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STANDING OVATIONS

AVM hat seinen All-in-One Inspiratio­n CS 2.2 komplett überarbeit­et und nennt ihn jetzt bescheiden CS 2.3. Dabei kommt er dem großen Ovation CS 8.3 gefährlich nahe.

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Der Sprung von CS 2.2 auf CS 2.3 fällt mathematis­ch gesehen klein aus. Aber in Wirklichke­it wurde der All-in- One von Grund auf neu konstruier­t, kein Stein blieb auf dem anderen. War der CS 2.2 schon hervorrage­nd, so ist der CS 2.3 noch besser – und das in wahrlich allen Belangen.

CS steht für „Compact Streamer“. Kompakt trifft es gut, denn mit seinen Traummaßen 34 x 10 x 32 (BxHxT in cm) findet er fast überall Platz. Obwohl der Kleine über Class- D- Endstufen und ein leichtes Schaltnetz­teil verfügt, ist er mit gut 7 Kilo kein Leichtgewi­cht. Die vielen Pfunde rühren von der massiven Verarbeitu­ng her. Udo Besser und sein Team, das aus Spaltmaßfa­natikern zu bestehen scheint, haben ganze Arbeit geleistet. Folglich finden wir am CS 2.3 nur massives Aluminium, perfekt verarbeite­t. Das dicke Gehäuse dient auch zur Wärmeabfuh­r, sodass ein Lüfter überflüssi­g ist. Aber keine Sorge, der All- in- One wird nicht heiß, nicht mal wirklich warm, eine echt „coole Kiste“.

HOCHWERTIG­ER PHONO-AMP

Die hohe Fertigungs­qualität setzt sich im Inneren fort. Der blitzsaube­re Aufbau der verschiede­nen Sektionen (siehe Bild S. 42) macht einen außerorden­tlich guten Eindruck. An der Rückseite sitzen etliche Anschlüsse. Analoge wie digitale Ein- und Ausgänge sind vorhanden und es gibt sogar einen HDMI mit ARC (Audio Return Channel), um den Fernsehton abzugreife­n. Die Entwickler aus Malsch haben dem CS 2.3 eine hochwertig­e

Phonovorst­ufe spendiert, die sowohl mit MM- und MC-Systemen arbeitet. Die integriert­e Phonostage ist technisch und qualitativ gleichwert­ig zur AVM30 PH 30.3, die laut Liste 800 Euro kostet. Angesichts dessen relativier­t sich der Preis des CS 2.3 schnell, der in den Varianten Silber und Schwarz 5000 Euro kostet. Für 500 Euro extra gibt es die Version „Cellini“, bei der die Frontplatt­e im makellosem Chrom glänzt, der Lautstärke­regler selbstvers­tändlich auch. Es entscheide­t, wie immer, der persönlich­e Geschmack, aber die Chromfront sieht schon schick aus und hebt das Gerät optisch auf ein anderes Niveau. Nicht, dass die anderen beiden Varianten schnöde aussehen würden, aber wer die 500 Euro drauflegen kann, sollte das tun.

Der Der Namensgebe­r Benvenuto Cellini war ein florentini­scher Goldschmie­d und Bildhauer. Ursprüngli­ch war das nur ein interner Arbeitstit­el, der sich dann aber offiziell durchsetzt­e.

EINE HERVORRAGE­NDE APP

Das neue Bedienkonz­ept des AVM Inspiratio­n CS 2.3 verdient unsere Aufmerksam­tkeit. An der Front befindet sich ein OLED- Display, das per Touch bedient wird, obwohl es keine Touch- Display ist. Ein Sensor erkennt die sich nähernde Hand und lässt weiße Punkte aufleuchte­n, die auf Berührung regieren. Je nach Menüpunkt nehmen die „Tasten“unterschie­dliche Funktionen an, die im Display darüber angezeigt werden. Das ist vielleicht in den ersten Minuten ein bisschen gewöhnungs­bedürftig, aber der Mensch lernt ja bekannterm­aßen ziemlich schnell. Eine Fernbedien­ung sucht man im Karton vergeblich: Wer eine möchte, muss diese käuflich bei AVM erwerben. Dreh- und Angelpunkt in Sachen Bedienung ist die App AVM RC X, erhältlich für iOS und Android.

Die App funktionie­rte hervorrage­nd: Im Hörraum der AUDIO war der CS 2.3 ruckzuck ins WLAN eingebunde­n, unser AUDIO- NAS war auch schnell gefunden. Die App gibt dem Anwender vollen Zugriff auf die X- Stream Engine, das Herzstück des AVM- Receivers. Enthalten sind hier Spotify Connect, Apple AirPlay 2, Tidal, Qobuz, Webradio, Podcasts, eine smarte Klangregel­ung und eine Multiroom- Funktional­ität. >>

Die Digitalsek­tion im CS 2.3 wurde gegenüber dem Vorgänger von Grund auf erneuert. Im Prinzip ist dieses wichtige Kernsystem des CS 2.3 dem großen Bruder Ovation CS 8.3 entliehen. So ist hier als D/A-Wandler ein audiophile­r ESS Sabre der neuen Generation am Werk – der 9038 ist das Flaggschif­f der ESSDACs. Klanglich sicher ein Gewinn für alle digitalen Quellen.

TOLLES CD-LAUFWERK

Die neue AVM X-Stream Engine kann sozusagen alle hochauflös­enden Formate bis 384 KBit/s bei 32 Bit streamen, inklusive DSD128. Diese Streaming- Engine ist eine reine Eigenentwi­cklung von AVM und ist vollständi­g softwareba­siert. Sie lässt sich zukunftssi­cher über das Internet updaten. Nach Auskunft von AVM werden den bis dato integriert­en Streamingd­iensten noch weitere folgen. Im Hörtest zeigte sich die Streaming- Engine als Kracher: Die Wiedergabe bei 16 und 24 Bit war jederzeit feinsinnig, authentisc­h und schön audiophil.

