Was zwi­schen den Zei­len steht

Al­ters­ver­sor­gung Wir er­klä­ren, wie die Zahlen in Ren­ten­be­scheid und Ren­ten­in­for­ma­ti­on zu ver­ste­hen sind

Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt) - - Leben - VON CLAU­DIA KNEIFEL

Die Ren­ten­in­for­ma­ti­on der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung wirft vie­le Fra­gen auf. Und was tat­säch­lich un­term Strich üb­rig bleibt, steht auch nicht di­rekt in dem Schrei­ben. Doch was be­deu­ten die Aus­füh­run­gen? Bet­ti­na Fie­seler und Isa­bel Al­brecht von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung er­klä­ren die wich­tigs­ten Fakten.

Müs­sen Rent­ner Steu­ern zahlen?

Ja, auch Ren­ten sind grund­sätz­lich steu­er­pflich­ti­ges Ein­kom­men, aber nicht je­der Rent­ner muss Steu­ern zahlen. Je spä­ter man in Ren­te geht, des­to hö­her ist der steu­er­pflich­ti­ge An­teil der Ren­te. Ab ei­nem Ren­ten­be­ginn im Jahr 2040 ist die Ren­te zu 100 Pro­zent steu­er­pflich­tig. Nach ei­ner Be­rech­nung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums muss ein al­lein­ste­hen­der Rent­ner, der im Jahr 2017 in Ren­te ge­gan­gen ist, ab ei­ner Jah­res­brut­to­ren­te von mehr als 14 248 Eu­ro Steu­ern zahlen. Das gilt nur dann, wenn er ne­ben der Ren­te kei­ne an­de­ren steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­te hat. Der Be­steue­rungs­an­teil steigt von Jahr zu Jahr – wer 2017 in Ren­te geht, hat ei­nen Be­steue­rungs­an­teil von 74 Pro­zent. In­di­vi­du­el­le In­for­ma­tio­nen zur Be­steue­rung er- hal­ten Rent­ner bei Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­nen, Steu­er­be­ra­tern und den Fi­nanz­äm­tern.

Was heißt Re­gel­al­ters­ren­te und was sagt das Da­tum aus?

Seit dem Jahr 2012 wird für ab 1947 Ge­bo­re­ne die Re­gel­al­ters­gren­ze schritt­wei­se von 65 auf 67 Jah­re an­ge­ho­ben. Für die Ge­burts­jahr­gän­ge ab 1964 ist 67 Jah­re die Re­gel­al­ters­gren­ze. Wer sei­ne Ren­te frü­her er­hal­ten will, muss in al­ler Re­gel Ab­schlä­ge, das heißt le­bens­lang Ab­zü­ge – für je­den Mo­nat frü­her 0,3 Pro­zent – in Kauf neh­men. Wer aber 45 Jah­re lang Bei­trä­ge be­zahlt hat, kann schon ab 63 Jah­ren ge­hen – oh­ne Ab­schlä­ge. Die ab­schlags­freie Ren­te mit 45 Bei­trags­jah­ren wird auch mit je­dem Jahr­gang an­ge­ho­ben. „Die Ren­te ab 63 gilt nur für Ver­si­cher­te, die vor dem 1. Ja­nu­ar 1953 ge­bo­ren sind und de­ren Ren­te nach dem 1. Ju­li 2014 be­ginnt und die die sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len“, so Fie­seler. Für Ver­si­cher­te, die nach dem 1. Ja­nu­ar 1953 ge­bo­ren sei­en, steigt die Al­ters­gren­ze mit je­dem Jahr­gang um zwei Mo­na­te. Das heißt, wer nach dem 1. Ja­nu­ar 1964 ge­bo­ren wur­de, kann nach 45 Bei­trags­jah­ren ab­schlags­frei in Ren­te ge­hen, wenn er das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat.

Was be­deu­tet der Hin­weis auf die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung?

Wer denkt, er be­kommt sei­ne Ren­te eins zu eins aus­ge­zahlt, soll­te die­sen Traum schnell be­gra­ben. Auf die Brut­to-ren­te wer­den Kran­ken­ver­si­che­rung und Pfle­ge­ver­si­che­rung fäl­lig – und seit 2009 bei vie­len Kran­ken­kas­sen ein Zu­satz­bei­trag. Für die Kran­ken­ver­si­che­rung wer­den 7,3 Pro­zent fäl­lig, für die Pfle­ge­ver­si­che­rung 2,55 Pro­zent (für Kin­der­lo­se 2,8 Pro­zent) und der Zu­satz­bei­trag macht durch­schnitt­lich ein Pro­zent aus. Bei ei­ner Ren­te von 1000 Eu­ro im Mo­nat ge­hen dann 83 Eu­ro an die Kran­ken­kas­se und 25,50 Eu­ro an die Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Wie hoch wird die Ren­te sein?

