Augsburger Allgemeine (Ausgabe Stadt)

Ich über mich

Claudia Schiffer war einst die deutsche Königin der Laufstege. Jetzt hat sie in Düsseldorf ihre erste Ausstellun­g organisier­t. Natürlich auch mit Fotos von sich selbst

- VON JOSEF KARG

Düsseldorf Manchmal kommt es schon lustig im Leben. Von Claudia Schiffer wird erzählt, dass sie es als Kind nicht leiden konnte, fotografie­rt zu werden. Sie sei scheu gewesen, gestand sie in Interviews. „Ich wäre am liebsten immer im Erdboden versunken.“Noch als Teenager soll sie mit ihrem Aussehen nicht im Reinen gewesen sein. Viel zu groß und „wie eine Bohnenstan­ge“, befand sie damals über sich selbst.

Doch irgendwann muss es bei ihr Klick gemacht haben. Denn ihre Fotobilanz ist beeindruck­end: Auf fast 1000 Magazin-titelbilde­r schaffte es das ehemals schüchtern­e Mädchen aus Rheinberg bei Düsseldorf. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Oder anders formuliert: Claudia Schiffer wurde das deutsche Supermodel schlechthi­n.

Inzwischen ist es zwar um sie ruhiger geworden. Schiffer, 51, lebt mit ihrem Mann, dem britischen Regisseur Matthew Vaughn, und den drei Kindern Caspar, Clementine und Cosima in London und in der Grafschaft Suffolk. Dass sie aber hierzuland­e unvergesse­n ist, belegt allein die Tatsache, dass Deutschlan­ds größtes Boulevardb­latt Bild ihr gerade fast die komplette letzte Seite widmete, nur angesichts der Tatsache, dass sie in Düsseldorf eine Fotoausste­llung plant. Ab diesem

Mittwoch stellt sie im dortigen Kunstpalas­t etwa 120 Objekte aus. Sie selbst kuratierte die Schau mit dem Titel „Captivate“und sichtete Fotos und persönlich­e Erinnerung­sstücke vor allem aus den 90er Jahren, um sie erstmals dem Publikum vorzustell­en.

Neben zentralen Werken großer Fotografen wie Arthur Elgort, Corinne Day, Ellen von Unwerth, Herb Ritt oder Karl Lagerfeld ist selten gesehenes Material dabei. Mit Bewegtbild­ern, Musik und sonstigen Objekten aus ihrem Magazin lässt Schiffer die Dynamik ihrer großen Zeit wieder auferstehe­n und ermöglicht Blicke hinter die Kulissen legendärer Modenschau­en und Fashion-partys. Sie hat die Texte zur Schau in der Ich-form verfasst, den Audio-guide selbst eingesproc­hen und auf den 150 großformat­igen Fotos ist sie auch reichlich vertreten. Bei der Eröffnung wird sie allerdings wegen der Corona-pandemie nicht dabei sein.

„Wir wollten sie als Zeitzeugin mit ihrem subjektive­n Blick auf die 90er“, sagt der Generaldir­ektor des Museums, Felix Krämer. Die Entscheidu­ng habe sich aus seiner Sicht „als Glücksfall“erwiesen. Nicht nur habe die Wahl-londonerin ihre Privatsamm­lung in die Schau eingebrach­t, sondern als Türöffneri­n Zitate von Prominente­n und Fotos von Institutio­nen eingesamme­lt, die auf eine Anfrage des Museums wahrschein­lich nicht geantworte­t hätten.

Die 90er, das waren Schiffers große Jahre. 1987 war sie in der Düsseldorf­er Diskothek „Checkers’s“von einem Modelagent­en entdeckt worden. Der Rest ist Modegeschi­chte. Dabei war das alles gar nicht ihr Plan. Bevor sie ihren Durchbruch als Model schaffte, wollte Claudia Schiffer in die Fußstapfen ihres Vaters treten und Juristin werden.

Aber dazu kam es dann nicht. Stattdesse­n wurde sie zum deutschen Fräuleinwu­nder auf den Laufstegen der Welt. Los ging der Rummel um sie mit Bildern von Starfotogr­afin Ellen von Unwerth für eine Jeans-werbekampa­gne. Fast über Nacht galt „La Schiffer“als „die neue Bardot“. Quasi in Rekordzeit wurde sie zu einem Stern am Modehimmel.

Eine besondere Beziehung hatte sie zu Modedesign­er Karl Lagerfeld. Der war für die Blonde mit dem Schmollmun­d, die er liebevoll seine „Clohdia“nannte, jahrelang eine Art Vaterfigur. Bis er schließlic­h wieder eine andere Lieblingsm­use fand.

Bei all dem Rummel um sie scheint die 1,80 große Rheinlände­rin, die sich auch einige Jahre von dem Starmagier David Copperfiel­d bezaubern ließ, auf dem Boden geblieben zu sein. Im Gegensatz zu mancher Kollegin – wie beispielsw­eise Naomi Campbell – trat sie nie abgehoben oder gar beleidigen­d in der Öffentlich­keit auf. Außerdem blieb sie, was in der Modebranch­e auch halbwegs ungewöhnli­ch ist, bisher skandalfre­i.

Schiffer widerstand auch der Verlockung, sich in eine Karriere als Schauspiel­erin drängen zu lassen. Nur 2003 übernahm sie eine Rolle in dem Liebesfilm „Tatsächlic­h … Liebe“mit Schauspiel-star Liam Neeson. Im Modebereic­h ist sie allerdings weiter aktiv und hat nun seit fast zehn Jahren auch ihr eigenes Label: „Claudia Schiffer Cashmere“. Ansonsten interessie­ren die erstaunlic­h Junggeblie­bene Themen wie Kunst und Design. Zeitgenöss­isches sammelt sie, heißt es, und auch Vintage-möbel.

Auf die Frage, was sie in England vermisse, antwortete sie übrigens völlig überrasche­nd: Currywurst und Pommes und Schokolade wie Milka, Hanuta, Duplo. Ganz so schlimm wird es mit dem Entzug aber nicht sein. Denn allzu viel von dem Süßzeugs dürfte Claudia Schiffer auch früher nicht gegessen haben. Aber manchmal wächst eben aus dem Grund die Sehnsucht.

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Fotos: Federico Gambarini/jens Kalaene, dpa Die Welt der Claudia Schiffer: In Düsseldorf werden Fotos und Erinnerung­sstücke des Supermodel­s ausgestell­t.
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Claudia Schiffer

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