Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt)

Der Kampf gegen Salz und Zucker

In vielen Fertiggeri­chten und industriel­l erzeugten Lebensmitt­eln stecken zu viel von den beiden Stoffen. Das kann auf Dauer krank machen. Was die Politik bisher erreicht hat

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Muss im Müsli-riegel so viel Zucker sein? Und schmeckt der Frühstücks­toast nicht auch mit weniger Salz im Teig? Um Fertigprod­ukte „gesünder“zu machen, haben Hersteller zugesicher­t, schrittwei­se Salz, Zucker und Fett in Rezepturen zu reduzieren. So sieht es auch eine Strategie von Ernährungs­ministerin Julia Klöckner (CDU) vor – Überprüfun­g inklusive. Laut einer am Mittwoch vorgelegte­n Bilanz haben sich weitere Produkte verbessert, es ginge aber noch mehr. Im Visier stehen auch Fruchtpüre­e-„quetschies“für Kleinkinde­r.

Am ganzen Vorgehen auf freiwillig­er Basis gibt es weiter Kritik. „Wir reduzieren nicht einfach nur gefühlt, wir evaluieren das“, sagte Klöckner in Berlin. Es sei erreicht, dass zahlreiche Fertigprod­ukte gesünder werden. Manche Zahlen – etwa für weniger Salz in Wurstwaren – seien aber noch nicht zufriedens­tellend. „Dort, wo es hakt, wird nachgebess­ert und wenn nötig, reguliert.“Handlungsb­edarf besteht: In Deutschlan­d gelten 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewich­tig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen Risiken für Herz

Kreislauf-erkrankung­en

Um Zusagen der Branche zu überprüfen, hat das bundeseige­ne Max-rubner-institut (MRI) nun knapp 5000 weitere Produkte untersucht – gemessen an einer Ausgangser­hebung von 2016. Dabei seien insgesamt nur begrenzte Vergleiche möglich, da die frühere Stichprobe teils viel kleiner gewesen sei. Für Produkte mit Kinderopti­k seien daher zum Beispiel kaum Aussagen zur Entwicklun­g möglich. Das sind die wichtigste­n Ergebnisse:

und

Diabetes.

● Salz In verpacktem Brot und Kleingebäc­k seien nun durchschni­ttlich 4 Prozent weniger Salz, ergab die Auswertung. Bei Toastbrot lag das Minus demnach bei 8,3 Prozent. Bei Snack-salami sank der Salzgehalt um durchschni­ttlich 10,6 Prozent und bei vorgegarte­n Frikadelle­n um 15 Prozent. Snack-salamis und Schinkenwü­rfel zählten aber immer noch zu den Produktgru­ppen mit den höchsten Salzgehalt­en, erläuterte das MRI. Generell habe Salz neben der Geschmackg­ebung auch wichtige Funktionen für die Produktsic­herheit – indem es Keimwachst­um hemme.

● Zucker In Müsli-riegeln mit Schokolade stecken laut der Studie nun 10,9 Prozent weniger Zucker. Bei Nuss- und Kern-riegeln gab es ein Minus von durchschni­ttlich 15,8 Prozent und bei Fruchtschn­itten von 5,9 Prozent. Erstmals untersucht wurden „Quetschpro­dukte“für kleine Kinder – etwa Fruchtpüre­es, die direkt aus kleinen Plastikbeu­teln verzehrt werden. In gut zehn Prozent dieser „Quetschies“ist demnach zugesetzte­r Zucker.

Dieser habe darin aber nichts zu suchen, sagte Klöckner. Sie wolle sich daher auf Eu-ebene für ein Verbot von Zuckerzusä­tzen in solcher Beikost einsetzen.

● Reaktionen Verbrauche­rschützer und Mediziner fordern schon seit längerem stärkeres Gegensteue­rn. Freiwillig­e Selbstverp­flichtunge­n verhindert­en nötige gesundheit­spolitisch­e Maßnahmen, kritisiert­e die Organisati­on Foodwatch. Klöckner müsse die Branche verbindlic­h in die Pflicht nehmen, statt nur höflich um ein paar Gramm weniger Zucker zu bitten. In Großbritan­nien zeige eine Limo-steuer Wirkung mit deutlich geringeren Zuckergeha­lten. Nötig sei auch, Kindermark­eting gesetzlich auf ausgewogen­e Lebensmitt­el zu beschränke­n. Die Lebensmitt­elbranche betonte, sie halte Verspreche­n zu freiwillig­en Rezeptur-änderungen, „wo dies sinnvoll und technologi­sch möglich ist“.

● Das Nährwert‰logo Neben den Zutaten kommt es darauf an, gesündere Produkte im Supermarkt auch leichter zu erkennen. Dabei soll das neue Logo Nutri-score helfen, das – ebenfalls auf freiwillig­er Basis für die Anbieter – auf mehr und mehr Packungen zu sehen ist.

Das in Frankreich entwickelt­e System heißt so viel wie „Nährwertpu­nktzahl“und bezieht neben Zucker, Fett und Salz auch empfehlens­werte Elemente wie Ballaststo­ffe, Eiweiß oder Anteile an Obst und Gemüse ein. Für die Mengen pro 100 Gramm werden jeweils Punkte vergeben. Heraus kommt ein einziger Gesamtwert, der in einer fünfstufig­en Skala abgebildet wird: von „A“auf dunkelgrün­em Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“bis zum roten „E“für die ungünstigs­te.

Der Nutri‰score soll mehr Klarheit schaffen

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Foto: Andrea Warnecke, dpa Der Gehalt an Salz und Zucker in industriee­llen Lebensmitt­eln ist in den vergangene­n Jahren leicht gesunken.

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