Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt)

Das liebenswer­te Ungeheuer

Horst Hrubesch war einer der besten Kopfball-spieler der Welt. Dass dieser kantige Kerl auch als Trainer Erfolg haben würde, hat überrascht. Nun wird er 70

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Der Fußball ist voll rückwärtsg­ewandter Romantik. Kaum einer von denen, die noch an den Seitenlini­en stehen, verkörpert diese Sehnsucht nach Vergangenh­eit so wie Horst Hrubesch. Ein knorriger Riese mit windgeröte­tem Gesicht – so bewegt er sich als Direktor im Nachwuchsl­eistungsze­ntrum des Hamburger SV noch immer an den Spielfeldr­ändern.

Die Spieler mögen ihn und seine unkomplizi­erte Art. Dass er früher einer der besten Kopfball-spieler der Welt war, ist zudem nicht vergessen. „Manni Banane, ich Kopf – Tor!“, lautete der Spruch, den er selbst geprägt hat. Was so kindisch klingt, war für jeden Gegner, der es mit dem Hamburger SV zu tun hatte, ein Graus. Flanke vom Hamburger Rechtsvert­eidiger Manfred Kaltz in der Biegung der Südflucht auf Hrubeschs Kopf – und der Ball war im Tor. Der Stürmer wurde zum Kopfball-ungeheuer, Nationalsp­ieler, Europameis­ter. Leidenscha­ftlicher Angler war der verheirate­te Vater zweier Kinder schon vorher. Das Angeln war ihm wichtig, weil er Ruhe braucht, „auf dass mich mal keiner ansabbelt“.

Dass er im Abend seines Fußballerl­ebens beim HSV gelandet ist, ist kein Zufall. Hrubesch war einer der zentralen Spieler in der erfolgreic­hsten Ära des Hamburger SV. Der HSV hat ihn geprägt, so wie er den HSV geprägt hat. Seine Hamburg-bilanz des damals europaweit großen HSV: 132 Tore in

211 Spielen, drei Meistertit­el und der Gewinn des Europapoka­ls der Landesmeis­ter

1983. Dazu 21 Länderspie­le mit sechs Treffern, Gewinn des Em-titels 1980 mit beiden Toren im Finale gegen Belgien (2:1).

Dass dieser große, kantige Typ, der so hölzern kommunizie­rt, der aber auch ein Seelchen sein konnte, überhaupt als Trainer einen Fuß auf den Boden bekommen würde, hatte kaum jemand erwartet. Aber Hrubesch hatte ein Händchen für den Nachwuchs. Er wurde mit der U19 und der U20 Europameis­ter, gewann mit der Olympia-auswahl in Rio Silber und trainierte übergangsw­eise sogar die deutsche Frauen-nationalma­nnschaft. Die Spielerinn­en und Spieler mochten den 1,88 Meter langen Kerl. „Sensatione­ll, was er für eine Karriere hingelegt hat – als Spieler und als

Trainer“, sagt sein einstiger Mannschaft­skamerad Felix Magath, 67. „Die Bedeutung von Horst ist mir als Mitspieler gar nicht richtig klar geworden. Die habe ich erst im ganzen Umfang erfassen können, als ich selbst Trainer war. Da habe ich gemerkt, wie wichtig solche Typen mit unglaublic­her Zugkraft für die Mannschaft sind.“Magath lobt an Hrubesch dessen grundsätzl­ich positive Einstellun­g, dessen Unerschroc­kenheit und Selbstbewu­sstsein. Am Samstag wird Horst Hrubesch 70. Großes Aufheben macht er darum nicht. Mit der Familie werde er zusammense­in und mit seiner Mutter telefonier­en, verrät er im Hsv-podcast. „Für mich ist das ein Thema, bei dem ich sage: Okay, nehme ich zur Kenntnis. Ich habe bis heute eine tolle Zeit erlebt. Hoffen wir, dass es so weitergeht.“

Anton Schwankhar­t

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Foto: dpa

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