi­te Al­bum) Su­per De­lu­xe Edi­ti­on (6 CDs, 1 Blu-ray, 1 Buch)

Folk, Pop, Rock The Beat­les The Beat­les (Whi­te Al­bum) & Es­her De­mos, De­lu­xe Vi­nyl Edi­ti­on (4 LPs)

Nur echt mit: Na­tür­lich lie­gen Poster und Por­träts der Ori­gi­nal-Aus­ga­be auch den Neu-Edi­tio­nen bei. Dass die Dop­pel-LP zur Sei­te und nicht wie beim Ori­gi­nal nach oben öff­net - ge­schenkt.

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