Wer vor sei­nem 63. Ge­burts­tag nicht mehr ar­bei­ten möch­te, be­kommt nor­ma­ler­wei­se kei­ne Ren­te. Das gilt selbst für die be­son­ders lang­jäh­rig Ver­si­cher­ten, die auf 45 Bei­trags­jah­re kom­men. Wer frü­her auf­hö­ren will und nicht mehr in die Ren­ten­kas­se ein­zahlt, hat An­sprü­che an­ge­sam­melt. Wie viel das ist, steht in der Ren­ten­in­for­ma­ti­on. Das Geld zahlt die Ren­ten­ver­si­che­rung erst mit Ren­ten­be­ginn aus. Wer wei­ter bis zur Re­gel­al­ters­gren­ze ein­zahlt, darf ei­ne hö­he­re Ren­te er­war­ten wie ge­sagt, im bes­ten Fall. An die­ser Stel­le wird die Ren­te hoch­ge­rech­net. Es wird un­ter­stellt, dass man bis zum Be­ginn der Re­gel­al­ters­ren­te Bei­trä­ge wie im Schnitt der letz­ten fünf Ka­len­der­jah­re ein­zahlt.

Was ist die Ren­ten­an­pas­sung?

„Auf­grund zu­künf­ti­ger Ren­ten­an­pas­sun­gen kann die er­rech­ne­te Ren­te in Hö­he von … Eu­ro tat­säch­lich hö­her aus­fal­len“, schreibt die Ren­ten­ver­si­che­rung. In der Re­gel wird die Ren­te zum 1. Ju­li je­des Jah­res an­ge­passt. 2016 sind die Ren­ten tat­säch­lich um 4,25 Pro­zent im Wes­ten und um 5,95 Pro­zent im Os­ten ge­stie­gen. 2017 fiel die Ren­ten­er­hö­hung nicht ganz so üp­pig aus. Die Ren­ten stie­gen 2017 im Wes­ten um 1,9 Pro­zent, im Os­ten um 3,59 Pro­zent. 2018 gab es zum 1. Ju­li 3,22 (Wes­ten) bzw. 3,37 Pro­zent mehr. Das heißt, die Ren­te wird durch die jähr­li­che An­pas­sung et­was hö­her aus­fal­len, als zum jet­zi­gen Zeit­punkt be­rech­net. Al­ler­dings stei­gen auch Jahr für Jahr die Le­bens­hal­tungs­kos­ten und die In­fla­ti­on. Für Ex­per­ten ist es nicht si­cher, ob die in der Ren­ten­in­for­ma­ti­on ge­nann­ten Zahlen tat­säch­lich so er­reicht wer­den, denn in der Ver­gan­gen­heit gab es auch meh­re­re Null­run­den oder eher be­schei­de­ne Er­hö­hun­gen von 0,25 Pro­zent.

Muss ich zu­sätz­lich vor­sor­gen?

Auch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung emp­fiehlt ei­ne zu­sätz­li­che pri­va­te oder be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge. Des­halb weist sie auf mög­li­che Ver­sor­gungs­lü­cken hin. Für vie­le Ver­si­cher­te ist der Hin­weis auf den Kauf­kraft­ver­lust hilf­reich und ein Denk­an­stoß.

Was ist

ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te?

Nicht al­le schaf­fen es, bis 63 Jah­re, ge­schwei­ge denn bis 65 plus zu ar­bei­ten. Wer nicht mehr kann und täg­lich nur noch we­ni­ger als drei St­un­den Ar­beit durch­steht, kann ei­ne Ren­te we­gen Er­werbs­min­de­rung – und zwar in vol­ler Hö­he – be­an­tra­gen. Dann be­kommt er den in der Ren­ten­in­for­ma­ti­on aus­ge­wie­se­nen Be­trag. Wer in­des zwi­schen drei und sechs St­un­den täg­lich ar­bei­ten kann, hat An­spruch auf 50 Pro­zent der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Aber Ach­tung: Die Prü­fung, ob ei­ne Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ge­zahlt wird, kann un­ter Um­stän­den drei bis sechs Mo­na­te dau­ern. Für die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te ist ei­ne ärzt­li­che Prü­fung nö­tig. Und es müs­sen in den vor­an­ge­gan­ge­nen fünf Jah­ren min­des­tens drei Jah­re lang Pflicht­bei­trä­ge (36 Mo­na­te) ge­zahlt wor­den sein.

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