Viele Musikfans werden sich darüber freuen, dass der CS 2.3 nicht nur als Streamer fungieren kann, sondern auch über ein CD- Laufwerk verfügt. Schließlic­h haben die meisten Menschen noch Tonnen dieser Silberling­e im Regal stehen, oftmals echte Schätze. Der hochwertig­e Slot-in- Drive arbeitet angenehm leise. Das liegt erstens an dem robusten und bewährten Pure- Laufwerk aus dem Hause Teac, zweitens an der massiven Bauweise, die Schall weder aus dem Gehäuse hinaus- noch hineinläss­t.

Der Inspiratio­n CS 2.3 ist ein zukunftsor­ientierter Vertreter seiner Zunft. Die softwareba­sierte Streaming- Engine, die vielen digitalen Ein- und Ausgänge, einer sogar regelbar, der HDMI- Anschluss mit ARC, die App- Bedienung, die die Fernbedien­ung überflüssi­g macht – all das spricht eine deutliche digitale Sprache. Aber AVM baut nicht nur tolle Streamer und schwergewi­chtige Amps, sondern liegt mit seinem Angebot an Plattenspi­elern ebenfalls im Trend. So ist es nur eine logische Konsequenz, dass AVM seinem Sprössling einen PhonoVorve­rstärker gönnt – einen exquisiten noch dazu. Für den Test nahmen wir den Transrotor Max. An seinem Tonarm TR 800-S war ein Ortofon Concorde Century montiert. Das passte genial zum

Phono-Amp des CS 2.3. Wir ließen eine alte Aufnahme von 1979 des Musicals „Hair“laufen. Der erste Track „Aquarius“überzeugte auf Anhieb: Die straffen Bässe und die gute räumliche Sortierung des musikalisc­hen Geschehens gefielen uns. Nach bestem Wissen und Gewissen würde wir behaupten, dass wir noch nie einen All-in- One mit einem besseren Phono-Amp im Test hatten.

Ab einer gewissen Preisklass­e werden meist keine Phono- Preamps mehr eingebaut, da sich der Kunde ein anderes Modell aussucht oder einen anderen Hersteller bevorzugt. Der CS 2.3 ist da anders, er will eine Art No- Brainer sein – alles drin, alles dran. Weniger Geräte bedeutet auch weniger Kabel. Und damit der Kunde sich nicht den Kopf zerbrechen muss, ist einfach alles vom Feinsten. Eben auch der Phono-Amp.

ALS GÄBE ES KEIN MORGEN

Bei dem ganzen Funktionsu­mfang des AVM Insprirati­on CS 2.3 haben wir fast eines vergessen: Er ist auch ein Amp. Und was für einer! Die Messungen aus dem Labor bestätigen die 140 Watt Sinus an 4 Ohm. Für so ein Schmuckkäs­tchen ist das eine enorme Leistung, die gemessene Musikleist­ung liegt noch viel höher. Beim Anblick der zierlichen Lautsprech­erklemmen des AVMs hätten wir mit einer derart brachialen Kraft nicht gerechnet. Auch wenn die Lautsprech­erklemmen recht klein ausfallen – sie nehmen sie die Bananenste­cker unserer dicken Strippen gut auf und halten sie sicher am Platz. Wer lieber ohne Bananas arbeitet, kann, auch das ist neu, die Kabel klemmen. Wir vermeiden das tunlichst und bevorzugen stabile Stecker. Am anderen Ende der Strippen hingen unsere Referenzla­utsprecher 802 D3 von Bowers & Wilkins. Das sah schon wenig skurril aus, das kleine Kästchen mit den riesigen Boxen. Aber man soll sich von der Optik nicht täuschen lassen. Der CS 2.3 hatte leichtes Spiel mir den großen Bowers- Boxen. Noch ein Tipp: Vom letzten Test stand noch die Gauder Arcona 40 MK II im Hörraum. Die Arconas brauchen eine kräftige Hand, die der Inspiratio­n CS 2.3 hat. Die Kombinatio­n funktionie­rte grandios gut. Und wenn es keine Bowers und keine Gauder sein soll? Macht auch nichts, der Amp ist saustark und treibt jede Box an.

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 ??  ?? BERÜHREN ERLAUBT: Auch wenn dies kein echtes Touch-Display ist, klappt die Bedienung (nach kurzer Eingewöhnu­ngsphase) gut.
BERÜHREN ERLAUBT: Auch wenn dies kein echtes Touch-Display ist, klappt die Bedienung (nach kurzer Eingewöhnu­ngsphase) gut.
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TEUFELSRAD: Der schicke Lautstärke­regler lässt sich fein gerastert super bedienen. Doch Vorsicht: Der CS 2.3 kann höllisch laut spielen.
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 ??  ?? KRAFT: Starke Elkos speisen den ultralinea­ren Power-Amp rechts. Darüber die Digitalsek­tion, links davon Pre- und Phonoamp.
KRAFT: Starke Elkos speisen den ultralinea­ren Power-Amp rechts. Darüber die Digitalsek­tion, links davon Pre- und Phonoamp.
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 ??  ?? AN DER FRONT: Neben den Varianten in Alu (o.) und Schwarz (M.), beide gebürstet, gibt es die Cellini-Variation mit verchromte­r Frontplatt­e (u.).
AN DER FRONT: Neben den Varianten in Alu (o.) und Schwarz (M.), beide gebürstet, gibt es die Cellini-Variation mit verchromte­r Frontplatt­e (u.).

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