Nie wie­der!

Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt) - - Erste Seite - VON GREGOR PE­TER SCHMITZ [email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Jom Kip­pur ist ein ra­di­ka­ler Fei­er­tag. Ra­di­kal in der Chan­ce, die er bie­tet, näm­lich die auf Ver­söh­nung. Von al­len Sün­den sol­len die Gläu­bi­gen nach jü­di­schem Brauch be­freit wer­den kön­nen. Da­für ist Ver­zei­hung nö­tig, wes­halb zu­vor al­ler Streit bei­ge­legt wer­den soll.

Mil­lio­nen Ju­den fas­ten an die­sem Tag, sie ru­hen, sie ma­chen sich da­mit auch ver­wund­bar. Es ist das Trau­ma der is­rae­li­schen Na­ti­on, dass just an Jom Kip­pur sy­ri­sche und ägyp­ti­sche Kampf­flie­ger Is­ra­el an­grif­fen. Nun gr­a­ben sich neue schreck­li­che Bil­der aus Deutsch­land ein, von Schüs­sen und Ster­ben aus­ge­rech­net an Jom Kip­pur vor ei­ner Sy­nago­ge in Hal­le, vor ei­nem jü­di­schen Fried­hof.

Ein schlim­me­res Bild kann man sich in Deutsch­land kaum vor­stel­len (und die­se ver­schwin­den ja nicht, auch wenn De­tails un­klar blei­ben). Wir Deut­sche sind nach dem Ur-ver­bre­chen des Ho­lo­caust wie­der in die Welt­ge­mein­schaft auf­ge­nom­men wor­den, da der Satz „Nie wie­der“Staats­rä­son wur­de. Der muss für je­de Form von An­ti­se­mi­tis­mus gül­tig blei­ben. Nicht weil sonst das Aus­land auf uns schaut. Son­dern weil wir Deut­sche uns sonst nicht mehr in die Au­gen schau­en kön­nen.

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